Und wo in diesem Bild sind die Sufis? Sufis sind, wenn man den Einschätzungen ägyptischer Beobachter und Experten Glauben schenkt, die Lösung. "Der Plan lautet Sufismus, ich habe das mit eigenen Augen gesehen", sagt Abdou, der frühere Sufi-Sänger. Er ist nicht der Einzige, der eine neue Wertschätzung des mystischen Islams von Seiten des ägyptischen Regimes wahrnimmt.

Sufismus im Aufwind

Es sei schwierig, das auf konkrete Einzelereignisse zu beziehen, aber übereinstimmend berichten Gesprächspartner, dass die öffentliche Sichtbarkeit des Sufismus gefördert werde, etwa durch mehr Sendezeit im Fernsehen. In den vergangenen Jahren wurden auch mehrere neue Bruderschaften zugelassen, darunter im Frühjahr dieses Jahres eine unter der Führung des früheren ägyptischen Großmuftis Ali Gomaa.

Und es ist offenkundig, dass der Aufschwung des Sufismus in der Bevölkerung auf Widerhall stößt. Essam Abdous vor zweieinhalb Jahren gegründete Band trat anfangs vor kleinem Publikum auf, "wir waren arme Künstler ohne irgendwelche Unterstützung", sagt er. Die Auftrittsorte wurden immer größer, bis die Gruppe irgendwann für das Kairoer Opernhaus gebucht wurde.

Junge Sufis feiern den Geburtstag von Imam Al Hussain in Saida Zeinab, Kairo; Foto: DW/Hasseinan Hamady
"Sie wollen Sufis statt IS": Vor allem viele junge Ägypter interessieren sich auf einmal für die Mystik. Und es ist offenkundig, dass der Aufschwung des Sufismus in der Bevölkerung auf immer größeren Widerhall stößt.

"Das war wie im Traum", erinnert Abdou sich. Er und die übrigen 15 Bandmitglieder standen dort vor mehr als tausend Menschen auf der Bühne und vollführten ihre religiösen Gesangsrituale. Für einen Zufall hält er die rasante Karriere von "Al Hadra" nicht. Er glaubt, dass die Band zum einen den Nerv der Zeit traf. Und zum anderen, dass sie vom Staat unterstützt wurde. "Sie wollen Sufis statt IS", sagt er.

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Leserkommentare zum Artikel: Sufis, Scheichs und Scharlatane

Der Aufsatz ist eine Mishung von allem, was der Sufismus hat zu tun mit Sisi und Mursi? Und wie kaemen Sie auf diese Idee? dass die Gesellschaft in Aegypten tief von Islamismus gepraegt ist? Kein Hinweis von irgendwelcher Quelle ausser BBC! Ich dachte, es geht um Sufismus in Aegypten.d.h kurze Beschreibung ueber die Sufi in Aegypten, Volkssitten und so weiter!

Lamis 10.09.2018 | 10:12 Uhr

Ägypten als Mutterland des Islamismus zu bezeichnen ist schon gewagt. Bislang galt der Islamismus als Import durch rückkehrende Gastarbeiter aus dem Irak und von der Arabischen Halbinsel. Der Sufismus hingegen war bis dahin die vorherrschende gelebte religiöse Praxis, die ab den 60'ern zunehmend diskreditiert wurde.
Nachzulesen u.a. bei Amitav Gosh: "In einem alten Land"
Der bekannte Romancier erlaubt sich in diesem Buch einen Ausflug in die Sozialantrophologie, in der er zum Thema in Oxford promovierte.

Wolfram Obermanns11.09.2018 | 23:30 Uhr

Lieber Herr Obermanns,

natürlich gibt es - historisch gesehen - viele islamistische Strömungen. Denken Sie nur an Abu Ela al-Maududi. Aber der Autor betont vollkommen zurecht, dass die islamistische Ideologie der Muslimbruderschaft auf den Ägypter Hassan al-Banna im Jahr 1920 zurückgeht. Von daher ist Ägypten, wo die Bruderschaft populär und groß wurde (erst später in anderen arabischen Ländern) schon als Wiege des Islamismus zu bezeichnen - das ist durchaus nicht bewertend gemeint!

Georg Wolff12.09.2018 | 10:37 Uhr

Liebe Leser und Kommentatoren, ich möchte an dieser Stelle nur kurz darauf hinweisen, daß Qantara.de meinen Artikel aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gekürzt übernommen hat bzw. nur ungefähr die ersten zwei Drittel. Der vollständige Artikel findet sich auf der Seite der F.A.Z., leider kann ich hier nicht direkt verlinken.

Christian Meier16.09.2018 | 13:53 Uhr