Durch Trauma zum Islam

Dass die heute 24-jährige Sophia als Teenager zum Islam konvertierte, führt Monika Müller vor allem auf ein Ereignis zurück, dass sie im Gespräch mit uns nur unscharf als "traumatisches Erlebnis außerhalb der Familie" beschreiben möchte. Dieser Schicksalsschlag habe die damals 12-jährige Sophia zutiefst verändert. Danach, so lässt sich die Schilderung der Mutter zusammenfassen, habe sich der Wunsch nach Schutz "wie ein roter Faden" durch Sophias Leben gezogen.

Trotz der Therapie, mit der die Tochter das schwere Erlebnis zu verarbeiten versuchte, kam Sophia zu einer für ihre Mutter unverständlichen Schlussfolgerung: "Sie hat sich dann in den Kopf gesetzt, dass sie zum Islam konvertieren muss, weil diese Religion sie besser schützen kann als die Religion, mit der sie groß geworden ist." Sophia war katholisch getauft und später auch als Messdienerin in Gottesdiensten aktiv.

Mit 16 Jahren begann sie in die Moschee zu gehen, zunächst heimlich. Sophia habe sich fast nur noch mit Mädchen umgeben, die "einen islamischen oder kulturell marokkanischen, sehr patriarchalischen Hintergrund hatten", erinnert sich die Mutter.

Als die Tochter sich dann mit 17 Jahren für das Kopftuch entschied, sei es mit dem Frieden in der Familie vorbei gewesen: "Sophia hat zwei Geschwister. Da gab es immer Diskussionen. Immer Streit. Wir wurden als Ungläubige beschimpft. Sophia hat nur noch den Koran mit sich herumgeschleppt - oder Bücher wie 'Die muslimische Frau, die muslimische Ehe'."

Niqab- und Koptruch tragende Frauen in Deutschland. (picture alliance / U. Baumgartner)
Mit 17 entschied sich Sophia für das Kopftuch, später reichte ihr das nicht mehr. Seitdem trägt sie Niqab, so wie die Frau links im Bild

Erste Ehe als Teenager

Das Mädchen zog schließlich aus und verschwand von der Bildfläche. Noch als Teenager heiratete Sophia einen den Eltern unbekannten Türken, doch die Ehe hielt nicht lange, erinnert sich Monika Müller: "Der Mann war ihr nicht fromm genug, und sie ist wieder zu uns zurückgekommen. Da haben wir zuerst gedacht: Jetzt ist es vorbei. Jetzt wird sie wieder vernünftig. Aber das war nicht der Fall."

Stattdessen suchte Sophia in muslimischen Heiratsforen im Internet nach einem strenger gläubigen Ehemann. Darüber eskalierte die Lage in der Familie erneut. Der Vater nahm Sophia das Smartphone weg, sie brach ihre Ausbildung ab. Kurz vor dem Abschluss. Die konvertierte Tochter verließ ihr Elternhaus zum zweiten Mal. "Ein paar Wochen später haben wir dann erfahren, dass sie in Münster (Ortsangabe von der Redaktion geändert) lebt und dort islamisch geheiratet hat. Zu der Zeit war sie schon voll verschleiert, mit Niqab", blickt Monika Müller zurück.

Zwei Kinder hat Sophia seither bekommen, mit einem dritten ist sie schwanger. Die Mutter empfindet das Frauenbild, das ihre Tochter lebt, als extrem rückwärtsgewandt: "Die Frau bleibt zu Hause, kümmert sich um die Kinder und sorgt dafür, dass der Mann etwas zu essen auf dem Tisch hat, wenn er nach Hause kommt."

Zu ihrem aus Albanien stammenden Schwiegersohn versucht Monika Müller ein "normales Verhältnis aufrechtzuerhalten, so wie man das gerne zu seinem Schwiegersohn hätte." Müller beschreibt ihn als fundamentalistisch. Zweimal sei er in Syrien gewesen, erzählt sie. Für die Organisation "Medizin mit Herz" habe er Hilfstransporte dorthin gefahren. Der Verfassungsschutz des westdeutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen stuft "Medizin mit Herz" als extremistisch-salafistisch ein. Mittlerweile habe sich ihr Schwiegersohn von dem Verein distanziert, berichtet Monika Müller.

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