Sinkende Popularität der AKP bei jungen Türken

Erdoğans Furcht vor der "Generation Z"

Millionen türkische Jugendliche sind bald wahlmündig - Präsident Recep Tayyip Erdoğan möchte die Generation unbedingt für sich gewinnen. Doch viele junge Türken geben sich rebellisch und lehnen ihn ab. Von Sinem Özdemir und Daniel Derya Bellut

Momentan ist der Begriff "Generation Z" in der türkischen Öffentlichkeit in aller Munde. Es handelt sich um junge Türken, die überwiegend nach der Jahrtausendwende geboren wurden. Eine Generation, die eine Türkei ohne den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und ohne die islamisch-konservative Regierungspartei AKP nicht kennt. Eine Generation, die sich liebend gerne in den sozialen Medien tummelt und mit dem Smartphone in der Hand aufgewachsen ist.

Ein kurioser Vorfall rückte die Altersgruppe in das Zentrum der Aufmerksamkeit: Junge Schulabgänger bereiteten sich auf die landesweite Zentralprüfung zur Hochschulzulassung (YKS) vor, die Ende Juli stattfinden sollte. Die Prüfung, die für viele junge Menschen von existenzieller Bedeutung ist, wurde plötzlich einen Monat vorverlegt - auf den 27. und 28. Juni.

Die angehenden Studenten waren empört, denn sie vermuten, dass wirtschaftliches Kalkül hinter der Entscheidung steht. Eine Vorverlegung, so der Verdacht, solle die wegen der Corona-Pandemie kriselnde Tourismusbranche des Landes beleben. Denn durch die um einen Monat verkürzte Büffelei, hätten die jungen Türken mehr Zeit für Urlaub - trotz der erhöhten Ansteckungsgefahr. Die türkische Regierung dementierte dies jedoch.

Die türkische Jugend ist verunsichert

"Es ist schrecklich, dass Tourismus und die Wirtschaft bei dieser Entscheidung über die Gesundheit gestellt wurden", sagt die 19-jährige Asli aus Ankara, die zum zweiten Mal an dem Zentraltest YKS teilnehmen wollte und daher besondere unter Stress stand.

"Mittlerweile sind wir in einer Situation, in der man nicht mehr weiß, wem man noch vertrauen soll", sagt Fatih, ein Schüler aus Ankara. Selbst kurz vor dem neuen Prüfungstermin sei nicht wirklich klar gewesen, ob verschoben wird oder nicht. "Das hier ist die Türkei; hier kann alles passieren", beschwert sich Fatih.

Studienanwärter auf dem Weg zur Prüfung am 27. Juni in Ankara; Foto: picture-alliance
Verlegung aus wirtschaftlichem Kalkül? Eine Vorverlegung der Zentralprüfung zur Hochschulzulassung, so der Verdacht vieler Studienanwärter, solle die wegen der Corona-Pandemie kriselnde Tourismusbranche des Landes beleben. Denn durch die um einen Monat verkürzte Büffelei, hätten die jungen Türken mehr Zeit für Urlaub - trotz der erhöhten Ansteckungsgefahr. Die türkische Regierung dementierte dies jedoch.

Ihren Unmut ließen die Jugendlichen den türkischen Präsidenten auf ihre Art und Weise spüren: Als Erdoğan sich einen Tag vor dem Zentraltest in einer Liveübertragung auf Youtube bei einem "Treffen mit der Jugend" mit netten Worten an die jungen Nachwuchswähler wendete, machten viele Teilnehmer keinen Hehl daraus, dass sie wütend sind.

Tausende schrieben während Erdoğans Auftritt kritische und höhnische Kommentare; teilten das Hashtag "OyMoyYok" - "Meine Stimme kriegst Du nicht". Anschließend zogen die Jugendlichen auf die nächste Plattform weiter - auf Twitter verbreiteten sich ihre Kritik und ihre Hashtags wie ein Lauffeuer.

Wer ist die Generation Z?

Seit dieser Guerilla-Aktion ist die sogenannte Generation Z zum Forschungsobjekt geworden. Es handelt sich um die Altersgruppe, die zwischen 1995 und 2010 auf die Welt gekommen sind, eine Generation, der schätzungsweise fast 13 Millionen junge Menschen angehören. Bei künftigen Wahlen könnten sie eine entscheidende Rolle spielen. Viele von ihnen dürfen bald zum ersten Mal wählen und stellen gleichzeitig ein schwierig zu durchschauendes Stimmenpotenzial dar.

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