Theater in Indonesien

"Ich schäme mich nicht mehr"

Das "Theater der Hausangestellten" stellt eine Randgruppe Indonesiens in den Mittelpunkt. Kinder und Jugendliche arbeiten als Haushaltshilfen oft 14 bis 18 Stunden am Tag, um der Armut zu entkommen.

Logo des Theaters der Hausangestellten
Logo des Theaters der Hausangestellten

​​Das so genannte "Theater der Hausangestellten" ist in Indonesien seit dem Jahr 2003 etabliert, mit vielen Aufführungen in verschiedenen Städten, unter anderem in Yogyakarta, Solo und Jakarta. Die Truppe arbeitet mit verschiedenen anderen Theatergruppen zusammen.

Es ist ein Theater, das nicht dem Kunstgenuss und der Flucht aus dem Alltag dient, sondern im Gegenteil auf ein leider weitgehend verdrängtes gesellschaftliches Problem in Indonesien aufmerksam machen will: Nämlich das Schicksal eben jener Hausangestellten, bei denen es sich in der Mehrzahl um Jugendliche und Kinder handelt.

In Indonesien arbeiten Jugendliche, die im Durchschnitt gerade mal 15 Jahre alt sind, als Haushaltshilfen, aber auch Kinder sind in diesem Job nichts Seltenes. Sie kommen aus armen ländlichen Gebieten und werden von Arbeitsvermittlern, Nachbarn oder Verwandten dazu gebracht, solche Jobs anzunehmen. Viele Indonesier glauben, dass die Arbeit als Hausangestellte für Kinder einen einfachen Weg aus der Armut bedeutet.

Physische und psychische Ausbeutung

In Indonesien gibt es schätzungsweise 2,6 Millionen Angestellte in Haushalten, davon 34 Prozent Kinder, hauptsächlich Mädchen. Hunderttausende Angestellte werden von ihren Arbeitgebern ausgebeutet, sowohl physisch als auch psychisch, oftmals auch sexuell missbraucht. Und kein Gesetz gewährt ihnen Schutz.

Sie müssen 14 bis 18 Stunden pro Tag, und das sieben Tage pro Woche, arbeiten. Dazu kommt, dass sie in ihrer eigenen Gesellschaft als Randgruppe betrachtet werden.

"Ich war 15, als ich angefangen habe zu arbeiten", berichtet Wanti, eine Hausangestellte. "Zunächst kam ich in eine Familie, in der die Mutter sehr launisch war. Dann habe ich die Familie zweimal gewechselt. Zuletzt arbeitete ich in einem Geschäft in Bandung.
Es hieß, ich würde als Verkäuferin eingestellt. Doch es ergab sich, dass ich den ganzen Haushalt organisieren, auf das Geschäft und auf die Kinder aufpassen musste. Um drei Uhr morgens schon habe ich jeden Tag mit der Arbeit begonnen."

Theater, das aufrütteln soll

Im Jahr 2003 wurde in Yogyakarta eine Theatergruppe von gewerkschaftlich aktiven Hausangestellten ins Leben gerufen, das Ensemble nennt sich "Tunas Mulia" oder "Edle Blüten". Ziel der Truppe ist es, die unwürdigen Lebensumstände der Hausangestellten mit den Mitteln des Theaters plastisch darzustellen und damit langfristig zu verändern.

Die Bühne eröffnet darüber hinaus einen Raum, um alle möglichen Anliegen, ob wirtschaftlicher, politischer oder feministischer Natur, zu thematisieren, um Alternativen aufzuzeigen und - fiktiv - zu erproben. Und durch die "Dramatisierung" erleben die bei "Tunas Mulia" aktiven Schauspieler, aber auch ihre Zuschauer, ein neues Selbstbewusstsein, eine Aufwertung ihrer gesellschaftlichen Randstellung.

"Durch das Theater habe ich neue wertvolle Erfahrungen sammeln können", erzählt Wanti. "Vor allem schäme ich mich nicht mehr zu sagen, dass ich als Hausangestellte arbeite. Ich bin sogar stolz darauf."

Das Theater der Hausangestellten von Yogjakarta ist ein Beweis dafür, dass es im Theater nicht immer nur um hohe Kunst geht, sondern dass Theater auch ganz konkret als ein Mittel dienen kann, um Bewusstseinprozesse anzustoßen, um Aufmerksamkeit für angebliche Randgruppen zu erzeugen, die in Wirklichkeit fester Teil der Gesellschaft sind.

Und die Hausangestellte Wanti kann über ein weiteres konkretes Ergebnis der Theaterarbeit berichten: "In den vielen Städten, in denen wir Theateraufführungen hatten, habe ich viele neue Freunde gewonnen. Freunde, die auch als Hausangestellte tätig sind."

Ani Nangoy

© DEUTSCHE WELLE/DW-WORLD.DE 2005

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