Die verspätete und offensichtlich realitätsferne Strategie gegen die Ausbreitung des Coronavirus gefährdet Zivilisten, ob in den vom Regime kontrollierten Gebieten oder andernorts. Der anhaltende Konflikt hat Millionen von Syrern innerhalb der Landesgrenzen zur Flucht gezwungen. Vier Millionen von ihnen harren momentan im Nordwesten des Landes aus, in der Provinz Idlib.

Dort ist in den improvisierten Lagern der Hygienestandard nicht mal im Ansatz vorhanden. "Wir sollen uns die Hände waschen? Manche Menschen hier können ihre Kinder eine Woche lang nicht waschen, sie leben unter freiem Himmel!" sagt der Direktor der Maram Foundation for Relief and Development in Idlib, Fadi Mesaher, der New York Times.

Idlib in der Corona-Falle

Derzeit gibt es in Idlib kaum einmal die Möglichkeit, sich auf Corona zu testen. Proben können zwar an Labore in der Türkei geschickt werden, aber angesichts der verheerenden Zustände, die in den letzten Monaten eine Million Menschen an die Grenze zur Türkei getrieben haben, ist das keine große Hilfe.

Hedinn Halldorrson, ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation in der Südtürkei, erklärte, dass Testkits voraussichtlich erst nächste Woche in Idlib eintreffen werden, auch wenn nicht klar ist, wann genau und wie viele es sein werden. Dass die Kits erst jetzt geschickt werden, liegt laut Halldorrson darin begründet, dass die WHO Testkits an Regierungsbehörden verteilt –  und der Nordwesten kein Land mit Regierung sei.

Flüchtlingslager in Idlib; Foto: picture-alliance/AA
Syriens Flüchtlinge als Hauptleidtragende der Corona-Krise: "Breitet sich das Coronavirus in Syrien weiter aus, werden die ohnehin schon knappen Hilfsgüter und eingeschränkten Dienstleistungen an die Grenze ihrer Kapazitäten gelangen", so die Hilfsorganisation "Care Deutschland". In den überfüllten Camps, die mit mangelnder Hygiene und einer fragilen Gesundheitsinfrastruktur kämpften, könne sich das Virus besonders schnell verbreiten, so die Hilfsorganisation.

Ebenso betont auch Layla Hasso, dass es vor allem an Material mangele, wie Masken, Handschuhen und Desinfektionsmitteln. Außerdem müssten viele der Ärmsten jeden Tag das Haus verlassen, um sich ihren mageren Lebensunterhalt zu verdienen. "Unsere größte Angst gilt momentan den Kindern, deren Familien krank werden könnten. Wer wird sich um diese Kinder kümmern, wenn die Eltern krank sind oder sogar sterben?"

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