Thoraya Obaid; Foto: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
Thoraya Obaid

Engagiert im Dienste der Frauen

Sie gilt als kämpferisch in ihrem Beruf und als "Pionierin für die Ausbildung von Frauen" – Thoraya Obaid, die erste saudi-arabische Exekutivdirektorin des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA).

Sigrid Lohoff und Renate Bernhard stellen ihre Arbeit vor.

Thoraya Obaid, Foto: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung
Thoraya Obaid

​​Krisensitzung beim UN-Weltbevölkerungsfonds UNFPA in New York. Exekutiv-Direktorin Thoraya Obaid hat acht enge Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in ihr Büro eingeladen. Es ist ein internationales Team, überwiegend Frauen aus sieben verschiedenen Ländern. Das Budget des Weltbevölkerungsfonds, dessen Präsidentin die Saudi-Arabierin Thoraya Obaid ist, stammt von über 100 Spenderländern. Jedes Land verpflichtet sich selbst auf einen Beitrag. Ein großer Teil der Arbeit von Thoraya Obaid und ihrem Stab ist daher, die Spenderländer zu motivieren, auch in schwierigen wirtschaftlichen Situationen weiter zu bezahlen und wenn möglich ihren Beitrag noch zu erhöhen.

Fast ein wenig mütterlich

Seit rund zwei Jahren ist Thoraya Obaid Leiterin von UNFPA. Äußerlich wirkt sie so gar nicht wie eine Kämpferin. Herzlich tritt sie auf, offen und fast ein wenig mütterlich. Doch US-Präsident Bush und seine Administration haben die Kämpferin bereits kennengelernt. Als Bush die bereits zugesagten US-Zahlungen an den Weltbevölkerungsfond einfach stornierte, konfrontierte Obaid ihn mit klaren Worten: "Mit diesen 34 Millionen US-Dollar", so Obaid "könnten zwei Millionen ungewollte Schwangerschaften und 77.000 Fälle von Säuglingssterblichkeit verhindert werden. Aufgrund dieser Entscheidung, Mr. President, werden Frauen und Kinder sterben." Doch Bush kuschte vor dem Druck konservativer Kreise.

Was nötig ist, damit Frauen, ihre Familien und deren Nachkommen menschenwürdig leben können, ist auf diversen Konferenzen hinreichend diskutiert und definiert worden, findet Thoraya Obaid: "Auf den Frauenkonferenzen in Peking, Nairobi, Mexiko, Kopenhagen und so weiter wurde ein ideales Bild präsentiert, wie das Leben für die Frauen gestaltet sein sollte. Wir brauchen daher keine weiteren Rahmenbestimmungen. Was jetzt fehlt, ist deren Umsetzung."

Den Status von Frauen auch im eigenen Haus stärken

Angehen gegen Ignoranz und das Überwinden von Widerständen jeder Art - das scheint Thoraya Obaids Lebensaufgabe zu sein. Als sie am 1.1. 2001 das Amt der Exekutiv-Direktorin der UNFPA von ihrer pakistanischen Vorgängerin Nafis Sadik übernahm, war sie die erste saudi-arabische Frau an der Spitze einer UN-Organisation. Seitdem vertritt die 57jährige Thoraya Obaid ihr größtes Anliegen, den Status von Frauen zu stärken, auch im eigenen Haus. Über 47 Prozent ihrer rund 950 Mitarbeiter sind Frauen. Dieser Prozentsatz ist einer der höchsten im gesamten System der Vereinten Nationen: "Ja, es ist Teil meiner Politik, aber der Hauptverdienst fällt meiner Vorgängerin zu, Dr. Nafis Sadik. Sie sorgte dafür, dass hier viele Frauen arbeiten - nicht nur unter den Berufseinsteigern, auch auf den höheren Etagen", so Obaid.

Das, so findet sie, wirkt sich auch auf die Arbeitsatmosphäre im Weltbevölkerungsfonds aus. Thoraya Obaid hält gerade Frauen für besonders fähig, einen Teamgeist zu schaffen, der weniger auf einer hierarchischen Ordnung, als auf Überzeugungsarbeit basiert – eine Ordnung, die dann alle an einem Strang ziehen lässt.

Sehr visionärer Vater und visionäre Mutter

So denkt eine Frau aus Saudi-Arabien, einem Land mit starker Frauenbenachteiligung auf nahezu allen Gebieten, wo die Geschlechtertrennung so strikt gewahrt wird, wie wohl in kaum einem anderen Land dieser Erde. Woher schöpfte sie ihr Selbstbewusstsein für dieses Denken? Woher die Kraft, so weit auf der Karriereleiter nach oben zu steigen? Von meinen Eltern, antwortet sie spontan. Besonders von ihrem Vater und dessen menschenwürdig-weltoffener Auslegung des Koran: "Ich hatte einen sehr visionären Vater und eine visionäre Mutter. Aber wenn meine Mutter allein für mich hätte etwas tun wollen, sie hätte es nicht tun können, wenn mein Vater das nicht unterstützt hätte. Mein Vater war ein sehr frommer und ein praktizierender Moslem und er fand, dass Bildung zum Glauben dazugehört und dass Wissen ein Teil des Glaubens ist."

Sigrid Dethloff, Renate Bernhard

© 2003, Deutsche Welle

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