Aus diesen Gründen erklärten Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton damals: „Assad muss weg“. Amerika und seine regionalen Partner - Israel, die Türkei, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Qatar - entschieden sich, Waffen, Logistik, Ausbilder und Rückzugsgebiete (insbesondere in Jordanien und in der Türkei) für eine Rebellion gegen Assad zur Verfügung zu stellen.

Obamas fatale Weichenstellung im Syrienkonflikt

Obama unterzeichnete eine Verfügung (Operation Timber Sycamore), in der die CIA beauftragt wurde, gemeinsam mit Saudi-Arabien (dem Finanzier) auf den Sturz von Assad hinzuarbeiten. Obama wollte einen starken Widerstand seitens der US-Öffentlichkeit gegen einen weiteren CIA-geführten Krieg mit US-Bodentruppen vermeiden und entschied sich daher stattdessen, die Dschihadisten zu unterstützen.

Doch der Zweck der syrischen Operation war klar: ein der Türkei und Saudi-Arabien freundlich gesonnenes syrisches Regime zu etablieren, Russland einen Verbündeten zu nehmen und die iranischen Streitkräfte aus Syrien zu verdrängen. Den USA, Israel, der Türkei und Saudi-Arabien erschien das alles so offensichtlich.

UN-Sicherheitsrat in New York; Foto: picture-alliance/dpa
Nachhaltiger Friede statt Ausweitung der Kampfzone: "Eine erfolgreiche Diplomatie im Syrienkonflikt wäre möglich, wenn nur das außenpolitische Establishment der USA zur Abwechslung einmal anerkennen würde, dass UN-gestützte diplomatische Bemühungen und nicht Krieg der vernünftige Weg sein könnten. Unter Federführung des UN-Sicherheitsrates ließen sich mehrere Maßnahmen vereinbaren, um einen umfassenden Frieden herbeizuführen", meint Jeffrey D. Sachs.

Doch wie gewöhnlich bei CIA-Operationen mit dem Ziel eines Regimewechsels scheiterte die Sache kläglich. Russland ließ sich nicht von Amerika bluffen und unterstützte Assad, und auch der Iran stellte wichtige Unterstützung zur Verfügung. Zugleich forderte der von den USA und ihren Verbündeten angeheizte Stellvertreterkrieg unter den kämpfenden Parteien und der Zivilbevölkerung zu mehr als 500.000 Toten und führte zur Vertreibung von bisher über zehn Millionen Syrern sowie zu einer bedeutenden Flüchtlingskrise in Europa, die die Politik der Europäischen Union noch heute erschüttert.

Die Folge war, dass sich eine Gruppierung skrupelloser Dschihadisten von einer anderen Gruppierung abkapselte und den IS gründete. Nach schockierenden Videos von Enthauptungen amerikanischer und sonstiger Gefangener entschied sich Obama 2014 zur Intervention durch Luftangriffe und durch ein Kontingent von US-Soldaten, um einen von den Kurden geführten Angriff auf die IS-Hochburgen zu unterstützen.

Aus Trumps Sicht ist ein von den USA installiertes syrisches Marionettenregime, das Russland und den Iran aus dem Land drängen würde, weder für die nationale Sicherheit der USA zentral noch praktikabel. Und hier hat Trump zur Abwechslung mal Recht.

Einseitiger Abzug als noch größere Katastrophe

Zweifellos könnte der einseitige Abzug der USA eine sogar noch größere Katastrophe auslösen. Die Türkei könnte in Nordsyrien einmarschieren, um die kurdischen Truppen zu zerschlagen, und Russland und die Türkei könnten sich in einem gefährlichen Showdown wiederfinden. Israel könnte einen Krieg gegen die iranischen Truppen in Syrien anfangen; Israel und Saudi-Arabien haben bereits ein stillschweigendes Bündnis gegen den Iran geschlossen. Der Syrienkrieg könnte sich zu einem ausgewachsenen Nahostkrieg ausweiten. All dies ist schrecklich plausibel.

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