US-Nahostpolitik

Amerikas gefährliches Gehabe

In den letzten Wochen hat US-Präsident Donald Trump ganz auf Saudi-Arabien gesetzt und den Iran beschuldigt, das Epizentrum des nahöstlichen Terrorismus zu sein. Der amerikanische Ökonom Jeffrey D. Sachs hält das für einen gefährlichen Kurs. Er plädiert in seinem Essay stattdessen für eine Diplomatie, die auf Kompromisse abzielt und den Gegner nicht dämonisiert.

Der US-Kongress seinerseits bereitet einmal mehr eine neue Runde von Sanktionen gegen den Iran vor. Doch die Karikatur des Iran als „Speerspitze“ des weltweiten Terrorismus (so der saudische König Salman) ist nicht nur starrköpfig und falsch, sondern auch äußerst gefährlich, denn sie könnte zu einem weiteren Nahostkrieg führen.

Tatsächlich scheint dies das Ziel einiger US-amerikanischer Hitzköpfe zu sein, und zwar trotz des offenkundigen Fakts, dass der Iran bei der Bekämpfung des Islamischen Staates (IS) auf Seiten der USA steht. Und dann ist da die Tatsache, dass der Iran anders als die meisten seiner Gegner in der Region eine funktionierende Demokratie ist.

Ironischerweise folgte die Eskalation der US-amerikanischen und saudischen Rhetorik nur zwei Tage nach den iranischen Wahlen vom 19. Mai diesen Jahres, bei denen die vom amtierenden Präsidenten Hassan Rohani geführten gemäßigten Kräfte die Hardliner an der Urne besiegten.

Vielleicht ist die prosaudische, antiiranische Haltung für Trump lediglich eine neue Geschäftsstrategie. Er strahlte vor Freude angesichts der saudischen Entscheidung, für 110 Milliarden Dollar neue US-Waffen zu kaufen, und bezeichnete das Geschäft als „Jobs, Jobs, Jobs“ – als ob die einzige Erwerbsmöglichkeit für amerikanische Arbeitnehmer darin bestünde, Krieg anzuheizen.

Wer weiß, welche privaten Geschäfte für Trump und seine Familie sich sonst noch hinter seiner herzlichen Umarmung saudischer Kriegslust verbergen.

Die Wurzeln der Anti-Iran-Politik

Die bombastische Rhetorik der Regierung Trump gegenüber dem Iran ist in gewisser Hinsicht nichts Neues. Die US-Außenpolitik strotzt nur so vor absurden, tragischen und enorm destruktiven Kriegen, die keinem rechten Zweck dienten außer der Verfolgung irgendeines fehlgeleiteten Strangs offizieller Propaganda.

Wie sonst sind Amerikas nutzlose und enorm kostspielige Verwicklungen in Vietnam, Afghanistan, dem Irak, Syrien, Libyen, dem Jemen und vielen anderen Konflikten letztlich zu erklären?

Infografik mit Angaben zu Nuklearanlagen im Iran Foto: DW
Trump lehnt Obamas Erbe ab. Präsident Obama widerstand dem Ansinnen radikaler Israelis, Irans Nuklearanlagen zu bombardieren. Stattdessen verhandelte er einen Vertrag zwischen Iran und fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates der Vereinen Nationen (plus Deutschland), der den Weg Irans zu Atomwaffen für mindestens ein Jahrzehnt blockiert und Raum für weitere vertrauensbildende Maßnahmen schafft.

Amerikas iranfeindliche Einstellung reicht zurück bis zur Islamischen Revolution des Landes im Jahr 1979. Für die US-Öffentlichkeit war das 444-tägige Martyrium der US-Botschaftsangehörigen, die von radikalen iranischen Studenten als Geiseln genommen worden waren, ein bis heute nicht verwundener psychologischer Schock. Das Geiseldrama dominierte die US-Medien von Anfang bis Ende, was zu einer Art öffentlicher posttraumatischer Belastungsstörung führte, die dem gesellschaftlichen Trauma der Anschläge vom 11. September eine Generation später ähnelte.

Für die meisten Amerikaner damals wie heute kam die Geiselkrise – und tatsächlich die iranische Revolution selbst – wie aus heiterem Himmel. Wenigen Amerikanern ist bewusst, dass die iranische Revolution ein Vierteljahrhundert später auch eine Folge der Verschwörung der CIA und des britischen Nachrichtendienstes MI6 im Jahr 1953 war.

Die Verschwörung führte damals zum Sturz der demokratisch gewählten Regierung des Landes und zur Installation eines Polizeistaates unter dem Schah.

Ziel der Verschwörung war es, die britisch-amerikanische Kontrolle über das iranische Öl zu erhalten, die durch Verstaatlichungspläne der Regierung bedroht war. Ebenso wenig ist den meisten Amerikanern bewusst, dass der Geiselkrise die unbedachte Entscheidung vorweggegangen war, den abgesetzten Schah zur ärztlichen Behandlung in die USA einreisen zu lassen, was viele Iraner als Bedrohung der Revolution ansahen.

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