Wenn Schadscharian zu Auftritten nach Berlin, Köln oder Frankfurt kam, waren die Konzerthäuser zwar voll, aber das deutsche Publikum blieb fern. Es verkroch sich in seine geistige Provinz, wenn man es realistisch deutet. Es ließ den Platz frei für den Deutschen, der wohl der würdigste, neugierigste und dankbarste Zuhörer gewesen wäre, wenn man es mystisch verstehen möchte. Was hätte Goethe zu Schadscharians Interpretation von Hafez gesagt, oder besser, gedichtet? Das wüsste man gern.

Goethe wusste, dass Hafez' Dichtungen Lieder waren, die gesungen werden wollten. Und er wusste, dass diese Lieder die Kraft hatten, Trost zu spenden. Am Anfang des west-östlichen Diwan heißt es:

“Bösen Felsweg auf und nieder
Trösten, Hafis, deine Lieder”

Aus deutscher Sicht kommt Schadscharian eine ganz eigene kunstgeschichtliche Bedeutung zu. In der Anrufung des Hafez, im ästhetischen Bezug auf ihn, ist Schadscharian kein Geringerer als Goethes Nachfolger.

Eine spitze Bemerkung hätte Goethe sich womöglich nicht verkneifen können. Schadscharians Musik ist zwar sehr variationsreich. Ton und Stimmung sind aber stets von einem unerschütterlichen, erhabenen Ernst gekennzeichnet. Der schalkhafte Witz, der in Hafez' Dichtung regelmäßig aufblitzt und den Goethe so begehrlich aufnimmt, muss in dieser monumentalen Musik untergehen.

Schadscharian beließ es keineswegs bei der Vertonung der persischen Klassik. Er griff auch moderne Dichtungen auf. Aus der Auswahl lässt sich ein klares politisches Bekenntnis ablesen. Das volkstümliche Lied vom “Morgenvogel” ist in der Zeit der Aufstände gegen die absolute Monarchie vor mehr als 100 Jahren entstanden. Markant ist auch das Stück “Winter”, eine Interpretation des gleichnamigen Gedichts von Mehdi Akhavan-Sales (1929-1990), das die eisige Zeit nach dem Sturz des demokratischen Premierministers Mosaddeq 1953 und die Restauration der Marionetten-Monarchie unter Schah Reza Pahlavi widerspiegelt.

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