Die sexuelle Gewalt in den libyschen Haftlagern ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Lebensbedingungen in den Lagern seien katastrophal. Denn sie seien überfüllt, Menschen würden hungern, beinahe jede Frau wird Opfer sexualisierter Attacken. "Bei Protesten gab es auch Erschießungen. Die EU müsste alles tun, um das zu beenden", fordert Karl Kopp. "In diesem Fall fördert die EU diese Menschenrechtsverletzungen, weil sie nur ein Thema im Blick hat: Es sollen möglichst wenige Menschen über das Mittelmeer nach Europa kommen."

"Tiefpunkt europäischer Flüchtlingspolitik"

Eine Lösung scheint nicht in Sicht. Die Menschen leiden immer mehr auf dieser ohnehin schon gefährlichen Route. Pro Asyl fordert von der EU einen Rettungsplan, der die Menschen aus dieser Situation befreit. "Ein Kontinent, der es mit Asylrecht ernst meint, muss Wege öffnen. Weil es diese nicht gibt, reisen die Menschen überhaupt erst in die Hölle von Libyen." Kopp fasst zusammen: "Das ist der Tiefpunkt der europäischen Flüchtlingspolitik. Schlimmer geht es nicht."

Die Sterblichkeitsrate von Migranten hat sich 2018 im Vergleich zum Vorjahr fast verdreifacht, hält das UNHCR fest. In den vergangenen fünf Jahren sind rund 17.000 Menschen ertrunken. Studienautorin Chynoweth sieht einen mangelnden politischen Willen: "Die EU unterstützt die libysche Küstenwache, der die Sicherheit der Migranten nicht wichtig ist. Sie weigert sich auch, ertrinkende Flüchtlinge zu retten. Ein Ziel der EU ist auch die Zerstörung der Holzboote, damit sie nicht wiederverwendet werden. Aber das führt nur dazu, dass Schmuggler billige Gummiboote nutzen, die nicht sicher sind. All das trägt dazu bei, dass immer mehr Menschen sterben. Die wäre vermeidbar."

Chynoweth seufzt: "Diese Milizionäre sehen Flüchtlinge nicht als Menschen, sondern als Dollarzeichen, als Ware, die es auszubeuten gilt."

Nermin Ismail

© Deutsche Welle 2019

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