Umweltschutz in Algerien

Für eine nachhaltige Fischerei in Tipasa

Umweltschädliche Praktiken in der Fischerei und Verschmutzung, besonders durch Plastik, bedrohen die Lebenswelt der 1.622 km langen algerischen Küste. Der Umweltverband HOME in Tipasa arbeitet mit allen Interessengruppen, um dies zu ändern. Von Nourredine Bessadi

Riesengroß und ungeheuer divers: Algerien erstreckt sich vom azurblauen Mittelmeer bis zu den rotgelben Dünen der Sahara und ist das größte Land Afrikas.

Trotz seiner 1.622 km langen Küste ist Algerien bislang von den Problemen des Massentourismus verschont geblieben. Das heißt aber nicht, dass die schädlichen Auswirkungen menschlichen Handels hier nicht spürbar wären. Doch statt rücksichtslosen Touristen leidet die Küstenregion unter kommerziellen Aktivitäten wie Fischerei und Abfallverbringung. Auch durch die Verschmutzung durch Abwasser ist sie stark bedroht.

Gesetze, die die Küste schützen sollen, werden kaum eingehalten. Die ernüchternde Realität ist, dass in Industriezonen wie Arzew, Skikda und Ghazaouet Müll direkt ins Meer gepumpt wird. Dazu kommt, dass mit Müll oder anderen Frachten beladene Schiffe, die algerische Häfen anfahren, immer wieder Öllachen hinterlassen.

Zunehmender Müll in der Unterwasserwelt

Eine der sichtbarsten Formen der Verschmutzung in den Küstengebieten ist Feststoffabfall, insbesondere Plastik, wie Tüten und Verpackungen, Dosen und Bierflaschen, Lumpen und sogar Gummireifen. In ihren 35 Jahren als Taucherin hat Samia Balistrou beobachtet, wie sich der Müll in der hiesigen Unterwasserwelt immer stärker ausbreitete.

Sie kam zu dem Entschluss, dass Handeln dringend notwendig war. 2015 gründete sie den Umweltverband HOME in Tipasa, einer Küstenstadt siebzig Kilometer östlich von Algier. "Ich habe den Verband ins Leben gerufen, damit er eine wichtige Aufgabe erfüllt: den Schutz von Meer und Küste", sagt Samia, die das Mittelmeer in und auswendig kennt und die Entwicklung seiner Lebenswelt genau verfolgt hat.

Die HOME Environmental Association mit Sitz in Tipaza säubert - wie hier am Corne D'Or - die Küsten und das Meer; Foto: © Samia Balistrou
Kampf gegen die Müll-Fluten: Die HOME Environmental Association mit Sitz in Tipaza säubert - wie hier am Corne D'Or - die Küsten und das Meer. Bis heute wird in Industriezonen wie Arzew, Skikda und Ghazaouet noch immer der Müll direkt ins Meer gepumpt wird. Dazu kommt, dass mit Müll oder anderen Frachten beladene Schiffe, die algerische Häfen anfahren, immer wieder Öllachen hinterlassen.

Samia begann ihre besondere Einsicht in die sich anbahnende Umweltkatastrophe zu nutzen, um in der Gesellschaft Bewusstsein für die Gefahren für das Meer zu schaffen. Sie schrieb Artikel und produzierte und moderierte zwei Radiosendungen über die Umwelt und das Meer – zweitere mit dem Titel Sawt el-Bahr (Stimme des Meeres). Die Sendungen "erhielten sehr gutes Feedback, blieben aber ohne große Wirkung auf Entscheidungsträger und das Verhalten der Bevölkerung", sagt Samia.

So kam ihr die Idee eine Organisation zu gründen, in der Freunde von Meer und Umwelt ihre Bemühungen vereinen könnten, um gemeinsam ein gesellschaftsweites Umdenken zu bewirken. Ihr "Baby", wie Samia den Verband liebevoll nennt, erhielt den Namen HOME - "in Anerkennung des gleichnamigen Films von Yann Arthus-Bertrand, der mich sehr stark bewegt hat".

In einer ihrer Radiosendungen sprach Samia mit einem Fischer, der sich darüber beschwerte aus seinen Netzen immer mehr Plastik zu bergen. Auf die Frage, was er denn mit dem Müll mache, erwiderte er nüchtern: "Ich schmeiß' ihn zurück ins Meer".

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