Zwölf Prozent der 3.000 Anhänger der salafistischen Szene in NRW sind weiblich, heißt es im aktuellen Verfassungsschutzbericht, der im Sommer 2018 veröffentlicht wurde. Demgegenüber liegt der Frauenanteil unter den Ausreisen aus NRW ins selbst ernannte "Kalifat" mit 28 Prozent deutlich höher.

Viel Hilfe ist nötig

Als Sozialarbeiterin muss Mohammed Rückkehrerinnen bei vielen Dingen Hilfestellung geben. Zum Beispiel beim Umgang mit der Bürokratie, wenn Geburtsurkunden oder Ausweispapiere für im IS-Gebiet geborene Kinder fehlen. "Dann sagen die Beamten natürlich: sorry, wenn das nicht vorliegt, können wir eigentlich gar nichts machen. Das baut auf der einen Seite Frust auf. Auf der anderen Seite dämmert manchen die bittere Erkenntnis: 'Okay, das ist jetzt die Zeche für diese fatale Entscheidung'. Dann, wenn die Personen reflektieren und auch offen sind, darüber zu reden."

In der Beratung erlebt Mohammed ein breites Spektrum an Gefühlen: "Da ist Verzweiflung, Hass auf Alles und Jeden, auch Momente der Reue. Im Laufe des Beratungsprozesses reflektieren wir aber auch gemeinsam die kleinsten Erfolgsschritte. Da freut sich mein Herz." Diejenigen Rückkehrer, die komplett dicht machen, seien oft Opfer von Gewalt, auch sexualisierter Gewalt geworden, schildert sie.

Salafisten-Kundgebung in Deutschland; Foto: picture-alliance/dpa/B. Roessler
Ein Bild aus vergangenen Tagen: Prediger werden von jugendlichen Anhängern wie Popstars gefeiert. Im vergangenen Mai wurde das Urteil gegen den als Terrorhelfer zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilten Salafistenprediger Sven Lau rechtskräftig. Lau gehört zusammen mit Pierre Vogel zu den bekanntesten Vertretern des radikalen Islam in Deutschland. Er hatte unter anderem auch mit der "Scharia-Polizei", die 2014 durch Wuppertal zog, bundesweit für Aufsehen und Empörung gesorgt.

Egal, in welcher Verfassung die Frauen zurückkehren – man dürfe sie auf keinen Fall sich selbst überlassen, ist Saloua Mohammed überzeugt. Ohnmacht, Enttäuschung und das Gefühl, in Deutschland keine Hilfe für einen Neustart zu bekommen, würden die Frauen gleich wieder anfällig machen für extremistische Einflüsse.

"Ich habe Bauchschmerzen bei dem Gedanken daran, was passiert, wenn Frauen, die nach ihrer Rückkehr enttäuscht und desillusioniert sind, im richtigen Moment wieder von Extremisten angesprochen und abgefangen werden." Unter Umständen droht dann sogar eine noch heftigere Radikalisierung als zuvor.

Esther Felden

© Deutsche Welle 2018

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