Nach den Afghanistan-Gesprächen in Doha

Testspiel mit den Taliban

Die Tatsache, dass die USA mit den Taliban sprechen und sogar die afghanische Regierung zu Gesprächen drängen, ohne dass die Taliban glaubwürdig zugesichert hätten, ihre Waffen niederzulegen, ist erschreckend, meint Shashi Tharoor.

Bei der letzten Cricket-Weltmeisterschaft in England hat sich eine tapfere afghanische Mannschaft, in der hauptsächlich ehemalige Flüchtlinge spielen, überraschend gut geschlagen – auch in Spielen gegen die Nachbarn Indien und Pakistan. Das lässt sich leider nicht von zwei anderen afghanischen "Teams" sagen, nämlich Vertretern der Taliban und der Regierung, die Anfang Juli in Doha, der Hauptstadt von Qatar, antraten, um einen "Fahrplan für den Frieden" zu vereinbaren.

Die in Doha anwesenden afghanischen Regierungsvertreter durften nicht einmal offiziell als solche gelten, denn ihre Gesprächspartner, eine Bande skrupelloser Extremisten, erkennen die afghanische Regierung nicht an. Die Delegation wurde vielmehr vage als eine Gruppe von Vertretern aus Afghanistan bezeichnet, ohne zu sagen, wen genau sie denn vertritt.

Nach zwei Gesprächstagen einigten sich die Teilnehmer in einer gemeinsamen Resolution auf acht Punkte, worauf Zalmay Khalilzad, der US-Sonderbeauftragte für den Versöhnungsprozess in Afghanistan, twitterte, die Gespräche seien "sehr positiv verlaufen". Er gratulierte den Teilnehmern dazu, "eine gemeinsame Basis"  gefunden zu haben.

Im Schatten der Gewalt

Als zweitgrößtes Geberland nach den Vereinigten Staaten betrachtet Indien diesen Vorgang zu Recht mit einer gewissen Skepsis. Zum einen hatten sich beide Seiten in Doha darauf geeinigt, die Zahl der "zivilen Opfer auf Null zu senken".

Aber noch während des Treffens tränkten die Taliban die sogenannte "gemeinsame Basis" – nämlich den Boden Afghanistans – in unerbittlichen Angriffen mit Blut, nachdem sie zuvor einen Waffenstillstand für das traditionelle Fastenbrechen am Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan abgelehnt hatten.

Die Gewalt hat seither nicht nachgelassen. Im Gegenteil: Mehrere Angriffe der Taliban forderten in den letzten Tagen Dutzende von Toten und Hunderte von Verletzten. Am 1. Juli töteten Taliban-Kämpfer bei einem Angriff auf ein Regierungsgebäude in Kabul mindestens 40 Menschen.

Sohail Shaheen, Vertreter der Taliban während der Gespräche in Doha; Foto: Getty Images/AFP/K. Jaafar
Friedensgespräche mit ungewissem Ausgang: In der Hauptstadt des Golfemirats Qatar hatten Anfang Juli Afghanen aus Politik und Zivilgesellschaft zwei Tage lang mit Taliban-Vertretern über die Zukunft ihres Landes gesprochen. Die Taliban verpflichteten sich zwar unter anderem, keine Zivilisten mehr zu töten und versicherten, dass die afghanischen Frauen auch in Zukunft fundamentale Rechte im politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben "im Einklang mit den islamischen Werten" ausüben dürften. Die Vereinbarung ist jedoch rechtlich nicht bindend

Sechs Tage später verübten die Taliban einen Selbstmordanschlag auf dem Gelände des nationalen Geheimdienstes in der Provinz Ghazni, bei dem mindestens ein Dutzend Menschen starben und etwa 180 verletzt wurden. Bei beiden Angriffen wurden auch Gebäude in der Nähe getroffen, darunter Schulen, in denen Kinder getötet oder schwer verletzt wurden.

Laut dem wöchentlichen "Afghan War Casualty Report" der New York Times erreichte die Zahl der Todesopfer zwischen dem 28. Juni und dem 4. Juli 2019 mit 264 Regierungsbediensteten und 58 Zivilisten einen traurigen Rekord. Und Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht.

"Reden ist besser als Krieg"

Von Winston Churchill ist das Zitat überliefert, "Reden ist besser als Krieg". Die Taliban verstehen es allerdings, zu reden, während sie kämpfen. Sie haben nie einen Hehl aus ihrer Absicht gemacht, das Islamische Emirat wiederherzustellen, unter dem sie Afghanistan von 1996 bis 2001 brutal regierten, bis die USA nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 der Schreckensherrschaft ein Ende setzten.

Mit ihrem erfolgreichen Sturm auf ein grausames Regime erbten die USA die Probleme, die die Russen während ihrer unheilvollen Besetzung Afghanistans von 1979 bis 1989 vergeblich zu lösen versucht hatten.

Mit dem Abzug der Sowjets versank Afghanistan in jahrelange Bürgerkriege und Stammesfehden, die in der Herrschaft der Taliban und der Errichtung einer streng islamischen Theokratie gipfelten, in der Hinrichtungen, Amputationen und Steinigungen an der Tagesordnung waren.

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