Salafismus in Deutschland

Vom Linksterroristen zum Islamisten

Bernhard Falk kennt Gefängnisse. Als Linksterrorist saß er selbst zwölf Jahre hinter Gittern. Jetzt betreut er inhaftierte Islamisten. Der Verfassungsschutz hält Falk für eine Gefahr für die Gesellschaft. Von Matthias von Hein und Esther Felden

Es gehört zu den Vorzügen des Rechtsstaates, dass er seine Schutzregeln auch auf Gegner anwendet, die ihn zutiefst ablehnen. Selbst wer das demokratische System abschaffen will und mit Gewalt für einen islamischen Staat kämpft, hat das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren mit einem Anwalt seiner Wahl. Und genau hier beginnt das selbsterklärte Arbeitsfeld von Bernhard Falk.

Der massige Mann mit grauem Vollbart und Halbglatze beschreibt sich selbst als "Nothelfer". Falks Einsatzorte sind Gerichtssäle und Gefängnisse. Er betreut deutschlandweit Häftlinge. Nicht irgendwelche, sondern Islamisten: Rückkehrer aus Syrien, die dort mutmaßlich für den sogenannten "Islamischen Staat" oder eine andere Terrorgruppe gekämpft haben; Mitglieder der deutschen Salafistenszene, denen vorgeworfen wird, für den vermeintlichen Dschihad rekrutiert oder jungen Männern bei der Ausreise ins nahöstliche Kriegsgebiet geholfen zu haben; Islamisten, die Geld oder Ausrüstung ins IS-Gebiet geschickt haben sollen; radikalisierte Menschen, denen die Planung von Anschlägen in Deutschland vorgeworfen wird. Für Bernhard Falk sind sie alle "muslimische politische Gefangene in der BRD".

Genau 122 stehen auf der mehrseitigen Liste, die er der Deutschen Welle in einem Frankfurter Park präsentiert. Gerade noch hat er im benachbarten Landgericht die Verhandlung gegen Bilal Gümüs besucht. Der Frankfurter Islamist soll einem 16-Jährigen bei der Ausreise nach Syrien ins IS-Gebiet geholfen haben – nur wenige Wochen später kam der Schüler bei Kämpfen um. 

Linksterroristische Vergangenheit

Dass der Islamist Falk von "politischen Gefangenen der BRD" spricht, ist kein Zufall. Genauso wenig ist es Zufall, dass er Deutschland in seinen YouTube-Videos als "Herz der imperialistischen Bestie" beschreibt: Bernhard Falk hat eine linksterroristische Vergangenheit. Er verübte mehrere Anschläge, wurde wegen versuchten Mordes in vier Fällen verurteilt und saß über zwölf Jahre im Gefängnis. 2008 kam er frei.

Auf Falks Liste stehen 122 Häftlinge, die er "muslimische politische Gefangene der BRD" nennt; Foto: DW
Auf Falks Liste stehen 122 Häftlinge, die er "muslimische politische Gefangene der BRD" nennt. Dass der Islamist Falk von "politischen Gefangenen der BRD" spricht, ist kein Zufall. Denn Bernhard Falk hat eine linksterroristische Vergangenheit. Er verübte mehrere Anschläge, wurde wegen versuchten Mordes in vier Fällen verurteilt und saß über zwölf Jahre im Gefängnis. 2008 kam er frei.

Seine Zeit hinter Gittern treibe ihn an, sagt Falk, insbesondere die fünf Jahre Untersuchungshaft. "Mein Prozess ging über 134 Verhandlungstage am Oberlandesgericht Düsseldorf. Aufgrund dieser Erfahrung habe ich mir gesagt, dass es wirklich an der Zeit ist, muslimischen politischen Gefangenen, die in der Regel ihre Rechte nicht kennen, zu helfen, diese wahrzunehmen." Nach eigener Aussage hat sein muslimischer Glaube Falk geholfen, die lange Haftzeit zu überstehen.

Der Weg zum Islam war dem in Norddeutschland aufgewachsenen Falk nicht in die Wiege gelegt. Er wurde katholisch erzogen und war zehn Jahre lang Messdiener. Während sein Bruder katholischer Priester wurde, zog es Bernhard Falk zur Physik. In Aachen studierte er Elementarphysik: die Lehre von den kleinsten Dingen, die die Welt im Innersten zusammenhalten.

Die Redaktion empfiehlt
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.
To prevent automated spam submissions leave this field empty.