Parlament der Religionen der Welt

Gutmenschen aller Länder, vereinigt euch!

Anfang November fand in Toronto eine der buntesten und spannendsten Veranstaltungen statt, die je unter dem Label "Religion" abgehalten worden sind: "Das Parlament der Religionen der Welt." Stefan Weidner hat es sich angesehen.

Obwohl in Deutschland wenig bekannt, hat das Parlament eine 125jährige Geschichte aufzuweisen: Erstmals fand es 1893 als Beiprogramm zur Weltausstellung in Chicago statt. Zum ersten Mal in der neueren Geschichte versammelten sich religiöse Vertreter aller großen Religionen, um über Fragen des Glaubens zu debattieren.

Das Treffen markierte den Beginn der Popularität asiatischer Religionen im Westen. Besonders die hinduistischen und zen-buddhistischen Vertreter machten von sich reden. Nur der Islam kam zu kurz, da der Sultan in Istanbul dem Projekt skeptisch gegenüber stand und offiziellen muslimischen Gelehrten die Teilnahme untersagte. Er witterte hinter dem Projekt den Versuch christlicher Mission.

Verzicht auf gegenseitige Missionierung

Diese Zeiten sind jedoch vorüber. Seit das Parlament 1993 wiederbelebt wurde – unter anderem vom deutschen Theologen Hans Küng –, sind nicht nur Muslime zahlreich auf dem Parlament vertreten, das alle drei bis vier Jahren an wechselnden Orten stattfindet. Es will auch niemand mehr missionieren. Stattdessen hat sich das Parlament mit großer Entschiedenheit den politischen Fragen der Gegenwart verschrieben und an seiner progressiven Einstellung dazu keinen Zweifel gelassen.

Miguel de la Torre, ehemaliger Direktor der "American Academy of Religion" und Professor für Sozialethik in Denver, scheute sich nicht, jede Religion als "satanisch" zu bezeichnen, welche Unterdrückung und Gewalt rechtfertigt. Er erzählte, wie er als junger Mann die Polizisten entschuldigte, die ihn als Latino anhielten, um seinen Wagen auf Kokain zu durchsuchen. Sei es nicht gut, dass sie den Drogenhandel bekämpften? Dies redete er sich jedenfalls ein.

Wenn die Selbstkolonisierung dazu führt, dass man sich selbst mit den Augen des Unterdrückers sieht, sei es besser, sich eine andere Weltsicht zu suchen, was auch immer die anderen davon hielten. Nur durch Widerstand wahre man seine Würde, seine Menschlichkeit, entdecke seinen Glauben.

Auch für Kinder stand die religiöse Inklusion auf dem Programm beim diesjährigen Parlament der Weltreligionen in Toronto; Foto: Stefan Weidner
Für einen gelebten Dialog der Religionen: Seit das Parlament 1993 wiederbelebt wurde – unter anderem vom deutschen Theologen Hans Küng –, sind nicht nur Muslime zahlreich auf dem Parlament vertreten, das alle drei bis vier Jahren an wechselnden Orten stattfindet. Es will auch niemand mehr missionieren. Stattdessen hat sich das Parlament mit großer Entschiedenheit den politischen Fragen der Gegenwart verschrieben und an seiner progressiven Einstellung dazu keinen Zweifel gelassen.

Hätte er das Wort "Glauben" nicht hinzugefügt, wir hätten uns wie bei vielen Rednern eher auf dem Parteitag einer globalen grünen Bewegung als auf dem Parlament der Religionen gewähnt. Mit Kritik an den rückwärtsgewandten, patriarchalen Strömungen in den Religionen wurde nicht gespart.

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