Walter Müller, 03. Dezember 2010

zu Kratzen am Mythos von Werner Bloch

Der Text von Werner Bloch ist dumm und gehässig, zum Teil arbeitet der Autor auch mit bösartigen Unwahrheiten ("Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg tingelte Lawrence sogar mit einer aufwändig inszenierten Diashow durch Europa.") Das ist aber nichts Neues. Bereits 1955 veröffentlichte Richard Aldington eine Lawrence-Biographie, in der er ihn als Lügner und Betrüger darstellte. Aber er lieferte auch Material, das in der Folgezeit dazu beitrug, das Lawrence-Bild geradezurücken. Der erste arabische Wissenschaftler, der sich mit Lawrence beschäftigte, war Musa Sleman, der seine kritische Biographie 1962 veröffentlichte (die arabische Welt beschäftigt sich nicht erst in den letzten Jahren kritisch mit Lawrence, wie Werner Bloch meint). Natürlich war Lawrence ein britischer Spion, natürlich wusste er, dass er falsches Spiel mit den Arabern treibt, natürlich kannte er das Sykes-Picot Abkommen, keiner hat mehr darunter gelitten als er selbst. Und er hat mehrfach freimütig über seine Seelenqualen geschrieben. Im übrigen sei den arabischen Kritikern empfohlen, gelegentlich auch einmal auf den Splitter im eigenen Auge zu schauen: Auch die Araber haben in der Zeit des Aufstands gegen die Türken falsches Spiel mit ihren britischen Verbündeten gespielt, indem sie hinter deren Rücken geheime Verhandlungen mit der Türkei führten.

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