Im vom jahrelangen Krieg zerrütteten Jemen ist Fußball seit 2014 so gut wie kein Thema mehr. Doch die U17 des Landes macht Hoffnung und könnte das geteilte Land wieder zusammenbringen.

Nachwuchsfußballer im Jemen
Der Traum von der Weltmeisterschaft

Im vom jahrelangen Krieg zerrütteten Jemen ist Fußball seit 2014 so gut wie kein Thema mehr. Doch die U17 des Landes macht Hoffnung und könnte das geteilte Land wieder zusammenbringen. Von John Duerden

Die Nachrichten, die seit 2014 aus dem Jemen die Menschen in der restlichen Welt erreichen, sind fast ausschließlich düster. Im Juni dieses Jahres jedoch schaffte es eine Gruppe junger Sportler, die bei der Asienmeisterschaft in Thailand erfolgreich Fußball gespielt hatte, das Land zusammenzubringen - zumindest für einen kurzen Moment, der aber Hoffnung macht.

Die U17-Nationalmannschaft des Jemen hatte sich als eines von 16 Teams für die Asienmeisterschaft 2023 qualifiziert. Beim Turnier überstand der jemenitische Fußball-Nachwuchs dann mit Siegen über Malaysia und Laos die Gruppenphase und zog ins Viertelfinale ein. Dort trafen sie auf den Iran. Ein weiterer Sieg hätte den Einzug ins Halbfinale bedeutet - und noch viel wichtiger: Man hätte sich für die U17-Weltmeisterschaft in Indonesien qualifiziert.

Hoffnung trotz Niederlage

Es war ein enges Spiel, das der Iran erst im Elfmeterschießen für sich entscheiden konnte. Für die jungen jemenitischen Spieler war es eine schmerzhafte Niederlage, die jedoch Hoffnung für die Zukunft macht. "Ich bin stolz auf die Mannschaft", sagte Mohammed Salem Al-Zuriqi, Jemens Assistenztrainer und ehemaliger Nationalspieler, der Deutschen Welle (DW).

"Wir haben starke Spiele abgeliefert. Und wenn wir nicht so viel Pech gehabt hätten, wären wir für die Weltmeisterschaft qualifiziert gewesen. Das Wichtigste ist jedoch, dass wir Spieler mit großer Zukunft gesehen haben."
 

Der Cheftrainer der A-Nationalmannschaft, Miroslav Soukup, verfolgte das Achtelfinale gegen den Iran in seinem Heimatland Tschechien. "Ich weiß, wie die Reaktion ausgefallen wäre, wenn sie dieses Spiel gewonnen hätten. Das hätte allen einen großen Auftrieb gegeben", sagte er und ergänzte: "Es war eine wichtige Erfahrung für die jungen Spieler. Denn gerade gibt es nicht viel Fußball für sie."

Keine nationale Liga mehr

Trotz des Ausscheidens aus dem Turnier war das Abschneiden der U17 ein Erfolg, der vor allem vor dem Hintergrund der katastrophalen humanitären Lage des Landes gesehen werden muss, in dem seit 2014 Krieg herrscht. Der Krieg und seine Folgen haben dazu geführt, dass seit fast einem Jahrzehnt kaum noch Fußball gespielt werden konnte.

Im September 2014 übernahmen Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden, die Kontrolle über die Hauptstadt Sana'a und stürzten die international anerkannte Regierung. Im darauffolgenden Jahr griff eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition ein, um die Regierung wieder einzusetzen, woraufhin es jahrelange Kämpfe gab.

In einem Bericht der Vereinten Nationen wurde für 2021 eine Zahl von 377.000 Todesopfern prognostiziert, von denen aber rund 60 Prozent auf Hunger und Krankheiten und nicht nur auf Kampfhandlungen im Bürgerkrieg zurückzuführen seien. Denn der Jemen war bereits vor Beginn der Kämpfe das ärmste Land im Mittleren Osten.
 

"Ich kann mich nicht erinnern, wann die Nationalmannschaft das letzte Mal zu Hause im Jemen gespielt hat", erklärt Soukup, der nicht im Jemen arbeiten kann, sondern mit seinen Spielern zu Trainingslagern und Turnieren ins Ausland reisen muss. "Das Land ist gefährlich. Die meisten Spielfelder wurden bei Raketenangriffen zerstört, so dass nicht viel trainiert werden kann, zumal der Fußballverband kein Geld hat."

Die meisten Spieler müssen sich mit kleinen regionalen Turnieren und sporadischen Freundschaftsspielen begnügen oder versuchen ihr Glück im Ausland. "Die nationale Fußballliga ist seit 2014 aufgrund der Sicherheitslage zum Erliegen gekommen, was sich auf das Niveau von Spielern, Vereinen und Trainern ausgewirkt hat", erklärt Al-Zuriqi, der ehemaliger jemenitischer Nationalspieler ist.

Der gebürtige Sana'aer hatte nach seiner Karriere die Chance ergriffen, gemeinsam mit Soukup für die Nationalmannschaft zu arbeiten, nachdem es im Land keine anderen Trainerjobs mehr gab.

Denn nach Kriegsausbruch kam der Spielbetrieb im nationalen Fußball zum Erliegen. Der Verband arbeitete allerdings hart daran, zumindest die Nationalmannschaften am Leben zu erhalten. Es war und ist eine Herausforderung, doch die Trainer haben dazu ein System entwickelt.

"Wir haben Mitarbeiter im Jemen und stehen täglich in Kontakt mit den Spielern", berichtet Soukup. "Es ist nicht so schwer, drei Spieler für jede Position zu finden. Wir rufen auch die Spieler im Ausland an, und nach zwei oder drei Wochen haben wir einen endgültigen Kader von 23 Spielern, und wir sind bereit, loszulegen."

Die jemenitische Nationalmannschaft beim Pokal der Golf-Nationen in Basra, Irak; Foto: picture-alliance
Jemens Nationalmannschaft: Ganz knapp haben die Nachwuchsspieler die Qualifikation für die U17-Weltmeisterschaft in Indonesien verpasst. Für die jungen jemenitischen Spieler war es eine schmerzhafte Niederlage, die jedoch Hoffnung für die Zukunft macht. "Ich bin stolz auf die Mannschaft", sagte Mohammed Salem Al-Zuriqi, Jemens Assistenztrainer und ehemaliger Nationalspieler, der Deutschen Welle (DW). "Wir haben starke Spiele abgeliefert. Und wenn wir nicht so viel Pech gehabt hätten, wären wir für die Weltmeisterschaft qualifiziert gewesen. Das Wichtigste ist jedoch, dass wir Spieler mit großer Zukunft gesehen haben."

Der Traum von der WM 2026 lebt

Entgegen aller Rückschläge und Schwierigkeiten im Jemen, gibt es einen Grund optimistisch zu sein: Denn trotz des Mangels an Spielen und regelmäßigem Wettbewerb hat die U17-Mannschaft bei der Asienmeisterschaft bewiesen, dass sie mit den Besten des Kontinents mithalten kann. "Das zeigt, dass die grundlegenden technischen Standards hoch sind", sagt Soukup. "Wenn es ein besseres Umfeld gäbe, könnte der Jemen eine starke Mannschaft in Asien werden."

Eine Voraussetzung dafür wäre aber, dass der 2022 unterzeichnete Waffenstillstand weiterhin Bestand hat. "Das würde natürlich dazu beitragen, dass der Fußball wieder aufgenommen werden kann", sagt Al-Zuriqi. Der Verband hat erklärt, dass im Juli eine Liga stattfinden wird, obwohl das genaue Format, der Zeitplan und der Austragungsort noch nicht feststehen, da Teile des Landes noch von verschiedenen Gruppen kontrolliert werden.

"Wir hoffen, dass die Liga erfolgreich sein wird und den Spielern hilft, sich gut zu messen und den Trainern bei der Auswahl der Spieler für die Nationalmannschaften ebenfalls hilft", ergänzte der Co-Trainer.

Die nächste Herausforderung für Al-Zuriqi und das Trainerteam steht bereits vor der Tür: die Qualifikation für die U23-Asienmeisterschaft im kommenden Jahr, die im September in Vietnam stattfinden wird. Aufgrund des Erfolgs der U17-Auswahl sind bereits Trainingslager in Saudi-Arabien und Südostasien geplant.

Später im Jahr beginnt dann die Qualifikation für die A-Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. "Wir arbeiten alle hart und hoffen, dass die Situation stabil bleibt", sagt Cheftrainer Soukup. "Wenn sich die Situation im Fußball normalisieren kann, dann ist alles möglich. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber wir machen kleine Schritte."

John Duerden

© Deutsche Welle 2023

Der Text wurde aus dem Englischen adaptiert.

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