Wegen seiner ideologischen Nähe zu Al-Qaida saß Suleiman Al-Ulwan in Saudi-Arabien im Gefängnis. Auch seinem deutschen Anhänger Bernhard Falk wird gelegentlich eine Nähe zu Al-Qaida nachgesagt, zuletzt Ende August von Eren Recberlik. Die deutschen Sicherheitsbehörden stuften Recberlik jahrelang als salafistischen Gefährder ein. Inzwischen ist der junge Mann aus der Szene ausgestiegen.

Bernhard Falk wird regelmäßig in den Verfassungsschutzberichten des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW) erwähnt, in dem er lebt. Der jüngste Bericht der NRW-Verfassungsschützer vermerkt: "(Falk) vertritt die Ansicht, dass die Bundesrepublik Deutschland einen Kampf gegen 'den Islam' betreibt und steht für den nach seinem Empfinden zwingend erforderlichen 'islamischen Widerstand gegen den Imperialismus der USA, der BRD und Israels'."

Den Verfassungsschützern sind seine positiven Äußerungen zu Al-Qaida-Gruppierungen aufgefallen. Insgesamt rechnen sie "Falk zumindest ideologisch dem Bereich des dschihadistischen Salafismus" zu. NRW-Verfassungsschutzpräsident Burkhard Freier sieht schon in Falks Gefangenen-Betreuung eine große Gefahr. "In Wirklichkeit ist das ja eine Betreuung von Extremisten für Personen, die in der extremistischen Szene gehalten werden sollen", betont er im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Die Gefangenen sollen von jeder Resozialisierung abgehalten werden."

Bücher in Köln, Kinder in Dortmund

Dem hält Falk selbstbewusst entgegen: "Wenn die Gefangene überhaupt noch soziale Bezüge haben und sozial denken und handeln können nach ihrer Gefangenschaft, dann habe ich dazu einen Beitrag geleistet. Ein zusammenbrechender oder psychisch abdriftender Gefangener kann ja nun auch nicht im Interesse des Staates sein." Auf seiner Facebook Seite ruft Falk regelmäßig dazu auf, islamistischen Gefangenen aufmunternde Briefe zu schreiben oder für sie zu beten. Und für seine Arbeit zu spenden. "Ich bin davon abhängig, dass mir Leute aus der Szene, meistens aus dem Angehörigen-Bereich, eine Spende geben, damit ich in weiter entfernte Städte fahren kann."

Salfist Bernhard Falk; Foto: Imago/C. Thiel
"Bruder" Muntasir bi-lllah medial im Fokus: Offene Unterstützung für eine Terrororganisation wie den IS oder Al-Qaida wird man von Bernhard Falk nicht hören. Wohl aber "Verständnis" dafür, dass manche Menschen den Weg des Terrors gehen – oder in Falks Worten: den Weg des "militanten Widerstands": "Wenn Menschen in verschiedenen Ländern meinen, bestimmte Methoden zu wählen, dann ist das ihre Entscheidung", doziert er und fügt hinzu: "Dass es militanten Widerstand von Gruppen weltweit gibt, ist eine Tatsache - ob man die gut findet oder schlecht."

Einer geregelten Arbeit geht Falk nicht nach. Er beschuldigt den polizeilichen Staatsschutz, bei möglichen Arbeitgebern Stimmung gegen ihn zu machen. Eine staatliche Unterstützung wie Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe bezieht er nach eigenen Angaben auch nicht. Falk hat keine eigene Wohnung, dafür aber zwei Frauen: "Man kann das so sagen: In Köln sind meine Bücher. In Dortmund sind meine Kinder. Beides ist schon aus Platzgründen nicht innerhalb einer Wohnung vorstellbar."

Die Kinder werden auch schon mal auf Falks Facebook-Seite präsentiert, zuletzt bei der Einschulung seiner Tochter in diesem Sommer. Dass das Mädchen auf eine ganz normale Grundschule geht, bereitet dem "Systemgegner" offenbar keine Probleme: "Es geht um die Vermittlung von Sachverhalten und Sprache in einer sauberen Form. Und alles, was zum Werdegang eines Kindes dazu gehört", erklärt Falk. "Dazu wird ein evangelischer Kindergarten oder auch eine christliche Schule durchaus in der Lage sein", sagt der Salafist und ergänzt: "Sie sehen ja an meinem Beispiel, dass man auch als Sohn einer christlichen Oberstudienrätin den Weg zum Islam finden kann."

Kampf und Missionierung

Für den verurteilten Linksterroristen fügt sich die Religion perfekt in seinen Kampf gegen das, was er bis heute auf seinem Twitter-Account den "Imperialismus der USA, der BRD und Israels" nennt. Nur ist es jetzt eben "muslimischer Widerstand". Der Islam ist für Falk "nicht nur etwas rein kontemplatives. Sondern er ist etwas, das sich in allen Aspekten des Lebens auswirkt, einschließlich der gesellschaftlichen und politischen Bereiche." Er sieht es als seine Aufgabe, "das politische Bewusstsein der Muslime ein bisschen aufzufrischen und zu aktualisieren."

Mit der eher missionarisch eingestellten Hauptströmung des Salafismus kann Falk nach eigenen Angaben dagegen wenig anfangen. "Das ist etwas, was mir überhaupt nicht zusagt." Doch trotz aller Meinungsunterschiede mit anderen Führungsfiguren der Szene: Bei Verhaftungen oder Hausdurchsuchungen werden Falks Dienste, etwa bei der Vermittlung von Anwälten, von Salafisten aller Strömungen gerne genutzt.

Und noch etwas ist auffällig: Falk betet fast ausschließlich zu Hause. In den Moscheen ist er nicht mehr gerne gesehen. Auch dafür macht er staatlichen Druck verantwortlich. "Die Moscheen haben Angst vor Verboten, wenn sie die Hinweise des Staatsschutzes unbeachtet lassen." Am Ende der Begegnung bleibt das Bild eines hochbegabten Idealisten auf gefährlichen Irrwegen, der sich selbst - und seine Religion - zum Opfer stilisiert.

Matthias von Hein und Esther Felden

© Deutsche Welle 2018

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