Neuer Schwung in deutsch-arabischen Wirtschaftsbeziehungen

Deutsche Exporte in arabische Länder steigen, größter Handelspartner ist Saudi-Arabien. Das deutsch-arabische Wirtschaftsforum in Berlin gab 200 arabischen Unternehmern Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen.

Aufbruchstimmung in den deutsch-arabischen Handelsbeziehungen: Allein 200 von den insgesamt 500 Teilnehmern des Forums sind aus arabischen Ländern angereist. Kontakte knüpfen, Verträge abschließen und bestenfalls gute Geschäfte machen, darauf hoffen die Unternehmer.

„Ich kann Ihnen nur sagen, dass die Bereitschaft und Neigung der arabischen Geschäftswelt, mit europäischen Partnern zusammenzuarbeiten, die immer gegeben war, zur Zeit so stark ausgeprägt ist, wie ich das nie habe feststellen können“, sagt Günther Rexrodt, Präsident der Arabisch-Deutschen Vereinigung für Handel und Industrie, auf Arabisch kurz Ghorfa.

Die Zeichen stehen gut

Der Irak-Krieg ist beendet, in den Nahost-Friedensprozess kommt Bewegung: Die Zeichen stehen also gut, die Handelsbeziehungen zu intensivieren. Die deutschen Exporte in arabische Länder konnten schon im vergangen Jahr zulegen. Sie stiegen im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 15 Milliarden Euro. Damit liegt die arabische Region mit ihren Zuwachsraten bei deutschen Exporten an der Spitze.

Größter Handelspartner Deutschlands ist Saudi-Arabien. Aus saudischer Sicht könnten die Handelsbeziehungen allerdings noch verbessert werden. Suliman Al-Sayyári, Geschäftsführer der Deutsch-Saudischen Vereinigung für Entwicklung und Investitionen hofft, „mehr Güter von Saudi-Arabien nach Deutschland zu exportieren und die Außenhandelsbilanz auszugleichen. Zurzeit schlägt sie mit einem Verhältnis von dreieinhalb zu einer Milliarde Euro deutlich für Deutschland aus. Außerdem wollen wir unsere deutschen Partner davon überzeugen, gemeinsam mehr in Saudi-Arabien zu investieren.“

Schwache Binnenkonjunktur

Die deutschen Unternehmer sind wegen der schwachen Binnenkonjunktur in Sachen Investitionen aber eher zurückhaltend. Hier sieht man auch auf deutscher Seite Defizite.

„So beeindruckend der Warenverkehr ist, so sehr lässt die Verflechtung im Investitionsbereich zu wünschen übrig. Da muss nachgelegt werden“, so Günther Rexroth.

Viele arabische Länder haben die Rahmenbedingungen für ausländische Unternehmer in den vergangen Monaten deutlich verbessert - etwa bei den Steuern und beim Kauf von Grund und Boden. Das Interesse deutscher Unternehmer konzentriert sich zurzeit aber eher auf den Irak. Hier gibt es viel zu tun - hier hoffen sie am Wiederaufbau des Landes beteiligt zu werden. Da sich die Wogen im transatlantischen Konflikt nunmehr etwas geglättet haben, rechnen deutsche Investoren damit, dabei zu sein. Zumindest als Subunternehmer der großen US-amerikanischen Firmen.

Deutsche von Anfang an dabei

Ludwig Georg Braun, Präsident der deutschen Industrie und Handelskammer, fürchtet die amerikanische Dominanz nicht:

„Das können nicht ein paar wenige von oben machen, das würde nicht gehen. Ich glaube, die Diskussion, dass man ausgeschlossen würde, eine Scheindiskussion ist. Es wird sich letzten Endes dadurch entscheiden, welche Bereitschaft wir Deutschen von Anfang an zeigen, dabei zu sein, anstatt zu sagen, wir warten erst mal ab, was kommt. Ich glaube, dass ist ein Prinzip, das deutsche Wirtschaftler seit Jahren anwenden, und wir werden es auch in diesem Fall praktizieren.“

In der Hoffnung, früh genug ein Stück vom Kuchen im Irak zu bekommen, plant die Ghorfa für den Herbst dieses Jahres, mit einer Delegation in die Region zu reisen. Vierzig mittelständische Unternehmer werden dann vor Ort versuchen, Aufträge zu akquirieren.

Vanessa Fischer

Quelle: Deutsche Welle, © 2003 Deutsche Welle

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