Das islamische Recht differenzierte klar zwischen Herren und Sklaven: So galt für Sklaven nicht die religiöse Pflicht des Freitagsgebets. Für Sklavinnen betrug die vorgeschriebene Wartezeit bis zu einer erneuten Heirat nach dem Tod ihres Ehemannes nur zwei Monate, statt vier Monate für freie Frauen. Ein Sklave konnte mit Erlaubnis seines Herren bis zu zwei Frauen heiraten, nicht bis zu vier wie ein freier Mann. Solche und weitere Bestimmungen regelten bis ins Detail die Stellung der Sklaven in der Gesellschaft, in der Al-Mutanabbi aufwuchs. Dieses System blieb bis ins 20. Jahrhundert hinein bestehen.

Die soziale und rechtliche Ordnung unter den Umayyaden, den Abbasiden und allen nachfolgenden Dynastien in der arabischen Welt war also eine Ordnung, die klar zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen differenzierte. Daher war es nicht verwunderlich, dass die arabischen Länder die letzten auf der ganzen Welt waren, die schließlich auf Druck hin den Handel mit Sklaven und die Praxis der Sklaverei abschafften.

Abschaffung der Sklaverei als Häresie gegen den Glauben

Die meisten anderen Länder hatten die Sklaverei bereits im 19. Jahrhundert abgeschafft. Als letztes nicht-arabisches Land erließ China im Jahr 1909 ein Gesetz zur Abschaffung des Sklavenhandels, welches 1910 in Kraft trat.

Ganz anders in der arabischen Welt: In Saudi-Arabien wurde die Sklaverei 1962 abgeschafft, die Umsetzung des Beschlusses in die Praxis soll sich mehr als sieben Jahre in die Länge gezogen haben. Im Jemen und im Oman erfolgte die Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1970, in Mauretanien sogar erst im Jahr 1981.

Eine Reihe von islamischen Rechtsgelehrten erließen Gutachten, denen zufolge die Abschaffung der Sklaverei eine Häresie gegen den islamischen Glauben darstelle. Denn es sei im Islam verboten, etwas untersagen zu wollen, was gemäß der Scharia "halal", also erlaubt sei. Dabei beriefen sie sich auf den ersten Vers der 66. Sure des Korans, Al-Tahrim (= Das Verbieten): "Prophet! Warum erklärst du denn im Bestreben, deine Gattinnen zufriedenzustellen, für verboten, was Gott dir erlaubt hat? Aber Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben."

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert vertritt die Mehrheit der arabischen Religionsgelehrten zunehmend eine die Abschaffung der Sklaverei befürwortende Haltung. Dennoch sollten sich all jene Gelehrten die Frage gefallen lassen: Hatte die alte islamische Welt, wie sie bis Anfang des 19. Jahrhunderts existierte, denn jemals die Abschaffung der Sklaverei für notwendig erklärt? Meines Wissens lautet die Antwort nein.

An dieser Stelle möchte ich etwas sehr Persönliches preisgeben. Etwas, worüber ich noch nie zuvor gesprochen habe: Mein im Jahr 1899 geborener Großvater – bei dem ich aufwuchs, nachdem meine Mutter verstarb, als ich fünf Jahre alte war – war Besitzer eines Eunuchensklaven. Und seine Schwestern hatten eine Sklavin aus Abessinien. Zwar war in Ägypten der Sklavenhandel bereits 1877 verboten worden, doch bis 1894 existierte das Verbot nur auf dem Papier. Auch danach wurden die Sklaven nicht automatisch frei gelassen, sondern blieben für den Rest des Lebens im Besitz ihrer Herren.

Sklaverei – kein Phänomen aus grauer Vorzeit

Das rassistische System der Sklaverei, das auf der Annahme basierte, bestimmte Bevölkerungsgruppen stünden biologisch auf einer niedrigeren Stufe als andere, ist keineswegs ein unserer Gegenwart fremdes System. Wir reden hier nicht über ein Phänomen aus grauer Vorzeit, sondern über ein System, das bis vor gar nicht so langer Zeit noch Bestand hatte. Und vermutlich wird in einigen arabischen Ländern bis zum heutigen Tage mit Sklaven Handel getrieben.

Es nimmt daher leider nicht wunder, wenn eine junge Frau mit schwarzer Hautfarbe – oder wie wir in Ägypten sagen, eine "Braune" (arab. samraa) – sich rassistische Kommentare von ägyptischen Männern anhören muss, deren Teint ebenfalls recht dunkel ist. Für Frauen subsaharischer Herkunft ist so etwas Alltag auf den Straßen Kairos.

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