Durch sein Studium lernte er eine Iranerin kennen und befasste sich wegen ihr zum ersten Mal mit dem Islam. Neben dem, wie er sagt, "revolutionären Potenzial des Islam" habe ihn an dieser Religion das Logische und die Aufforderung fasziniert, die Sinne zu benutzen. Noch während Falk für die "Antiimperialistischen Zellen" Bomben baute, wurde der linke Katholik Muslim.

"Bruder" Muntasir bi-lllah, wie er sich seitdem nennt, ist im Gespräch hellwach und wählt jedes seiner Worte bewusst. Auch wenn er kein Jurist ist: der ganz in schwarz gekleidete 51-Jährige weiß, wie weit er gehen kann, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Offene Unterstützung für eine Terrororganisation wie den IS oder Al-Qaida wird man von ihm nicht hören. Wohl aber "Verständnis" dafür, dass manche Menschen den Weg des Terrors gehen – oder in Falks Worten: den Weg des "militanten Widerstands": "Wenn Menschen in verschiedenen Ländern meinen, bestimmte Methoden zu wählen, dann ist das ihre Entscheidung", doziert er und fügt hinzu: "Dass es militanten Widerstand von Gruppen weltweit gibt, ist eine Tatsache - ob man die gut findet oder schlecht."

Die Frau des mutmaßlichen Rizin-Bombers

Bei den Gefangenen, die er betreut, müsse man damit rechnen, dass jemand "aus deutscher Sicht eine kriminelle Vergangenheit hat. Gefangene sind ja keine Heldengestalten." Aber urteilen möchte Falk über sie nicht: "Ich bin jemand, der unabhängig davon, was im einzelnen Fall passiert ist, versucht, eine gewisse Solidarität zu zeigen."

Rizin-Schock im Juni 2018: In einem Kölner Hochhaus wurde vermutlich an einer Bio-Bombe gebastelt; Foto: picture-alliance/dpa
Rizin-Schock im Juni 2018: Sief Allah H. bastelte in Köln an einer Splitterbombe mit dem hochgiftigen Bio-Kampfstoff Rizin. Inzwischen sind sich die Ermittler sicher: Er wollte damit "Ungläubige" angreifen - im Auftrag des IS. Ende Juli hatte der Generalbundesanwalt Sief Allah H.'s deutsche Ehefrau Yasmin verhaften lassen. Sie soll ihm unter anderem bei der Bestellung der Materialien geholfen haben. H. hatte sich bereits weit mehr als 3000 Rizinussamen besorgt. Daraus produzierte er 84,3 Milligramm Rizin. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm auch die vorsätzliche Herstellung biologischer Waffen vor.

Deshalb unterstützt Falk Salafistenprediger Abu Walaa. Der gebürtige Iraker gilt als Nummer 1 der Terrororganisation "Islamischer Staat" in Deutschland. Er steht seit September 2017 als Angeklagter vor dem Oberlandesgericht Celle, weil er junge Männer ins selbsternannte Kalifat vermittelt haben soll. Falk hilft auch Sven Lau, der einer der bekanntesten deutschen Salafisten ist. Die Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf hatten Lau im Juli 2017 zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach Auffassung des Gerichts hatte er Rekruten für die Dschihadistenmiliz "Jamwa" (Armee der Auswanderer und Unterstützer) in Syrien vermittelt.

Falk hat auch Kontakt zu Yasmin H. Sie ist die Ehefrau des terrorverdächtigen Islamisten Sief Allah H. Der wurde in diesem Sommer als mutmaßlicher "Rizin-Bombenbauer" von Köln bekannt. Sief Allah H. hatte sich über das Internet große Mengen von Rizinussamen bestellt, dazu Chemikalien, mit deren Hilfe sich aus den Samen das hochgiftige Rizin herstellen lässt. Außerdem fanden sich nach Angaben der Polizei in der Wohnung des gebürtigen Tunesiers Zutaten für einen Sprengsatz.

Yasmin H. soll ihren Mann bei den mutmaßlichen Anschlagsvorbereitungen unterstützt haben und sitzt seit Juli in Gelsenkirchen in Untersuchungshaft. "Wenn ich zum Beispiel die wegen des sogenannten Rizinfalls inhaftierte Ehefrau besuche, bespreche ich mit ihr, ob ihr Fernseher jetzt endlich in der Zelle angekommen ist und ob sie endlich einmal ein Buch in ihrer Zelle hat", beschreibt Falk seine Hilfe für die Inhaftierte.

Saudischer Dschihad-Prediger als Vorbild

Nach seiner religiösen Orientierung gefragt, nennt Falk den radikalen wahabitischen Prediger Sulaiman Al-Ulwan - einen saudischen Theoretiker des militanten Dschihad. Al-Ulwan hat Selbstmordanschläge gegen Juden gerechtfertigt und die Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamiyan durch die afghanischen Taliban begrüßt. Deren inzwischen verstorbenen Anführer Mullah Omar lobte der fundamentalistische, saudische Prediger als "Befehlshaber der Gläubigen".

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