Anzügliche Fotos im Bikini? Ob sich das denn für eine muslimische Frau gehöre? Wie Aimun Faisal in ihrem Kommentar “Ertugrul, Esra Bilgic and the frustrations of Pakistani men” bei der Tageszeitung “The Dawn” bemerkt, brachte Bilgiç die paradoxe Spaltung in den Köpfen  pakistanischer Männer zum Ausdruck. Auf der einen Seite stehen jene dunkelhäutigen, muslimischen Frauen, die den religiösen Gesetzen folgen sollen und auf der anderen  begehrenswerte weiße Frauen aus dem Ausland, die sich verlockend, aber eben verboten verhalten. Mit Bilgiç stießen sie plötzlich auf eine Person, in der beide Frauenmodelle zusammenfielen.

„Ertuğrul“ wurde in Pakistan gleichzeitig zu einer Projektionsfläche für das panislamische Heraufbeschwören einer transnationalen muslimischen Schicksalsgemeinschaft. Dabei spiegelte sich die Sehnsucht des als Terrorstaat verkannten Pakistan nach kulturhistorischer Größe wieder, wie sie etwa in den Gedichten des Nationalpoeten Muhammad Iqbal zur Geltung kommt. Dazu passt auch die Beliebtheit des türkischen Präsidenten Erdoğan unter Pakistanis.

Der türkische Präsident wird seit Jahren als starker muslimischer Führer verehrt, der sich für die Belange unterdrückter Muslime unter den Rohingya in Myanmar, in Kaschmir oder Palästina stark macht.

Foto einer Moschee; Foto Sezayi Erkan/AFP/Getty Images
Türkische TV-Serien bieten Bilder eines exotischen Landes: Mit prächtigen Moscheen und Bildern von einem glitzernden Istanbul mit seinen angesagten Szenevierteln sind sie auch eine Werbung für die Türkei als Urlaubsland. Schauplätze der Serien locken vor allem arabische Touristen an.

"Ertuğrul"-Fans wurden in pakistanischen Medien nicht müde, auf historische Schnittpunkte zwischen den Pakistan und der Türkei zu deuten, allem vorweg auf die Khilafat-Bewegung, eine politische Strömung unter den Muslimen Britisch-Indiens, die das osmanische Kalifat nach dessen Zerschlagung wiederbeleben wollte.

Selbst der venezolanische Präsident Nicolas Maduro hatte 2018 das Set von “Ertuğrul” besucht. Die Serie steht symbolisch für die Bestrebungen der Türkei, sich als “Soft Power” jenseits der kulturellen Macht des Westens zu positionieren. Dafür eröffnet die Türkei seit 2007 vor allem in muslimischen Ländern Zweigstellen des Yunus-Emre-Instituts zur Förderung der türkischen Sprache und Kultur.

Doch die schlagkräftigste Waffe ist zweifellos türkische Fernsehkultur: Die Türkei ist inzwischen zum zweitgrößten Exporteur von TV-Serien nach Hollywood avanciert. Wie kam es zu diesem Aufstieg?

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