Anzeichen für ein Scheitern der von den USA unterstützten Regierung finden sich überall in Mussahi. Viele Einwohner bekunden ihre Unzufriedenheit mit der Führung des Landes. Zahlreiche unterstützen zudem die Taliban.

In Mussahi verachtet man die Soldaten der Afghanischen Nationalarmee. Nur wenige von ihnen erscheinen zum Freitagsgebet. Die, die kommen, sehen unsicher und nervös aus. "Sie wollen so schnell wie möglich wieder fort. Sie wissen, dass sie hier nicht willkommen sind", so ein Bewohner. 

Nur wenige Soldaten können den Kontrollpunkt auf der Brücke überhaupt passieren, die in den Distrikt führt.

Bewohner erzählen von korrupten Regierungsbeamten und langjährigen Familienfehden. Diese Fehden werden üblicherweise vor Taliban-Gerichten beigelegt.

"Hier sprechen die Taliban Recht"

"Hier sprechen die Taliban Recht. Sie haben hier die Kontrolle", sagt ein Einheimischer, der ungenannt bleiben will. Viele ländliche Distrikte in Afghanistan werden bereits vollständig von den Taliban kontrolliert oder stehen unter deren Einfluss. Schätzungen zufolge beanspruchen oder beherrschen die Taliban mehr als die Hälfte des Landes.

US-Präsident Donald Trump; Foto: Getty Images/AFP
Politik des Rückzugs und der Verantwortungslosigkeit: US-Präsident Donald Trump hält eine Machtübernahme der Taliban in Afghanistan nach dem Rückzug der US-Truppen für möglich. "Es ist nicht geplant, dass es so kommt. Aber es wird womöglich so kommen", antwortete Trump jüngst auf die Frage, ob die Taliban die afghanische Regierung nach dem US-Rückzug entmachten könnten. "Jedes Land muss für sich selbst sorgen", rechtfertigte Trump seine Sichtweise. "Man kann jemandes Hand nur eine bestimmte Zeit halten."

Wie die kürzlich veröffentlichten "Afghanistan Papers" darlegten, ignorieren Washington wie auch Kabul große Teile dieser Realität. 

Stattdessen ist die US-Regierung bemüht, ein anderes Bild des Krieges zu zeichnen; ein Bild, das von Lügen und falschen Tatsachen beherrscht wird. Dabei ist Mussahi ein Paradebeispiel dafür, was in den letzten achtzehn Jahren schief gelaufen ist. 

In den 1980er Jahren, also während des Kampfes gegen die sowjetische Besatzung, wurde Mussahi von Mudschahedin kontrolliert, den damaligen Gegnern der von den Sowjets unterstützten kommunistischen Regierungen. Die Rolle der Mudschahedin nehmen heute die Taliban ein, während die von den USA unterstützten Demokraten die Kommunisten abgelöst haben.

Defekte Hilfe

Obwohl Washington in den letzten achtzehn Jahren mehr als eine Billion Dollar in das Land gepumpt hat, ist die einzige "Hilfe", die sich in Mussahi finden lässt, eine defekte deutsche Wasserpumpe aus den 1950er Jahren.

"Andere Hilfen haben wir nicht erhalten. Dabei plagen uns hier viele Probleme, vor allem mit der Landwirtschaft. Aber wie Sie sehen, müssen wir das Problem mit der Pumpe selbst lösen. Unsere Rückständigkeit ist ein Trauerspiel, aber niemand interessiert sich für unsere Anliegen", meint Mohammad Azif, ein Bauer aus Mussahi. 

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