Seine Romanfigur interessiert sich nicht sonderlich für Politik, aber dennoch spiegelt sich in ihrem Schicksal der Prozess der Identitätsfindung des jungen jüdischen Staates wieder. In Amos Oz' Roman wurde erstmals das Tabu von Beziehungen zwischen Juden und Arabern gebrochen.

Seine zahlreichen, von seinem Leben im Kibbuz inspirierten Romane – darunter der Bestseller "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis", "Der perfekte Frieden", "Eine Frau erkennen", "Der dritte Zustand", "Wenn die Nacht nicht Nacht", "Ein anderer Ort", "Verse auf Leben und Tod", "Allein das Meer" und "Judas" - waren alle autobiographisch grundiert. 

Friedens-Rebell aus der Wüste

Nach dem Sechs-Tage-Krieg war Amos Oz Mitbegründer und international bekannter Vertreter der seit 1977 bestehenden Friedensbewegung "Schalom Achschaw" (Peace Now). Oz machte sich mit seinem politischen Engagement nicht überall beliebt. Bevor er 1998 den Israel-Preis für Literatur verliehen bekam, brach deshalb in Israel eine hitzige Kontroverse über seinen politischen Standpunkt los.

In drei Vorlesungen, die Amos Oz 2002 an der Universität Tübingen hielt und die später in dem Buch "Wie man Fanatiker kuriert" veröffentlicht wurden, räumte er bewusst einige Missverständnisse aus: Die israelische Friedensbewegung sei "keine Zwillingsschwester" der deutschen Friedensbewegung. Und er sei kein Pazifist im sentimentalen Sinn des Wortes, sondern ein Verfechter politischer Kompromisse.

Amoz Oz kämpfte selbst während des Sechs-Tage-Krieges auf dem Sinai, und während des Jom-Kippur-Krieges auf den Golan-Höhen. Als aktiver Soldat hat er immer wieder das Recht Israels auf Selbstverteidigung betont, was ihm wiederum Kritik von anderer Seite einbrachte. Gleichzeitig verurteilte er die Siedlungspolitik der israelischen Regierung.

Den pazifistischen Slogan "Make love not war" hielt Oz für unrealistisch. Es solle besser "Make peace not love" heißen, betonte Oz in zahlreichen Interviews, aber das ginge nur über politische Kompromisse. Fanatismus, auch das Thema seines Romans "Black Box", könne man nicht heilen, sondern nur in Grenzen halten.

Literatur ist mehr als Politik

Im israelisch-palästinensischen Konflikt befürwortete Oz immer eine Zwei-Staaten-Bildung, wie er 2014 betonte: "Mein Vorschlag ist, die Bedingungen für eine Zwei-Staaten-Lösung zwischen Israel und dem Westjordanland zu akzeptieren: Zwei Hauptstädte in Jerusalem, beidseitig akzeptierter Landtausch, Beseitigung der Siedlungen. (…) Aber ich werde Ihnen sagen, was meine Hoffnung und mein Gebet für die Zukunft von Israel ist. Ich würde Israel gerne für alle Zeiten von den Titelseiten der Zeitungen weltweit verschwinden sehen und möchte stattdessen sehen, wie es Siedlungen in den Literatur-, Kunst-, Musik- und Architektur-Beilagen erobert, besetzt und baut. Das ist mein Traum für die Zukunft."

Amos Oz wurde Zeit seines Lebens als politischer Intellektueller und als Friedenskämpfer wahrgenommen, und als Vermittler zwischen den Israelis und den Palästinensern. Aber Oz selbst wollte sein literarisches Werk nicht auf eine politische Botschaft reduzieren lassen.

Er wies in seinen Reden und Publikationen immer wieder drauf hin, dass die Problematik zwischenmenschlicher Beziehungen nicht auf die Lebensbedingungen in einem konkreten politischen Kontext zurückführen sei, sondern auf tieferliegende Abgründe der menschlichen Seele - eine Seele, die nur zufälligerweise in einem bestimmten Land zu einer bestimmten Zeit lebt.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas würdigte Amos Oz als "mutigen, unerschrockenen Verfechter eines Friedens im Nahen Osten". Maas betonte, Oz habe mit seinen "außerordentlichen literarischen Werken" auch ein Stück israelische Zeitgeschichte beschrieben und scheinbare Gewissheiten in Frage gestellt. "Er hat uns immer wieder mit seinen klugen, mahnenden Worten zum Nachdenken gebracht und uns daran erinnert, dass der Frieden nur kommt, wenn wir dafür kämpfen", erklärte der SPD-Politiker.

Angelika Ditscheid

© Deutsche Welle 2018

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