Die IMAGES-Umfrage von 2017 zeigt, dass unter vielen männlichen Befragten ein Gefühl der Überlegenheit besteht, eine Überzeugung, dass sie berechtigt sind, ihre weiblichen Familienmitglieder zu schützen und zu kontrollieren. Frauen sind dagegen im Vergleich zu den männlichen Altersgenossen eher offen für Veränderungen und befürworten die Gleichstellung der Geschlechter.

Arafa, die selbst Mutter eines Sohnes ist, plädiert besonders für einen Wandel bei der Erziehung von Jungen. Vor allem, dass Jungen dazu erzogen werden, die Überlegenen zu sein, die Macht haben, muss laut Arafa enden. Jungen sollten vielmehr „Mädchen respektieren und Grenzen lernen“.

Sie sieht zudem ein Problem darin, dass Jungen dazu erzogen werden, keine Emotionen zu zeigen. „Verletzlichkeit, seine Emotionen auszudrücken, bedeutet Schwäche. Wenn sie älter werden, unterdrücken sie dann ihre Gefühle und verarbeiten sie zu Aggression“, so Arafa.

Schuldzuweisungen und die Kultur des Schweigens

Familien legen nach wie vor viel Wert auf ihren Ruf, besonders jedoch auf den Ruf ihrer weiblichen Mitglieder. Alles was eine Frau tut, wie sie sich kleidet, mit wem sie gesehen wird, steht nicht nur von der eigenen Familie unter argwöhnischer Beobachtung, sondern von der Gesellschaft insgesamt. Wenn Frauen Opfer von sexuellen Übergriffen werden, sind die ersten Fragen immer: Was hattest du an und warum warst du dort? Schuld wird damit bereits zugewiesen. Wie man an den vielen Aussagen von Mädchen und Frauen in den sozialen Medien sehen kann, gibt es auf diese Fragen keine richtige Antwort. Die Schuldzuweisung bleibt.

Längst ist zudem bewiesen, dass Kleidung keine Rolle spielt, ob man Opfer sexueller Gewalt wird. Vielmehr spielen Faktoren wie Gelegenheit und die Motivation des Täters in die Opferwahl hinein. Doch das die Frau angeblich immer die provozierende Instanz ist, scheint fest im gesellschaftlichen Denken verankert zu sein.

Diese Strukturen werden auch von Frauen selbst aufrechterhalten, die sich genauso an den Schuldzuweisungen beteiligen und sogar dazu übergehen, überführte Täter verteidigen. Arafa identifiziert auch in diesem Fall die Erziehung als das eigentliche Problem: „So wurden wir erzogen. Frauen glauben, dass alles, was ein Mann tut, das Richtige ist. Die Gesellschaft darf nicht über ihn urteilen.“

Die gesellschaftliche Kategorisierung in gute und schlechte Frauen nennt Menschenrechtsaktivistin und Direktorin der NGO Nazra For Feminist Studies, Mozn Hassan, als einen der Hauptgründe für die Gewalt gegen Frauen und beschreibt die Denkweise wie folgt: „Es gibt gute Frauen, die unseren Schutz verdienen, nicht ihre Rechte, und es gibt schlechte Frauen, die dies nicht tun.“

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