Umweltschutz in Ägypten

Hat Ihnen Ihre Plastikmahlzeit heute geschmeckt?

Jeden Tag Plastik essen und trinken? Unvorstellbar. Bilder und Videos von in Plastik verhedderten Tieren und plastikgefüllten Fischmägen ziehen täglich in den Newsfeeds der sozialen Medien an uns vorbei, scheinen aber nichts mit unserer Realität zu tun zu haben. Oder doch? Von Manar Ramadan

Plastik zersetzt sich nicht; sie zerfällt lediglich in winzig kleine Teilchen von weniger als 2,5 mm, die man Mikroplastik nennt, und wird zum Bestandteil unserer Nahrungskette. Sie ist krebserregend und verursacht hormonelle Störungen. Ihren Weg in unsere Körper findet sie auf zwei grundlegenden Wegen: Erstens, wenn unser Trinkwasser mit Mikroplastik verschmutzt ist, und zweitens, wenn Tiere versehentlich Plastik, die sie nicht immer von richtiger Nahrung unterscheiden können, fressen und diese Tiere dann auf unseren Tellern landen.

In Entwicklungsländern wie Ägypten, wo das Vieh oft in der Wildnis oder gar auf Mülldeponien gehalten wird, ist es nicht abwegig zu befürchten, dass Plastik einen Teil der täglichen Nahrung unserer Tiere darstellt. Doch selbst auf Farmen, wo die Viehzucht kontrolliert verläuft, hat das Tierfutter sehr wahrscheinlich einen Plastikanteil – das ist nicht nur in Ägypten die traurige Realität.

Das Problem ist nicht das Material Plastik an sich, sondern die daraus gefertigten Einwegprodukte. Denn grundsätzlich ist Plastik ein sehr nützliches und vielseitiges Material, dass in fast allen Gegenständen unseres Alltags verarbeitet ist – in Laptops, Handys, Kleidung, Isolationsstoffen und noch unzähligen anderen Dingen.

Workshop - Untersuchung von Meeresmüll; Foto: Banlastic Egypt
Bewusstsaein für die gravierenden ökologischen Folgen der Plastikvermüllung der Umwelt schaffen: Auf diesem Workshop in Alexandria wird der Müll im Mittelmeer untersucht. Alexandria ist Ägyptens größte Küstenstadt und am stärksten von der Vermüllung des Meeres betroffen: also der perfekte Ausgangsort für das Team von Banlastic, um sich mit seiner Anti-Plastik-Initiative den Umweltbewegungen in über 70 anderen Ländern anzuschließen.

Einwegplastik hingegen benutzen wir vielleicht für ein paar Minuten oder nur Sekunden, bevor sie dann bis zu 450 Jahre lang unsere Umwelt, vor allem die Ozeane, verpestet.

Einwegprodukte aus Plastik, wie Tüten, Teller, Becher oder Flaschen, sind zudem so leicht, dass nur ein kleiner Windstoß genügt, um sie in die Lüfte und zum nächsten Gewässer zu befördern: Endstation Ozean. In Ägypten allein wurden 2017 zwölf Milliarden Plastiktüten produziert – eine schwer zu verdauende Information im wahrsten Sinne.

"Plastic Ban Movement": Warum wir ein Verbot brauchen

Alexandria ist Ägyptens größte Küstenstadt und am stärksten von der Vermüllung des Meeres betroffen: also der perfekte Ausgangsort für das Team von Banlastic, um sich mit seiner Anti-Plastik-Initiative den Umweltbewegungen in über 70 anderen Ländern anzuschließen.

Wenn das Leben in unseren Meeren und die allgemeine Ästhetik nicht Gründe genug sind, so kommt auch noch hinzu, dass Plastikprodukte häufig Abflüsse verstopfen und in der Wintersaison Überflutungen verursachen.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen jedoch die dramatischen Auswirkungen, die Plastik auf unsere Ökosysteme hat. Im Sommer 2017 erlebte die Nordküste Ägyptens eine wahre Qualleninvasion, die zum Unmut der Strandgänger das Baden verhinderte. Was hat das mit Einwegplastik zu tun, fragen Sie sich?

Hier die Auflösung: Schildkröten fressen Quallen; doch Plastiktüten können Quallen verblüffend ähnlichsehen und so kommt es vor, dass Schildkröten versehentlich Plastiktüten fressen, an denen sie elendig ersticken.

Einwegplastik hat in diesem Fall das ökologische Gleichgewicht aus der Bahn geworfen und außerdem dazu beigetragen, dass Meeresschildkröten vom Aussterben bedroht sind. Das war für uns der Hauptbeweggrund, Banlastic Egypt in Alexandria ins Leben zu rufen.

Um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren haben wir uns moderner partizipatorischer Mittel bedient wie der sozialen Medien, interaktiver Workshops und sogenannter Beach Clean-Ups, also Strandsäuberungen, die sich als effektives Mittel zur Bekanntmachung unserer Anti-Plastik-Bewegung bewährt haben. 

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