Saudi-Arabien und Iran nach dem Tod König Abdullahs

Keine Aussicht auf Annäherung

Zwischen Saudi-Arabien und dem Iran besteht eine bisweilen explosive Rivalität. In gleich mehreren Krisenherden des Nahen und Mittleren Ostens wüten blutige Stellvertreterkonflikte. Von Adnan Tabatabai

Der Tod König Abdullahs hat den notwendigen politischen Prozess zur Annäherung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran weiter erschwert. Thronfolger Salman bin Abdelaziz (79) hat weder die Autorität, noch den Mut oder die Erfahrung, einen regionalpolitischen Paradigmenwechsel einzuleiten. Im Gegensatz zu Abdullah verfügt Salman zudem über keine guten Kontakte in die politischen Eliten Irans.

Das iranisch-saudische Verhältnis verschlechterte sich drastisch unmittelbar nach der Iranischen Revolution 1979. Die zunächst expansive Ausrichtung der Revolution beunruhigte Riad, das einen Aufstand der schiitischen Minderheit im eigenen Land fürchtete. Aus diesem Grund unterstützte das saudische Königshaus Saddam Hussein während des Irak-Iran-Krieges 1980 bis 1988.

Erst während der Amtszeiten der iranischen Präsidenten Haschemi-Rafsandschani (1989-1997) und Mohammad Khatami (1997-2005) besserte sich das Verhältnis Irans zur saudischen Führung. Diese wurde seinerzeit bereits administrativ von Abdullah – damals frisch gebackener Kronprinz – geleitet. Hierbei kamen ihm seine langjährigen Beziehungen zu Teilen der iranischen Systemelite zugute.

Im Falle Haschemi-Rafsandschanis war dieses Verhältnis in erster Linie politisch-strategischer Natur. Zu Khatami indes bestand gar ein freundschaftliches Verhältnis, welches auf Kontakten aus den späten 1970er-Jahren mit dem iranisch-libanesischen Geistlichen Imam Musa Sadr - Onkel der Ehefrau Khatamis - basierte, der später in Libyen verscholl.

Schwierige Annäherung

Doch im Zuge der provokativ ausgerichteten Präsidentschaft Mahmud Ahmadinedschads (2005-2013) verschlechterte sich das politische Klima. Seine Nähe zu den regional gefürchteten Revolutionsgarden und seine rhetorisch aggressiv ausgerichtete Außenpolitik verleiteten den 2005 zum König gekrönten Abdullah zur Forderung an die USA, den Iran militärisch anzugreifen.

Iranischer Ex-Präsident Khatami neben Ajatollah Rafsandschani und anderen iranischen Würdenträgern; Foto: Fararu
Während der Amtszeit der beiden iranischen Ex-Präsidenten Rafschandschani und Khatami besserte sich das Verhältnis zu Saudi-Arabien.

Mit Verlauf der Entwicklungen im Irak, Afghanistan, Syrien sowie den Aufständen während des sogenannten "Arabischen Frühlings" entwickelten sich Fragen von Sicherheit, ideologischem Einfluss und wirtschaftlichen Interessen zwischen Teheran und Riad zu einem Nullsummenspiel. Konfliktlinien wurden akzentuiert. Stellvertreterkonflikte in Syrien, Jemen, Bahrain, Irak und Libanon eskalierten.

Mit dem Beginn der Präsidentschaft Hassan Ruhanis im Sommer 2013 wuchs die Hoffnung auf eine erneute Annäherung. Mehrfach war von der Absicht eines ranghohen Besuchs aus Teheran beim saudischen König die Rede.

Doch zu mehr als einem Besuch des Vizeaußenministers Hossein Amir-Abdollahian in Riad und einem Treffen mit dem saudischen Außenminister Prinz Saud al-Faisal kam es nicht.

Die Ouvertüren aus Teheran, muss man heute feststellen, trafen auf keine positive Resonanz. Und als Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier im Oktober vergangenen Jahres seinen Amtskollegen in Riad besuchte, betonte dieser, der Iran sei für die Probleme in der Region verantwortlich.

Ein verunsichertes Saudi-Arabien

Voller Skepsis blickt Riad zudem auf die amerikanisch-iranische Annäherung im Rahmen der Nuklearverhandlungen. Die Fortentwicklung der Gespräche eröffnet Washington neue Möglichkeiten der regionalen Partnerschaft im Kampf gegen ISIS im Irak und in Syrien sowie gegen Al-Kaida im durch Machtverschiebungen gekennzeichneten Jemen.

US-Präsident mit saudischem König Salman im Januar 2015; Foto: Reuters
Saudi-Arabien und der Iran sollten sich auf die Eindämmung von gemeinsamen Bedrohungen konzentrieren. Ein weiter erstarkender "Islamischer Staat" bedroht das saudische Königreich mindestens genau so wie den ebenfalls an den Irak angrenzenden Iran, meint Adnan Tabatabai.

Die von Saudi-Arabien herbeigeführte Drosselung des Ölpreises ist daher nicht nur eine Kampfansage an Teheran. Sie dient laut Energieexperten auch dem Zweck, der Nachfrage nach amerikanischem Schiefergas Einhalt zu gebieten.

Unter König Abdullah setzte sich Saudi-Arabien bisweilen von Washington ab und wagte regional einige strategische Alleingänge. Sei es die Entsendung der Armee zur Niederschlagung der Proteste in Bahrain, die milliardenschwere Unterstützung für General al-Sisi in Ägypten oder die Duldung hoher Geldtransfers saudischer Einzelakteure an militante Dschihadisten.

In der saudischen Wahrnehmung hat Teheran seinen Einfluss im Jemen durch die Machtübernahme der Huthis gefestigt. Ebenfalls hat er dies im Irak und in Syrien auf schiitische Milizen und kurdische Kämpfer erweitert. Getrieben von einer hieraus resultierenden paranoid anmutenden Sorge um die eigene Sicherheit scheint den Saudis daher jedes Mittel recht.

Es ist kaum denkbar, dass König Salman weniger besorgt auf die Region blickt als sein Vorgänger Abdullah. Zwar entsendete Teheran in einer innenpolitisch nicht unriskanten Handlung Außenminister Sarif zur Trauerfeier König Abdullahs und setzte so ein weiteres positives Zeichen. Doch ist es denkbar, dass eben diese Gesten diplomatischer Größe das regional verunsicherte Saudi-Arabien eher abschrecken.

IS als Bedrohung von allen Seiten

Inwiefern König Abdullah persönlich in den vergangenen 18 Monaten der iranisch-saudischen Annäherung im Weg stand, kann nur spekuliert werden. Klar ist jedoch, dass die iranische Initiative noch vertrauensbildender als bisher ausgerichtet sein muss, um König Salman zum außenpolitischen Umdenken zu bewegen.

Gemeinsam mit westlichen Verbündeten des Königreichs muss der Fokus auf die Eindämmung gemeinsamer Bedrohungen gelegt werden. Ein weiter erstarkender "Islamischer Staat" bedroht das saudische Königreich mindestens genau so wie das ebenfalls an den Irak angrenzende Iran.       

Solange jedoch das saudische Königshaus in sunnitischen Dschihadisten nützliche Idioten zur Unterwanderung des iranischen Einflusses in der Region sieht, wird auch diese potenzielle Basis konstruktiver Zusammenarbeit nicht erkannt werden. Gleichzeitig muss auch der Iran jedwede Politik und Rhetorik unterlassen, die zur Verstärkung der konfessionellen Konfliktlinien beiträgt. Sonst ist Saudi-Arabiens Vertrauen nicht zu gewinnen.

Adnan Tabatabai

© Qantara.de 2015

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Leserkommentare zum Artikel: Keine Aussicht auf Annäherung

Iran als Angehöriger der schiitischen Minderheit (sic!) hat keinerlei Interesse an einer Verstärkung der konfessionellen Konfliktlinien im Gegensatz zu Saudi-Arabien!

Orientalist10.02.2015 | 17:35 Uhr