2009 entschieden sich die Europäer, unter starker Beteiligung Deutschlands, für diesen Weg. In der "Richtlinie Erneuerbare Energien I" sagt die EU, dass diese Politik die Nachfrage nach Palmöl steigern und damit den Anbau von Palmöl in Ländern wie Indonesien "begünstigen" werde.

Gleichzeitig definierte Brüssel die Fallhöhe. "Moralisch unakzeptabel" (sic) werde es der europäische Verbraucher finden, wenn das Palmöl auf Kosten von Flächen mit hoher Artenvielfalt produziert werde.

Von diesem Sockel des hohen moralischen Anspruchs sind die EU-Mitgliedstaaten nun hinabgestürzt. Denn zehn Jahre später muss die EU-Kommission einräumen: Was man nicht wollte, weil es moralisch verwerflich sei, ist nun eingetroffen. Der Regenwald musste den Ölpalmen weichen. Die "Ausdehnung der Produktionsflächen (für Palmöl, Anm. der Redaktion) auf Flächen mit hohem Kohlenstoffbestand" sei "zu beobachten", stellt die Kommission im März 2019 fest.

Klimabilanz des Palmöls ist schlecht

Neben dem Verlust der Artenvielfalt benennt die EU auch die zweite dramatische Konsequenz des Palmöl-Booms: Die Klimabilanz des Biodiesels aus Palmöl ist schlecht. Es werde kein CO2 eingespart, sondern sogar mehr CO2 emittiert als beim Verbrennen von normalem Diesel. "Die durch Urwaldabholzung verursachten Treibhausgasemissionen können ein bedeutendes Ausmaß erreichen und die Treibhausgaseinsparungen zunichtemachen", schreibt die EU wörtlich.

Ein junger Borneo-Orang-Utan schwingt sich durch den Urwald; Foto. ARD/Panorama
Die Artenvielfalt auf den Tropeninseln Sumatra und Borneo ist durch die Palmölplantagen gefährdet. Indonesien sei inzwischen nicht nur weltgrößter Palmölproduzent, sondern habe die EU auch als größter Verbraucher von Palmöl für Biokraftstoffe überholt, hieß es in einer aktuellen Analyse der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

Rechne man alle Faktoren vom Anlegen der Plantagen auf "kohlenstoffreichem Boden" über den Raffinerieprozess bis hin zum Transport von Südostasien nach Europa ein, falle die Klimabilanz des Palmöls noch negativer aus. Allein die genaue Quantifizierung des negativen Effekts und der Regenwaldflächen, die dem Palmöl zum Opfer fallen, ist schwierig.

Die EU beruft sich auf mehrere Studien, die in der Bewertung der schädlichen Klimawirkung von Palmöl den gleichen Tenor haben, im Detail jedoch voneinander abweichen. Eine Studie kommt etwa zu dem Schluss, dass durch Diesel aus Palmöl mehr als doppelt so viel Kohlendioxid freigesetzt werden kann wie durch herkömmlichen Diesel.

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