Dass König Salman mit der Muslimbruderschaft zumindest außerhalb Saudi-Arabiens bisher pragmatischer umging als sein Vorgänger König Abdallah, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Saudi-Arabien die Organisation grundsätzlich als Bedrohung sieht –wenngleich weniger als die VAE.

Doch es sind nicht nur auf Herrschaftssicherung ausgerichtete und damit verbundene sozioökonomische Interessen, die das außenpolitische Verhalten beider Akteure entscheidend bestimmen. Geostrategie ist ein zweiter wesentlicher Faktor.

Für Saudi-Arabien und die VAE geht es dabei vor allem um die Eindämmung des regionalen Einflusses des schiitischen Iran. Zwar spielt bei diesem Konflikt zum Teil auch Herrschaftssicherung eine Rolle, da man mögliche iranische Aufwiegelungsversuche schiitischer Minderheiten in Saudi-Arabien verhindern möchte. Im Kern handelt es sich jedoch um einen Hegemonialkonflikt. Denn der Anteil der schiitischen Bevölkerung im Königreich liegt bei lediglich zehn Prozent und die Gefahr einer herrschaftsgefährdenden Mobilisierung ist gering.

Saudische Rial-Scheine; Foto: picture-alliance/dpa
Saudi-Arabiens Wirtschaft in freiem Fall? Die politische Führung in Riad hatte zum Jahresanfang im Zuge von Wirtschaftsreformen unter anderem eine Mehrwertsteuer eingeführt. Auch die Benzinpreise erhöhte die Regierung massiv um mehr als 80 Prozent. Dem islamisch-konservativen Königreich, das viel Geld in die Rüstung steckt, machte in den vergangenen Jahren der Ölpreisverfall schwer zu schaffen. Das Haushaltsdefizit lag 2017 bei 8,9 Prozent, das ist ein Minus von 230 Milliarden Rial (etwa 52 Milliarden Euro).

Regionale Eindämmungsstrategien gegen den Iran

Anders sieht es mit dem seit Langem wachsenden regionalen Einfluss Irans aus. Dessen direkte militärische Präsenz in Syrien, der starke Einfluss auf zahlreiche schiitische Milizen im Irak und auf die Hisbollah im Libanon und auch die –wenngleich dort weitaus geringere- Involvierung im Jemen, also in unmittelbarer Nachbarschaft Saudi Arabiens und der VAE, haben diese Staaten in Alarmstimmung versetzt. Dies ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass der Export der iranischen Revolutionsideologie in andere Staaten Teil der iranischen Staatsdoktrin ist.

Saudi-Arabien und die VAE üben daher großen Druck auf Akteure aus, die dem Iran nahe stehen oder mit ihm enge Beziehungen unterhalten. So ist das Embargo gegen Qatar auch durch dessen Beziehungen zu Iran zu erklären, mit dem das Emirat sich ein gemeinsames Gasfeld teilt.

Im Jemen befürchteten die beiden Golfstaaten, Iran könnte eine Art zweite Hisbollah auf der arabischen Halbinsel aufbauen, die sich - ähnlich wie im Libanon - zu einem mächtigen militärischen und politischen Akteur entwickeln könnte. 2015 erfolgte deshalb eine umfangreiche Militärintervention gegen die teilweise von Iran unterstützten Huthi-Rebellen.

In Syrien ist man daran interessiert, die Machtposition Irans in einem Nachkriegs-Syrien zu minimieren. Dazu gehört auch die Verhinderung einer Landbrücke von Iran über den Irak zur Hisbollah im Libanon.

Selbst mit Israel, einem Erzfeind Irans, pflegt man daher im Sicherheitsbereich gute Beziehungen. Im Irak versuchen Saudi-Arabien und die VAE, ihre Beziehungen mit der Zentralregierung zu verbessern und über mögliche Wiederaufbauhilfen den dortigen iranischen Einfluss zurückzudrängen. Und im Libanon hat man versucht, den Ministerpräsidenten unter Druck zu setzen, damit dieser sich offensiver gegen die vom Iran kontrollierte Hisbollah positioniert.

In Zukunft werden einzelne außenpolitische Vorgehensweisen insbesondere Saudi-Arabiens aufgrund der Impulsivität des dortigen Kronprinzen zwar weiterhin nur schwer vorherzusehen sein. Die beiden Grundinteressen Saudi-Arabiens und der VAE werden sich in naher Zukunft jedoch nicht stark verändern und weiterhin die Leitlinien ihrer Außenpolitik bilden.

Matthias Sailer

© Qantara.de 2018

Matthias Sailer ist Promotionsstipendiat der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

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