Am wichtigsten für den Sudan ist, dass die Regierung der Vereinigten Staaten die Barrieren für den Handel, das Finanzwesen und die Bewegungsfreiheit der Menschen lockert bzw. rückgängig macht. Insbesondere müssen die USA sofort damit aufhören, dem Land den Status eines staatlichen Unterstützers des Terrorismus zu geben- ein Relikt aus der Ära Omar al-Bashirs. Erst dann kann sich die sudanesische Regierung um einige der dringendsten Aufgaben des Landes kümmern.

Die neue Regierung hat unverzüglich einen Plan zur wirtschaftlichen Erholung des Landes aufgestellt. Dieser enthält eine Reformstrategie für die Jahre 2020-2030, die auf den Zielen nachhaltiger Entwicklung der Vereinten Nationen beruht. Laut diesem Plan beabsichtigt die Regierung, ihre knappen Haushaltsmittel in die Ausbildung, ins Gesundheitswesen sowie in grundlegende und nachhaltige Infrastruktur zu lenken.

Das Schicksal muss ihrem Ruf folgen!

Um damit erfolgreich zu sein, muss die sudanesische Regierung nicht nur die staatlichen Einnahmen erhöhen, sondern auch weniger Geld dafür ausgeben, die Auslandsschulden aus der Bashir-Zeit zu bedienen. Stattdessen muss dieses Geld in öffentliche Dienstleistungen und Infrastruktur fließen. Dazu braucht der Sudan einen sofortigen Schuldennachlass und neue Finanzierungsmöglichkeiten durch die Weltbank und andere internationale Finanzinstitutionen.

Seit Mitte der 1990er Jahre konnten bereits Dutzende Länder niedrigen Einkommens mit dem IWF- und Weltbank-Programm für schwer verschuldete, arme Länder (HIPC, Heavily Indebted Poor Country Program) ihre Staatsschulden abbauen. Aber mit Omar al-Bashir an der Macht war der Sudan von dieser Initiative ausgeschlossen. Jetzt, nach dem Sturz des Diktators, appelliert die neue Regierung an den IWF, die Weltbank und internationale Kreditgeber, dem Sudan im Rahmen des HIPC-Programms die Schulden zu erleichtern und ihm damit einen finanziellen Neubeginn zu ermöglichen.

Viele Beobachter des Landes halten die sudanesischen Probleme für unüberwindlich. Einige Skeptiker glauben gar, schwere wirtschaftliche und politische Unruhen seien wohl kaum zu verhindern. Doch das sudanesische Volk bleibt hoffnungsvoll. Das Land wäre in der Lage, zu einem demokratischen Vorbild für die gesamte Region zu werden. Es könnte ein Beispiel dafür geben, wie eine vom Volk unterstützte Regierung Stabilität wiederherstellen, Reformen durchführen und sich nachhaltig entwickeln kann.

Sudans innovative, ethnisch vielfältige, friedliche und politisch engagierte Bevölkerung –  insbesondere die Frauen und jungen Menschen im Land – konnten sich durch ihr mutiges Handeln von der Unterdrückung befreien. Jetzt wünschen sie sich inständig eine bessere Zukunft. Und wie einst der tunesische Poet Abu al-Qasim al-Shabbi schrieb: Das Schicksal muss ihrem Ruf folgen!

Ibrahim Elbadawi & Jeffrey D. Sachs

© Project Syndicate 2019

Ibrahim Elbadawi ist sudanesischer Minister für Finanzen und Wirtschaftsplanung.

 Jeffrey D. Sachs ist Universitätsprofessor an der Columbia University. Zu seinen Publikationen zählen u.a. The Age of Sustainable Development, Building the New American Economy und A New Foreign Policy: Beyond American Exceptionalism.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

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