Im Vorfeld der Wahlen, als bereits über die Bildung der Allianzen geschachert wurde, kamen mehrmals hohe Berater des iranischen Religionsführers Ali Khamenei nach Bagdad, um mit den irakischen Schiitenpolitikern zu sprechen. Die iranischen Emissäre versuchten offenbar, die Schiiten dazu zu bewegen, sich nicht zu konkurrieren und zusammenzuhalten.

Ziel war es offensichtlich, dass das Amt des Ministerpräsidenten in schiitischer Hand bleibt. Sowohl Maliki als auch Abadi sind Schiiten. Doch die iranischen Unterhändler konnten sich offensichtlich nicht durchsetzen und die Schiiten einigen. Die Rivalitäten unter den schiitischen Führungspersonen erwiesen sich als unüberwindbar.

Zwei Hauptallianzen der Sunniten

Die Zersplitterung der Schiiten könnte bewirken, dass sie die Chance verpassen, als stärkste Formation eine Koalitionsregierung bilden zu können. Herausgefordert werden sie vor allem von Iyad Allawi, einem säkularen Politiker. Er könnte sich mit anderen, nicht religionsgebundenen Gruppen zu einer Koalition zusammenschließen.

Ehemaliger irakischer Premier Iyad Allawi; Foto: Reuters
Neuer alter Herausforderer Iyad Allawi: Der frühere irakische Premier gilt als ein Befürworter des von Bagdad aus zentral geleiteten Staates. Allawi hatte in den Wahlen von 2010 eine knappe Mehrheit erlangt, konnte damals aber keine Regierung bilden, weil ihm die Koalitionspartner fehlten.

Die Sunniten haben zwei Hauptallianzen gebildet: Zum einen geht der gegenwärtige Parlamentssprecher Salim Dschaburit ein Bündnis mit dem säkular ausgerichteten Schiiten und früheren Ministerpräsidenten aus der amerikanischen Zeit, Iyad Allawi, ein. Dieser wiederum arbeitet mit säkularen Sunniten und Schiiten. Eine zweite sunnitische Allianz wird angeführt von Osama al-Nudschaifi, dem früheren Gouverneur von Mossul. Diesem Bündnis gehören zwei weitere einflussreiche Politiker der Provinz Niniveh an, in der Mossul liegt.

Allawi gilt als ein Befürworter des von Bagdad aus zentral geleiteten Staates. Nudschaifi wirbt für einen föderativen Irak. Wie die Kurden sollten seiner Meinung nach auch die Sunniten innerhalb des Staates einen autonomen Teilstaat bilden können.

Allawi hatte in den Wahlen von 2010 eine knappe Mehrheit erlangt, konnte aber keine Regierung bilden, weil ihm die Koalitionspartner fehlten. Maliki, der damals zweiter wurde, gelang es, nach zähen Manövern eine Regierungskoalition zu bilden.

Gegenwärtig haben die Schiiten mit mehreren aussichtsreichen Allianzen die bessere Chance, eine Koalition zu bilden. Die Sunniten hingegen treten nur mit zwei größeren Allianzen an. Zudem sind sie durch den Krieg gegen den IS, der vor allem in sunnitischen Gebieten stattfand, geschwächt und geschädigt.

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