Eine gute Übersicht über die Literatur zum Thema "Öl und Entwicklung" sowie zur politischen Ökonomie des Öls im Mittleren und Nahen Osten (MENA) während der vergangenen 40 Jahre bot Auty (2012). In der Hochpreisphase von 1973 bis 1982 seien die hohen Extragewinne aus dem Ölexport in der MENA-Region vor allem dem öffentlichen Sektor zugutegekommen, womit die herrschende Elite ihre Patronage-Netzwerke bediente und damit ihre politische Macht festigte, zugleich aber die Ineffizienz der staatlichen Verwaltung vertiefte.

Die bevölkerungsreichen Ölländer (Algerien, Iran, Irak) verfolgten die Strategie einer staatlich gelenkten, Import substituierenden Industrialisierung, wobei sie mit dem Aufbau von Petrochemie und Stahlproduktion die Ressource Öl in Wert zu setzen versuchten.

Stadtbauprojekt Masdar City  in den Vereinigten Arabischen Emiraten; Foto: DW/I. Quaile
"Masdar City" - die grüne Lunge der Vereinigten Arabischen Emirate: Die kleinen Staaten und Emirate bereiten sich schon auf die Zeit vor, in der die Ölquellen versiegt sein werden. "Ökotopia" nennen manche das Projekt einer emissions- und abfallfreien Stadt, die in der Wüste Abu Dhabis entsteht. 22 Milliarden Euro wollen die Emiratis in die Stadt der Zukunft mit Namen "Masdar" investieren.

Als ab 1985 die Ölpreise zurückgingen, stellten die Ölländer zeitweise geplante Investitionen zurück und kürzten die großzügigen Sozialprogramme, was politisch aber viel schwieriger durchzusetzen gewesen sei. In der Annahme, dass der Preissturz nur von kurzer Dauer sei, gingen die Regierungen auch dazu über, ihre Währungsreserven abzubauen und sich zu verschulden, um ihre Haushaltsdefizite zu finanzieren.

Keine Abkehr von der Rentenökonomie

Die externe Verschuldung in der Region sei zwischen 1985 und 1996 um mehr als das Dreifache gestiegen. Allerdings blieben Lerneffekte nicht aus. In der Hochpreisphase ab 1999 bildeten die Länder höhere Ersparnisse und bauten ihren Schuldenstand ab. Verschiedene Staaten schufen "Sovereign Wealth Funds", in die nach dem Vorbild Norwegens ein hoher Teil der Extraprofite floss. Strukturelle Reformen, die den Weg von einer Rentenökonomie hin zu einer produktivitätsbasierten Entwicklung ebnen, hätten aber nicht stattgefunden.

Heilbrunn (2014) hingegen betonte die Chancen des Ölreichtums. In seinem lesenswerten Buch "Oil, Democracy and Development in Africa" kam er zu dem Ergebnis, dass sich über die Jahrzehnte der Ölförderung in vielen Ländern ein subtiler ökonomischer Transformationsprozess beobachten ließ. Das Ölgeld, das ins Land gespült wurde, führte zu punktueller Kapitalakkumulation, die wiederum inländische Investitionen nach sich zog. Es entstand ein interner Markt für Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Wohnungsbau und Konsumgüter sowie für eine Vielzahl von Produkten, die die Ölindustrie nachfrage.

Um diese neuen ökonomischen Aktivitäten herum bildete sich eine Mittelschicht. Mit der Ölförderung und den dadurch ausgelösten wirtschaftlichen Aktivitäten sei es unumgänglich, Regelwerke zu schaffen, die ein störungsfreies Funktionieren der neuen Wirtschaftszweige gewährleisteten. Damit sei eine institutionelle Entwicklung ausgelöst, die umso besser gelänge, je günstiger die historischen Voraussetzungen in den einzelnen Ländern seien.

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