Rassismus
Deutschland hat erstmals eine Antirassismus-Beauftragte

Staatsministerin Reem Alabali-Radovan will dafür sorgen, dass sich die Vielfalt der Gesellschaft in Ministerien und Behörden widerspiegelt

Staatsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD) ist erste Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus. Sie wird die Aufgabe in Personalunion mit ihrem Amt als Staatsministerin beim Bundeskanzler und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration ausüben. Das Bundeskabinett berief sie am Mittwoch (23.2.2022) dazu.

Alabali-Radovan (31) ist seit Dezember Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. 2021 zog sie mit einem Direktmandat in den Bundestag ein. Als Kind irakischer Eltern wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau geboren. 1996 kam sie mit ihrer Familie nach Mecklenburg-Vorpommern. Nach ihrem Abitur in Schwerin studierte sie Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin, kehrte aber 2015 nach Mecklenburg-Vorpommern zurück.

Zwischenzeitlich arbeitete sie für die Ausländerbehörde des Landes in jener Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete, in der sie selbst als Kind aufgenommen worden war. 2020 wurde sie Integrationsbeauftragte des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

 

Alabali-Radovan kündigte an, dass sie ein bundesweites Beratungszentrum für Betroffene von Rassismus einrichten wolle. Sie bräuchten mehr Schutz, Unterstützung und Respekt und müssten im Fokus der Anstrengungen stehen. Dass Rassismus töte, zeigten die Anschläge in Halle und Hanau oder der Terror des NSU. Zugleich wolle sie einen Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus vorlegen.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) betonte, es könne keine stärkere und glaubwürdigere Antirassismusbeauftragte geben als Alabali-Radovan. Sie könne Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung mit aller Klarheit benennen und bekämpfen. Sie könne Stimme und Unterstützerin für alle Menschen sein, die in ihrem Alltag Rassismus erlebten. (KNA) 

 

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