2005 hatte sein ebenfalls im Ausland lebender Vater einen Blog ins Leben gerufen, in dem er Gewalt an der muslimischen Minderheit dokumentierte und über Vertreibung, Diskriminierung und Unterdrückung schrieb. Lwin unterstützte ihn von Anfang an dabei, mittlerweile ist er selbst der Kopf hinter der Seite. Heute hat rohingyablogger.com rund zehn Millionen Besucher jährlich, erzählt er stolz. Die Website gibt es in zwei Versionen, auf Burmesisch und auch auf Englisch. Sein Blog werde international als Quelle benutzt, um an Informationen über die Lage der Rohingya zu kommen - auch und gerade in Zeiten wie diesen.

Ein Blog, eine Lebensaufgabe

"Ich habe ein Netzwerk aus über 100 Freiwilligen, die in verschiedenen Orten im Rakhine-Staat leben. Sie erstatten mir jeden Tag Bericht und schicken mir Bildmaterial zu, das ich dann über die sozialen Netzwerke und meinen Blog verbreite." Seine Kollegen würden alles vor der Veröffentlichung genau auf Echtheit überprüfen, sagt er. Unabhängig kontrollieren lässt sich das allerdings nicht. Es geht um Themen wie Folter, Vertreibung oder auch sexuellen Missbrauch. Alles sei an der Tagesordnung, sagt Lwin. Seine Stimme wird zum ersten und einzigen Mal während des Gesprächs lauter.

"Wenn ich die aktuellen Bilder sehe, vor allem die Kinder, dann muss ich weinen. Manchmal ist es kaum auszuhalten." Die Menschenmenge, die in den vergangenen Wochen mit wenig mehr als der Kleidung am Leib über die Grenze geflohen ist und jetzt in Bangladesch auf eine Zukunft hofft, von der niemand weiß, wie sie eigentlich aussehen könnte - das sind für ihn nicht nur namenlose Gesichter. "Diese Leute sind tagelang gelaufen, nur um ihr Leben zu retten. Es gibt Berichte, wonach im Rakhine-Staat kleine Kinder geköpft oder auch bei lebendigem Leibe verbrannt wurden. Und dann werden die Dörfer abgebrannt, damit keine Spuren übrig bleiben."

Eine Friedens-Ikone in der Kritik

Die Vereinten Nationen haben im Zusammenhang mit der Rohingya-Flüchtlingskrise schwere Vorwürfe gegen Myanmar erhoben und von einem "Paradebeispiel für ethnische Säuberung" gesprochen. Seit der Verschärfung der Krise Ende August und der Flucht Hunderttausender Rohingya war die internationale Kritik an der Führung Myanmars immer lauter geworden. Und mit ihr auch der Ruf nach Aung San Suu Kyi.

Die Staatsrätin und de-facto-Regierungschefin hatte sich lange bedeckt gehalten. Erst in der vergangenen Woche (19.09.) hatte sie sich schließlich erstmals öffentlich geäußert. In ihrer Rede verurteilte sie pauschal alle Menschenrechtsverletzungen im Rakhine-Staat. Menschenrechtler warfen ihr aber vor, zu vage und verharmlosend geblieben zu sein. "Sie schweigt noch immer zur Rolle der Sicherheitskräfte", kritisierte etwa Amnesty International.

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