Besonders berühmt wurde ein Video der Bloggerin Eva Bartlett, die im Rahmen einer Pressekonferenz bei der UNO mit ein wenig rhetorischem Dreh vermeintliche Fakten präsentierte. Im Grunde genommen waren diese Fakten allerdings nur die offizielle Darstellung des Regimes in Damaskus. Dies ist wenig verwunderlich, wenn man Bartletts "Karriere" in Betracht zieht: In den letzten Jahren hielt sie sich mehrfach in Gebieten des Regimes auf, wo sie neben Soldaten posierte und aus ihrer Bewunderung für Assads Machtapparat keinen Hehl machte.

Fake-News à la Bartlett, Beely & Co.

Bartletts Video, das durch RT "virale Höhenflüge" erfuhr, wurde mittlerweile mehrfach widerlegt. Die Lügen, die sie verbreitete, sind allerdings bis heute präsent. Selbst in diesen Tagen, in denen in Ost-Ghuta die Hölle herrscht, beziehen sich zahlreiche Facebook-Nutzer unter Beiträgen von renommierten Nachrichtenseiten auf die Aussagen Bartletts. Egal, ob CNN, der Spiegel oder Al-Jazeera – alle würden nur "Fake-News" verbreiten. Lediglich Assad und RT seien im Recht.

TV-Ausschnitt "Russia Today": Vanessa Beeley im Interview
Der Assad'schen Propaganda treu zu Diensten: Beeley, die regelmäßig für das Verschwörungsportal "21st Century Wire" publiziert, gehört mittlerweile zu den prominentesten "Kritikern" der Weißhelme. Vor Kurzem meinte sie abermals, dass Bombenangriffe auf die Helfer legitim seien, da es sich bei ihnen um "Terroristen" handele. Journalisten und etablierte Medien bezichtigt sie regelmäßig der Verbreitung von "Regime-Change-Propaganda".

Den womöglich größten Beitrag hierzu hat Vanessa Beeley geleistet, eine weitere Propagandistin aus dem Assad'schen Dunstkreis. Beeley, die regelmäßig für das Verschwörungsportal "21st Century Wire" publiziert, gehört mittlerweile zu den prominentesten "Kritikern" der Weißhelme. Vor Kurzem meinte sie abermals, dass Bombenangriffe auf die Helfer legitim seien, da es sich bei ihnen um "Terroristen" handele. Journalisten und etablierte Medien bezichtigt sie regelmäßig der Verbreitung von "Regime-Change-Propaganda".

Wer Beeleys Zeilen liest, könnte fast meinen, all die Syrer, die über die letzten Jahre hinweg malträtiert und gefoltert wurden, seien eigentlich die größten Unterstützer Assads. Stattdessen seien die Golfstaaten, die Türkei, Israel und die westlichen Staaten Schuld an dem Konflikt. Assads Todesschwadronen, vom Iran unterstützte Milizen, der russische Bombenterror – all das scheint in den wirren Köpfen von Beeley & Co. nur ein Märchen zu sein, zu dem konsequent geschwiegen oder gelogen wird.

Hybride Kriegsführung

Eine Daten-Recherche des britischen "Guardian" machte Ende 2017 deutlich, dass nahezu jegliche Propaganda, die im Internet gegen die Weißhelme kursiert, auf Beeley und Bartlett zurückzuführen ist. Experten sprechen in diesem Kontext von einer "hybriden Kriegsführung", die von russischen Staatsmedien systematisch gegen die Ersthelfer betrieben wird. Dass die Weißhelme, denen stets unterstellt wird, "westliche Agenten" zu sein, unter anderem auch Kriegsverbrechen des US-Militärs aufgedeckt haben, wird bewusst ignoriert.

Stattdessen fließt auch Islamophobie mit ein. Viele Weißhelme haben einen Vollbart, Frauen tragen oftmals ein Kopftuch. Für selbsternannte Kritiker reicht dies aus, um die Retter als "extremistisch" einzustufen und mit Al-Qaida und Co. in einen Topf zu werfen. Den Rest übernimmt der Schatten des postfaktischen Zeitalters.

Alle seriösen Berichte über die Organisation werden ausgeblendet. Sie gelten immer per se als falsch. Stattdessen sieht man hinter jedem Weißhelm westliche Geldgeber, skrupellose Golfscheichs, die CIA, George Soros oder andere reiche Juden oder gar – wie es etwa die russische Botschaft in Großbritannien – Osama bin Laden. Als eine Dokumentation über die Weißhelme im vergangenen Jahr mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, teilte die Botschaft eine Karikatur bin Ladens, einen weißen Helm tragend, auf ihren Twitter-Account.

Es ist wohl nicht vermessen zu behaupten, dass niemals zuvor eine Hilfsorganisation, die Tausende von Menschenleben gerettet hat, derart diffamiert wurde wie die Weißhelme. Selbst während beider Weltkriege galten Helfer als Helfer und blieben meistens von Diffamierung verschont. Doch der Syrien-Krieg hat auch das verändert.

Emran Feroz

© Qantara.de 2018

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