Schon der erste Satz kündigt an, wohin die Reise gehen soll. Er lautet: "The end of the Cold War forced new thinking among policymakers and analysts about the greatest challenges to U.S. national security". Dem folgt eine lange Analyse, warum die Islamische Republik für die Sicherheit Amerikas und der ganzen Welt eine Gefahr darstelle und für welche Untaten das Regime rund um den Globus verantwortlich sei. Schließlich sagt Pompeo der Führung in Teheran das baldige Ende voraus.

Ein neuer Kalter Krieg gegen den Iran

Liest man den Text gründlich, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass der Iran für die neue US-Regierung die Sowjetunion unserer Zeit darstellt. Und so wie die westliche Welt einst alles daran gesetzt hat, die Sowjetunion zu besiegen, kommt man auch heute nicht umhin, gemeinsam und unter der Führung der USA auf den Niedergang des iranischen Regimes hinzuarbeiten.

Doch die Mächtigen in Teheran haben längst begriffen, worum es den Amerikanern geht. Sie wissen, dass ihre Macht auf dem Spiel steht und warum Donald Trump für die Verkündung seiner neuen Sanktionsliste ausgerechnet den 4. November gewählt hat - den Tag der Besetzung der US-Botschaft in Teheran, als amerikanische Diplomaten als Geiseln genommen, 444 Tage lang festgehalten und fast täglich mit verbundenen Augen der internationalen Presse vorgezeigt wurden.

Beide Seiten haben die Maschinerie des gegenseitigen Hasses in den seither vergangenen vier Dekaden mit aller Kraft in Gang gehalten. Allen sporadischen Annäherungsversuchen zum Trotz gehört die Islamische Republik für die USA weiterhin zur "Achse des Bösen". Einst gehörten hierzu auch Iraks Saddam Hussein und Nordkoreas Diktatoren. Doch nun befindet sich der Iran offenbar ganz allein auf dieser Achse.

Und die Machthaber im Iran setzen ihrerseits alles dran, um diesen Platz zu verteidigen. Jedenfalls propagandistisch: So sitzen in der einstigen US-Botschaft inzwischen die Revolutionsgarden. Und vor dem Gebäude verbrennen Demonstranten alljährlich am 4. November US-Fahnen und erneuern mit Hassparolen ihre Feindschaft mit dem "großen Satan".

Irans Präsident Hassan Rohani; Foto: picture-alliance/AP
Ein neuer Kalter Krieg zwischen Teheran und Washington: "Wir sind in einem Wirtschaftskrieg und mit einer tyrannischen Macht konfrontiert", erklärte jüngst Irans Präsident Rohani. Mit Blick auf US-Präsident Donald Trump fügte er hinzu: "Ich denke, dass in der Geschichte Amerikas noch nie jemand im Weißen Haus gesessen hat, der so gegen Gesetze und internationale Übereinkommen war."

Zufall oder nicht: Es war auch ein 4. November, an dem Ayatollah Ruhollah Khomeini, der spätere Gründer der Islamischen Republik, 1964 sein Exil antreten musste. Der Schah habe den Ayatollah auf Anweisung der USA des Landes verwiesen, so die Geschichtsschreibung der Mächtigen in Teheran. Wie auch immer: Dieser Tag ist im Iran nach offizieller Lesart ein Gottestag, an den mit staatlich organisierten Aufmärschen im ganzen Land erinnert wird – und in diesem Jahr aus gegebenem Anlass erst recht.

Staatliche Aufmärsche gegen Sanktionen

"Diesen Gottestag wird Herr Trump uns nicht vergällen oder versauern können", erklärte der iranische Präsident Hassan Rohani vergangenen Dienstag vor dem "Kulturrat für die Islamische Revolution". Dieser mächtige Rat, der seit dem Sieg der Revolution die offizielle Propaganda und die staatlichen Demonstrationen organisiert, hat derzeit viel zu tun.

Denn die Islamische Republik wird bald vierzig Jahre alt, und man hat sich vorgenommen, dieses Ereignis so gigantisch zu feiern, dass alle – Feinde ebenso wie Freunde – beeindruckt sein sollen. So mächtig und prächtig sollen die Festlichkeiten sein, dass sich niemand mehr traut, vor allem Trump nicht, vom Ende der Islamischen Republik zu sprechen.

Doch dem „Gottesstaat“ steht eine ungewisse Zeit bevor. Und es gibt nicht wenige Beobachter, die meinen, die Islamische Republik werde Trumps Amtszeit nicht überstehen. Doch im Iran hält man dagegen: Auf regimetreuen Webseiten liest man derzeit Artikel amerikanischer Autoren, die behaupten, Trump werde die bevorstehenden Zwischenwahlen ebenso verlieren wie die nächste Präsidentschaftswahl.

Ali Sadrzadeh

© Iran Journal 2018

Die Redaktion empfiehlt