Die Terroristen hätten ihre Strategie an die verschärfte Gesetzeslage angepasst und würden sich vermehrt auf kleine Zellen und individuelle geplante Anschläge verlegen. "Dadurch wird es schwieriger, sie rechtzeitig zu identifizieren."

Abuza und Clarke sehen die Anti-Terror-Bemühungen der Philippinen dagegen kritischer. Die Sicherheitskräfte verübten bei ihren Operationen so massive Menschenrechtsverletzungen, dass sie all diejenigen, die ohnehin einen Groll gegen die Regierung in Manila hegen, in die Arme der Islamisten trieben. Das gleiche gelte für den rücksichtlosen Militäreinsatz in Marawi, der von den Dschihadisten für ihre Propaganda ausgenutzt werde.

Gesamtgesellschaftliches Problem

Die Bekämpfung terroristischer Strukturen durch den Sicherheitsapparat reicht aber nicht aus. Der Bonner Indonesien-Forscher Berthold Damshäuser beobachtet seit Jahren eine "wachsende Intoleranz". Insbesondere jüngere Indonesier sprächen sich immer öfter für eine konservative Auslegung des Islam aus. Die vom Populismus geprägte Politik gäbe diesen Strömungen zu oft nach. Das wiederum fördere eine zunehmende Islamisierung des Landes.

Zu den fünf Grundprinzipien ("Pancasila") des 1945 unabhängig gewordenen Staates gehörte vor allem religiöse Toleranz. Diese wird laut Beobachtern gerade in jüngster Zeit durch regionale Sonderrechte zur Durchsetzung fundamentalistischer Moralvorstellungen untergraben.

Insofern hat die stärkere Betonung der Interessen und Rechte der Regionen in der modernisierten indonesischen Verfassung dem Erstarken des Fundamentalismus Vorschub geleistet. Wichtig wäre laut Susanne Schröter, die überwölbenden demokratischen Prinzipien der Verfassung gegenüber regionalen islamistischen Auswüchsen stärker in Stellung zu bringen.

Rodion Ebbighausen

© Deutsche Welle 2019

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