Der Journalist Alican Uludağ von der oppositionellen Tageszeitung "Cumhuriyet" hat keinen Zweifel an der Existenz der Gruppe. Seine Recherchen hätten ergeben, dass Pelikan bei den Festnahmen und der Zensur von OdaTV die Strippen gezogen hat, sagt er.  "Journalisten, die für Pelikan tätig sind, haben die Verhaftungen öffentlich begrüßt und unterstützt. Und OdaTV berichtet seit vielen Jahren über die von Pelikan initiierte Umstrukturierung der türkischen Justiz." 

Uludağ geht davon aus, dass die Justiz von einem Geflecht aus Pelikan-Mitgliedern durchzogen sei, das hätten ihm sogar Erdoğans Anwälte persönlich bestätigt. "Neben der politischen Einflussnahme weiß man wenig über die Finanzströme der Gruppe. Falls dieser Aspekt aufgedeckt werden wird, ist es wahrscheinlich, dass eine große kriminelle Vereinigung zum Vorschein kommt", glaubt der Journalist.

Erinnerungen an die Gülen-Bewegung

Der Präsident der Istanbuler Anwaltskammer Mehmet Durakoğlu hat mit 44 Anwaltskollegen gegen die Festnahme der Journalisten von OdaTV protestiert und eine gemeinsame Erklärung gegen politische Einflussnahme unterschrieben. Der Jurist äußert sich vorsichtiger zum mutmaßlichen Einfluss einer Pelikan-Gruppe. Er könne die Existenz der Gruppe nicht endgültig bestätigen, betont er. Aber es gebe ganz offensichtlich einen Machtkampf verschiedener Gruppierungen innerhalb der Justiz, nur ein Blinder sähe das nicht. Namen will er nicht nennen.

Der Journalist Alican Uludağ; Quelle: privat
Der Journalist Alican Uludağ von der oppositionellen Tageszeitung "Cumhuriyet" glaubt, dass Pelikan bei den Festnahmen und der Zensur von OdaTV die Strippen gezogen hat. "Journalisten, die für Pelikan tätig sind, haben die Verhaftungen öffentlich begrüßt und unterstützt. Und OdaTV berichtet seit vielen Jahren über die von Pelikan initiierte Umstrukturierung der türkischen Justiz."

Sollte sich bewahrheiten, dass es Pelikan gebe, so bringe das ähnliche Probleme für die Unabhängigkeit der Justiz wie früher der Einfluss der Gülen-Bewegung. Die von dem Prediger Fethullah Gülen angeführte religiöse Gruppierung pflegte einst äußerst engen Kontakt zur türkischen Regierung und Justiz, namentlich zu Erdoğan. Mittlerweile sind Gülen und Erdogan erbitterte Gegner und die Bewegung wird in der Türkei als Terrororganisation eingestuft. "Wir haben damals schon aufgeschrien", sagt Durakoğlu in Erinnerung an das Gülen-Netzwerk. "Deshalb halten wir es für notwendig, gegebenenfalls erneut auf dieselbe Gefahr hinzuweisen."

Bereits beim Fall Kavala Mitte Februar hatte die türkische Öffentlichkeit über eine Einflussnahme durch Pelikan spekuliert. Der Unternehmer und Kulturmäzen Osman Kavala wird beschuldigt, ein Organisator der Proteste am Gezi-Park 2013 gewesen zu sein. Nachdem er jahrelang in Untersuchungshaft gesessen hatte, wurde er im Februar überraschend wegen Mangels an Beweisen freigesprochen.

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