Die muslimische Streetworkerin erlebt viel Verzweiflung bei ihren Einsätzen: Eltern, die einerseits oft krank sind vor Sorge um ihre abgetauchten Söhne oder Töchter. Und die andererseits selbst aufgrund des Irrweges ihrer Kinder geächtet und gemieden werden. "Es kommt vor, dass sich Nachbarn oder Freunde distanzieren und die Familie plötzlich ganz allein dasteht."

Egal, an welchem Punkt Saloua Mohammed "ihre" Jugendlichen trifft: Bei ihrer Arbeit dreht sich alles um Vertrauen. Um Hilfe und um Respekt, nicht um Wertung.

"Die Jugendlichen merken sehr schnell, ob sie ernst genommen werden. Ich sage ihnen immer: Ich muss nicht d'accord sein mit dem, was du sagst. Aber ich höre dir zu. Dann reden wir darüber und schauen, ob wir uns vielleicht in der Mitte treffen können."

Jugendlicher verfolgt auf einem Bildschirm radikal-islamistische Propaganda im Netz; Foto: picture-alliance/chrom orange/ R. Peters
Soziale Medien als Einfallstor für Salafisten: Heute, so Saloua Mohammed, radikalisierten sich viele im eigenen Kinderzimmer: vor dem Computer. Oft laufe der Erstkontakt zur Szene über Facebook oder offene Chat-Foren wie beispielsweise "Muslim-Markt" oder "Islam House". Dort würde jeder Neuling auf seine Gesinnung und Ernsthaftigkeit gescannt.

Aber auch radikale Salafisten hätten ihre Methoden, um schnell einen Draht zu den jungen Menschen aufzubauen. Sie würden mit ihnen über Dinge wie Diskriminierung sprechen oder über das Gefühl, in Deutschland nicht dazuzugehören. Probleme, die gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund oft aus eigener Erfahrung kennen. "Die Salafisten gehen da strategisch vor. Sie versuchen beispielsweise zu schauen, wer aus zerrütteten Familienverhältnissen kommt, wer eher ein Mitläufer sein könnte und wer das Zeug zum Alphatier hat."

Radikalisierung am Bildschirm

Vor ein paar Jahren noch missionierten Salafisten-Prediger offen in Bonn. Selbst vor Schulen versuchten sie unverhohlen, Nachwuchs anzuwerben. Heute, so Mohammed, radikalisierten sich viele im eigenen Kinderzimmer: vor dem Computer. Oft laufe der Erstkontakt zur Szene über Facebook oder offene Chat-Foren wie beispielsweise "Muslim-Markt" oder "Islam House". Dort würde jeder Neuling auf seine Gesinnung und Ernsthaftigkeit gescannt.

"Die Kommunikationskanäle haben sich weiter entwickelt, weil der Druck auf die salafistischen Strukturen größer geworden ist", erklärt Mohammed. Erst im zweiten Schritt werden geprüfte und für gut befundene Interessenten dann zu geschlossenen WhatsApp-Gruppen hinzugefügt. Hier bekommen sie Informationen zu anstehenden Veranstaltungen, Seminaren oder – im Falle von Frauen – zu sogenannten "Schwesterntreffen".

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