Zu Beginn schien Modis politischer Hintergrund kaum unvereinbar zu sein mit guten Beziehungen zur Arabischen Halbinsel: Der leidenschaftliche Befürworter eines hinduistischen Nationalismus war Staatsminister von Gujarat, als es in dem indischen Bundesstaat 2002 zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Hindus und Muslimen kam, bei denen Hunderte von Muslimen getötet wurden.

Die Führer der Golfregion und insbesondere die von Saudi-Arabien und den VAE sahen Modi allerdings mit anderen Augen. Modis sicherheitsorientierter Ansatz bei der Auseinandersetzung mit dem politischen Islam deckte sich mit ihren eigenen Standpunkten. Bei einer Zeremonie in Delhi im vergangenen Februar würdigte Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman seinen Gastgeber Modi als "älteren Bruder".

Ehrerbietung für MbZ

Modi knüpfte seinerseits enge Verbindungen zu Abu Dhabis Kronprinz Mohammed bin Zayed (MbZ) und lud diesen sogar 2017 als Hauptgast zum indischen Nationalfeiertag "Tag der Republik" ein, eine Ehre, die traditionell Staatschefs vorbehalten ist. Ein ehemaliger westlicher Botschafter in Abu Dhabi formulierte es so: "Die realpolitische Denkweise und der von Modi verkörperte starke Führungsstil faszinieren die saudischen und emiratischen Prinzen."

Diese gegenseitige Wertschätzung legte den Grundstein für die Zusammenarbeit in kritischen Bereichen wie Energie, Sicherheit und Verteidigung. Zur Sicherung der strategischen Erdölreserven Indiens begann die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) 2018 im Rahmen eines Siebenjahresvertrags mit der Betankung von Vorratslagern für 5.860 Millionen Barrel Rohöl in einer Anlage in Mangalore.

ADNOC beteiligt sich auch mit Saudi Aramco an der Planung zur Errichtung einer Raffinerie mit einer Kapazität von 1,2 Millionen Barrel im indischen Bundesstaat Maharashtra, deren Kosten auf 44 Milliarden Dollar geschätzt werden. Der Fortschritt dieser Projekte ist besonders wichtig im Zusammenhang mit den Sanktionen der USA gegen Länder, die Öl aus dem Iran importieren.

Vor der einseitigen Aufkündigung des Atomabkommens aus dem Jahr 2015 durch die derzeitige US-Regierung stammten etwa 10 Prozent der indischen Ölimporte aus dem Iran. Im Mai 2018 setzte Delhi unter amerikanischem Druck diese Importe offiziell aus. Saudi-Arabien sowie die VAE erklärten, sie würden zum Ausgleich der Lieferausfälle zusätzliche Barrel nach Indien liefern. Dies war die Kernbotschaft beim Besuch des Außenministers der VAE, Scheich Abdullah bin Zayed, im Juli 2019 in Indien.

Neue sicherheitspolitische Kooperation

Auch die sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen Indien und den Golfmonarchien wurde intensiviert, insbesondere mit den VAE.  Seit 2013 verhafteten die Behörden der Emirate zahlreiche Personen, die mit der indischen organisierten Kriminalität in Verbindung stehen. Indische Mitglieder von Terrorzellen wurden zudem abgeschoben.

Auch der militärische Austausch hat sich verstärkt, beispielsweise zwischen den mit der Gefahrenabwehr auf See befassten Marinestreitkräften. Die indische Militärakademie legte kürzlich zudem ein Ausbildungsprogramm für emiratische Soldaten auf.

Diese Beispiele verdeutlichen die stete Intensivierung der bilateralen Zusammenarbeit. Vor allem aber vertreten die Entscheidungsträger in Abu Dhabi und Delhi gemeinsame Standpunkte bei ihren sicherheitspolitischen Prioritäten. Unter der Führung von Mohammed bin Zayed sieht Abu Dhabi die islamistischen Bewegungen – und hier insbesondere die Muslimbrüder – als größte Bedrohung, noch vor den regionalen Ambitionen des Iran.

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