Ein Skandal beim Cyber-Manöver der Nato in der vergangenen Woche nährt die Feindschaft zu Amerika weiter. Dass zwei Offiziere Erdogan und Atatürk beim Cyber-Manöver als virtuelle Ziele nutzten, liefert nun angeblich "den letzten Beweis für die Inszenierung gegen die Türkei". Unsere Regierung versteht sich darauf, Spannungen mit dem Ausland in Stimmen im Inland umzuwandeln.

Die vor dem Referendum vom April dieses Jahres wegen Auftrittsverboten von Politikern in Deutschland und den Niederlanden bewusst angeheizte Krise sorgte für einen Stimmenzuwachs von zwei Punkten für Erdoğan. Es sei daran erinnert, dass er das Referendum mit nur 51,4 Prozent gewann.

Erdoğan weiß, dass Krach mit der Welt ihm innenpolitisch nützt, also reagierte er extrem auf das Nato-Manöver: "Wir haben die Brücken abgebrochen, die Schiffe verbrannt. Was auch immer der Preis sein mag, wir werden nicht aufhören, unsere Ziele anzustreben. Mit Allahs Hilfe werden wir ihre Pläne und Karten zerfetzen."

Anhänger Erdoğans feiern die Annahme des türksichen Präsidialsystems; Foto: picture-alliance/AP
Denkbar knapper Sieg Erdoğans: Am 16. April hatte der türkische Präsident das Referendum über ein Präsidialsystem mit nur 51,4 Prozent gewonnen. Mit dem Referendum hatte er eine Verfassungsreform durchgesetzt, die ihm mehr Macht verschaffte.

Empfehlung zur nuklearen Aufrüstung

Selbstverständlich änderte sich im Nu auch der Diskurs der Regierungsmedien, die den Geschäftsmann Zarrab zuvor als "heldenhaften Unternehmer, der das Haushaltsdefizit der Türkei verringerte", gerühmt hatten.

Der AKP-Abgeordnete Mehmet Metiner schrieb in seiner Kolumne in einer regierungsnahen Zeitung: "Hole Zarrab der Teufel! Das ist keiner, der für uns von Bedeutung wäre." Auch die Schlagzeilen, die vor wenigen Monaten den Tenor "Nie waren wir enger mit den Vereinigten Staaten" hatten, drehten sich. Jetzt heißt es: "Kappen wir die Verbindungen zu den Amerikanern", "Raus aus der Nato", "Schließen wir die Stützpunkte". Die Überschriften mancher Kolumnen lauten: "Die Nato ist nun unser Widersacher", "Die Türkei und ihr Führer (Erdoğan) stehen im Fokus der Imperialisten", "Seid bereit zum Kampf für die Unabhängigkeit".

Andere gehen noch weiter und schreiben, wir würden Amerika den Krieg erklären. Der bekannte Autor Ardan Zentürk titelte: "Gegen diese USA kämpfen wir, wer 'ohne mich' sagt, geht am besten sofort" und beendete seinen Text mit: "'Versöhnungsinitiativen' haben keinen Sinn mehr. Es ist klar, wir werden eines Tages (gegen die USA) kämpfen. Meine Empfehlung an alle, die sagen: 'Ohne mich, mir sind mein Besitz und meine Bequemlichkeit wichtiger als mein Land', lautet, noch heute das Land zu verlassen."

Ibrahim Karagül, Chefredakteur der Zeitung "Yeni Safak", nennt sogar ein Datum und empfiehlt der Türkei, sich nuklear aufzurüsten: "Es ist dringend notwendig, 2018 außergewöhnliche Verteidigungsmaßnahmen zu treffen, wenn nötig auch nukleare Bewaffnung."

Unsere Staatsanwälte stehen nicht zurück und sagen Amerika den "Justizkampf" an. Die Generalstaatsanwaltschaft Istanbul leitete Ermittlungen gegen die New Yorker Staatsanwälte ein, die Zarrab verhaften ließen. Sollten sie türkischen Boden betreten, werden sie hier verhaftet. Da müssen sie also auf der Hut sein!

Bülent Mumay

© Frankfurter Allgemeine Zeitung 2017

Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe

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Leserkommentare zum Artikel: Erdoğans Kampf gegen Amerika

hehe...Die US-Militärbasen an der türkischen Grenze und die Bewaffnung der Terroristen mit über 4000 LKWs voller Waffen it wohl eher der Grund....

Khan...29.11.2017 | 10:30 Uhr