Vielmehr befürwortete eine knappe Mehrheit einen von der Gemeinschaft getragenen Ansatz, sei es von religiösen Akteuren (34 Prozent), zivilgesellschaftlichen Organisationen (15 Prozent) oder anderen (5 Prozent). Die Präferenz für religiöse Akteure könnte auf das Profil der Befragten zurückzuführen sein. Religiöse Akteure könnten aber tatsächlich eine entscheidende Rolle bei der Beratung, bei der Werbung um öffentliche Unterstützung in ihrem Einflussbereich oder als Bindeglied zwischen einem Reintegrationsprogramm und der lokalen Gemeinschaft spielen. Die genannten Rollen wären besonders wichtig innerhalb der oft geschlossenen fundamentalistischen Gemeinschaften, aus denen die Befragten stammten.

Darüber hinaus lässt sich den Antworten entnehmen, dass der Staat zwar den Diskurs über den Extremismus dominiert, dass das Vertrauen in seine Fähigkeit, Reintegrationsmaßnahmen zu leiten, jedoch begrenzt ist. Die öffentliche Sicherheit gebietet zwar, dass die tunesische Regierung eine führende Rolle bei der Wiedereingliederung ausländischer Kämpfer spielt, aber nichtstaatliche Akteure sollten unbedingt dazu ermächtigt werden, die Reintegration derjenigen zu unterstützen, die rechtlich nicht belangt werden können oder sollen.

Aussöhnung innerhalb der Gemeinschaft unerlässlich

Unabhängig von der übergeordneten Leitung eines Programms benötigen Rückkehrer eine vielfältige, spezialisierte und individuelle Unterstützung. Hierzu zählen psychologische Betreuung, Berufsausbildung und Religionsbeistand. Dies alles geht über die Möglichkeiten oder den Auftrag der Sicherheitskräfte hinaus. Eine solche Unterstützung könnte am besten von Organisationen und Aktivisten geleistet werden, die mit staatlicher Unterstützung in die betroffenen Gemeinschaften eingebunden sind.

Einstellungen in Tunesien zum Reintegrationsprogramm; Quelle: carnegieendowment.org/sada
Reintegriert in die Gemeinschaft: Damit Rückkehrer ihren Platz in der Gesellschaft wiederfinden können, sind Programme erforderlich, die eine auf den Einzelnen zugeschnittene fachliche Unterstützung bieten - psychologische Betreuung, Berufsausbildung und Religionsberatung. Diese müssen an der Basis in den betroffenen Gemeinden arbeiten, unterstützt von lokalen Imamen als Vermittler.

Insbesondere religiöse Leitfiguren können einen wertvollen Beitrag zur Versöhnung der Gemeinschaften mit den Rückkehrern leisten. Dies ist ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass die Rückkehrer nicht auf die gleiche Marginalisierung und die gleichen persönlichen Probleme stoßen, die sie einst dazu veranlassten, ins Ausland zu gehen. Dazu gehört auch das Zusammenwirken mit den Familien und Freunden der Rückkehrer. Diese können eine wichtige Ressource für die Reintegration sein. Sie können aber auch einen radikalisierenden Einfluss haben, der nicht außer Acht gelassen werden darf.

Die Verantwortlichen in der tunesischen Politik und Zivilgesellschaft sollten darauf achten, dass sie durch ihre öffentlichen Äußerungen oder Botschaften die sozialen Konflikte nicht anheizen. Doch erst wenn der Staat klare nationale Prioritäten gesetzt hat, wird es möglich sein, die für eine erfolgreiche Reintegrationsstrategie notwendigen Partnerschaften aufzubauen.

Andrew McDonnell

© Carnegie Endowment for International Peace 2018

Andrew McDonnell ist Forscher und Analyst am "International Center for Religion & Diplomacy" (ICRD) in Washington, DC, USA.

Aus dem Englischen von Peter Lammers

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