In einer Bar im obersten Stock eines Hotels sitzt Handan Karataş mit einem Martini in der Hand und lässt ihren Blick über den Kurfürstendamm schweifen. Als Tochter von sogenannten "Gastarbeitereltern" gehört die gestylte Frau mit langen Haaren zu denen, für die die Türkei die eigentliche Heimat und immer einen Traum entfernt war.

"In Deutschland erlebte ich häufig Rassismus. Vielleicht hat meine Sehnsucht nach Istanbul auch deswegen zugenommen", erzählt sie. Nach dem Studium erfüllte sie sich einen Traum und zog für einige Jahre nach Istanbul. Doch auch von türkischer Seite erfuhr sie Diskriminierung. "Es gibt dieses Bild vom sogenannten 'Deutschländer' – dem ungebildeten, neureichen Provinzler, der das Geld auf der Straße aufsammelt."

Wenn Antipathie in Hass umschlägt

Heute lebt Handan wieder in Berlin. In den vergangenen Jahren, erzählt sie, sei die Antipathie der "Türkei-Türken" gegen die sogenannten "Almancı" in regelrechten Hass umgeschlagen. Aus der Türkei hieße es: "Ihr wählt die AKP, seid aber weit weg und kriegt nichts mit!"

"Ich beobachte, dass die 'Neue-Welle-Türken' versuchen, der Welt zu zeigen: Wir sind besser als die anderen Türken." Dass sie die Errungenschaften ihrer Elterngeneration verachten, macht sie zornig und traurig. "Die Menschen kamen damals unter sehr schweren Bedingungen hierher. Und heute setzen sich die Leute ins gemachte Nest und verachten diejenigen, die sich hier alles aufgebaut haben."

Der Berliner Comedian Şafak Salda; Foto: Şafak Salda
Hält die gegenseitigen Ressentiments und Vorurteile zwischen "Gastarbeiter"- und "Braindrain"-Türken für vollkommen überzogen und sinnlos: "Schließlich wird früher oder später eh jeder türkischstämmige Bürger in Deutschland zu einem 'Deutschländer'", meint der Berliner Comedian Şafak Salda.

Und die Lösung des Problems? "Wir müssen uns an einen Tisch setzen und miteinander reden. Denn Vorurteile resultieren aus Unwissenheit", findet sie.

Einer, der sich ebenfalls an den gegenseitigen Ressentiments seiner Landsleute stört, ist der türkischsprachige Berliner Comedian Şafak Salda. Kürzlich hat er eben dieses Problem in einer seiner Nummern integriert. Die Vorbehalte der "neuen Türken" kennt der Mann mit freundlichem Gesicht nur zu gut. "Als ich nach zum Studium nach Deutschland kam, dachte ich nicht anders, muss ich zugeben." Doch mit den Jahren habe er gemerkt, wie falsch er lag.

"Seit Jahrzehnten unterstützen die Menschen hier finanziell ihre Verwandten in der Türkei. Alleine 2018 flossen 800 Millionen Euro aus Deutschland in die Türkei. Außerdem geben die Deutsch-Türken im Urlaub in der Türkei mehr aus als alle anderen Touristen. Man kann nicht von diesen Leuten profitieren und sie gleichzeitig verachten."

Generation Kofferbaby

Die Idee, dass die in Deutschland lebenden Türken ein Stimmendepot der AKP darstellen, sei schon allein statistisch gesehen schlichtweg falsch, sagt er. Von den 3,5 Millionen in Deutschland lebenden Türken habe die AKP gerade einmal 350.000 Stimmen bekommen, ihre Stimmen hätten keine Auswirkungen auf das Wahlergebnis gehabt.

Auch sei das Unwissen über "die anderen" weit verbreitet, so Salda. "Man muss sich einmal angucken, wer damals alles aus Anatolien hierher gekommen ist. Unter ihnen sind zum Beispiel viele Aleviten, die ihre Angehörige bei einem der Anschläge verloren haben. Und dann gibt es noch die sogenannte 'Generation Kofferbaby', Kindern, die zwischen den beiden Ländern alleine hin und her geschickt wurden, weil ihre Eltern vor lauter Arbeit keine Zeit hatten, sich um sie zu kümmern – Kinder, die bei Verwandten aufwuchsen und die bis heute keine Beziehung zu ihren leiblichen Eltern aufbauen können." Und eines, fügt er hinzu, dürfe man ebenfalls nicht vergessen: Früher oder später werde jeder türkischstämmige Bürger in Deutschland zu einem "Deutschländer".

Ceyda Nurtsch

© Qantara.de 2019

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Leserkommentare zum Artikel: Gastarbeiter-Türken vs. Braindrain-Türken

Was ist mit den gut gebildeten Akademikern die in D studiert haben und nun in die Heimat ihrer Eltern Auswandern ?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Es wandern mehr Türken aus Deutschland aus als einwandern.

Durch Weglassen von Information . . .

Cigdem Toprak05.03.2019 | 12:53 Uhr

Was für ein schlechtes Deutsch!! Fremdschämend!! Ich habe Deutsch erst mit 28 Jahren gelernt und hätte wahrscheinlich besser schreiben können.

Tolga Akertek05.03.2019 | 20:32 Uhr

Menschen wandern aus, Menschen wandern ein. Die deutsche PropagandaPresse hat wieder zugeschlagen. Was sagen denn die harten Fakten? Wie viele gut ausgebildete Akademiker wandern in die Türkei aus?

Richard Müller05.03.2019 | 23:43 Uhr

Toller und informativer Beitrag.

Asia 06.03.2019 | 18:58 Uhr