Said Salehi, 27. Februar 2005

zu: Zweifelhafte Diplomatie, von Hamdam Mostafavi

Sehr geehrte Qantara Redaktion,

mit Bedauern musste ich nach der Lektüre Ihres Artikels "EU und Iran, zweifelhafte Diplomatie" feststellen, dass auch Ihr Autor nicht davor zurückscheut, pauschale Beschuldigungen und polemische Behauptungen als Tatsachen darzustellen.

Eine Partnerschaft und der konstruktive Dialog sind nur dann möglich, wenn die Dialogpartner sich respektieren und achten. Wenn der Autor nur die gleichen Unterstellungen der US-Administration gebetsmühlenartig herunter leiert, verschafft er keine Klärung in der ohnehin zu komplizierten Situation.

Der Direktor der IAEA, Herr El Baradei, hat im Laufe der Verhandlungen und immer wieder als kompetenter Experte bestätigt, dass in den Forschungseinrichtungen des Irans zu keinem Zeitpunkt ein Hinweis auf eine Aktivität für militärische Zwecke registriert werden konnte.

Der Autor bedient sich der allgemeinen Beschuldigungen und führt keine Beweise für den angeblichen "iranischen Waffenbestand" (atomarer Art im Sinne der Autorin), seine "Atomwaffen-Entwicklungsstandorte" und "nukleare Militäreinrichtungen" vor. Es liegt noch nicht lange zurück, als Colin Powell (der ehemalige amerikanische Außenminister) zumindest mal einen Versuch unternommen hat, die Weltöffentlichkeit von der Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen zu überzeugen. Wo dies hingeführt hat, sehen wir tagtäglich auf den Mattscheiben unserer Fernsehgeräte. Der Autor macht es sich noch leichter und stellt bodenlose Behauptungen als Tatsachen dar.

Dass sich die Chefdiplomaten der EU-Troika von den iranischen "Mullahs" missbrauchen lassen, möchte ich nicht als Klugheit der Iraner verstehen, sondern als eine Beleidigung und ungerechte Beurteilung ihrer Arbeit seitens des Autors. Ich glaube Herr Fischer, Jack Straw und der französische Außenminister sind erfahren und intelligent genug, um bei den Verhandlungen mit den Iranern sachbezogen und im Interesse aller Beteiligten die Gespräche zu führen.

Zum Schluss muss ich dem Autor bei seiner Darstellung der Inlandpresse Irans (und damit meine ich nicht nur die regimetreue) Recht geben, dass das Nuklearprogramm des Iran nur friedlichen und zivilen Zwecken dient, und dass der Iran gerne mit den internationalen Institutionen und Partnern auf gleicher Augenhöhe kooperiert, sich aber sonst nichts von einem Staat dieser Erde diktieren lässt.

Der Autor möge seinen Vorschlag für eine Befragung des Volkes ernst nehmen, in den Iran reisen und Menschen auf der Strasse nach ihrer Einstellung zum Thema befragen.

In der Hoffnung, dass wenigstens in der seriösen Presse etwas sachlicher und unvoreingenommener berichtet wird, und dass man nicht den Iran und seine Politiker (auch wenn dort noch vieles verbessert werden muss) mit der Bezeichnung "Mullahstaat" und "Mullahs" abstempelt und als unehrlich und unglaubwürdig darstellt,

Ihr treuer Leser

Said Salehi

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