Draußen vor dem Fenster sind Trommeln zu hören und die HDP-Kandidatin gibt das Zeichen zum Aufbruch. Mit zwei Dutzend Unterstützern zieht sie die Hauptstraße von Cizre hinunter, umarmt hier eine Passantin, schüttelt dort einem Verkäufer die Hand. Ihre Begleiter verteilen Flugzettel, die Frauen stoßen trillernde Schreie aus, schlagen die Trommeln und rufen Slogans. Ein normaler Wahlkampfrundgang scheint es, doch normal ist in diesem Wahlkampf nichts.

Kontrolle und Gängelung

Vor dem Aufbruch hat Imir zuerst die Genehmigung der Polizei einholen müssen, kaum irgendwo kann die HDP frei auftreten, ihr Präsidentschaftskandidat Selahattin Demirtaş kann sich ohnehin nicht öffentlich äußern, da er im Gefängnis sitzt. "Bei jeder Reise in die Provinz gibt es Kontrollen durch die Polizei", sagt Mehmet Serif Camci, HDP-Vorsitzender für Diyarbakır. Ihre Plakate würden abgehängt, ihre Kundgebungen blockiert, 14 Mitarbeiter seien schon festgenommen worden. In den Medien werde die HDP fast komplett ignoriert, kritisiert Camci.

HDP-Kandidatin Nuran Imir in Cizre; Foto: Ulrich von Schwerin
"Wir sehen die Wahl als letzte Chance nicht nur für die Kurden, sondern auch für Millionen andere Türken", sagt die HDP-Kandidatin Nuran Imir in Cizre. "Wir haben Hoffnung, weil wir keine andere Wahl haben."

In Diyarbakır sind die Spannungen nicht sofort sichtbar, doch ein Rundgang durch Sur, das historische Zentrum oberhalb des Tigris, zeigt, wie tief auch hier die Verletzungen des Kurdenkonflikts sind. Auf dem Platz vor der Großen Moschee erscheint zunächst alles normal – um die Stände mit Wassermelonen und getrockneten Aprikosen drängen sich die Menschen, die Teehäuser sind voll, die Goldgeschäfte im Basar sind geöffnet. Doch geht man einige Meter die Gassen entlang, stößt man auf eine hohe Mauer aus Betonplatten – dahinter Stille.

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