Und nun, fast vierzig Jahre danach, kann man am Beispiel dieser Zeitung die Geschichte der Islamischen Revolution studieren. Nicht nur die Artikel, sondern auch die Schicksale ihrer Journalisten spiegeln die verschiedenen Phasen dieser dramatischen und blutigen Revolution wider. Sie zeugen davon, wie sich die Hoffnungen sehr bald in Enttäuschungen verwandelten, wie Reporter und Redakteure entlassen, verhaftet und hingerichtet wurden, und wie ihr jetziger Chefredakteur zu einer unantastbaren Institution aufstieg.

Der Mann mit der Betonsprache

Hossein Shariatmadari heißt er. Er hat eine klare und harte Sprache, die das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" einmal mit Beton verglich. Die Kommentare des Siebzigjährigen sind oft gespickt mit Hintergrundinformationen. Sie gelten gemeinhin als die wahre und eigentliche Meinung von Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei.

Hossein Shariatmadari, Vertrauter des Führers der Islamischen Republik Iran, Ali Khamenei; Foto: mosalas.ir
Der Mann mit der Betonsprache: Die Kommentare des Siebzigjährigen Chefredakteurs der "Keyhan", Hossein Shariatmadari sind oft gespickt mit Hintergrundinformationen. Sie gelten gemeinhin als die wahre und eigentliche Meinung von Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei. Shariatmadari war Vizeminister des Geheimdienstes, als Khamenei ihn vor 25 Jahren zum Chefredakteur der "Keyhan" ernannte.

Shariatmadari sitzt bei fast jeder öffentlichen Audienz Khameneis in der ersten Reihe. Er hat für den mächtigsten Mann des Landes die Bezeichnung "Herr" eingeführt, die inzwischen von allen prinzipientreuen Medien und Freitagspredigern benutzt wird. Das Wort "Herr" assoziiert im Persischen Vater, Feudalherr und Besitzer der uneingeschränkten Souveränität. In Shariatmadaris Verständnis allerdings ist Khamenei der Imam, angelehnt an Ali, den ersten Imam der Schiiten.

Shariatmadari war Vizeminister des Geheimdienstes, als Khamenei ihn vor 25 Jahren zum Chefredakteur der "Keyhan" ernannte. Er hat direkten Zugang zu den dunkelsten Ecken des iranischen Machtlabyrinths.

Wenn jemand wissen will, wie Ayatollah Khamenei die Welt sieht, sollte er sich über die Tageszeitung "Keyhan" informieren - vor allem dann, wenn Khamenei schweigt oder sich in der Öffentlichkeit doppeldeutig äußert.

Gerade heute ist es wieder an der Zeit, "Keyhan" eingehender zu studieren. Und tatsächlich sind darin die Alarmglocken unüberhörbar. Zwischen Riad und Teheran könnten auf monatelange martialische Worte womöglich bald mörderische Taten folgen. Oder grenzt es schon an eine echte Kriegserklärung, was Tuki Al Maleki am 5. November im saudischen Fernsehen verlas? Er ist der Sprecher eines von den Saudis geführten Militärbündnisses, das seit zweieinhalb Jahren gegen die Huthi-Rebellen im Jemen kämpft.

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