#MuslimsHaveRights-Kampagne in den USA

Muslime haben Rechte!

In den USA gibt es momentan so viele Hassverbrechen gegen Muslime wie seit 15 Jahren nicht mehr. In der #MuslimsHaveRights-Kampagne finden sich Akademiker, Aktivisten und Künstler zusammen, die sich weigern, islamfeindlichen Fanatismus und Rassismus zu akzeptieren. Von Phoebe Braithwaite

Im August 2016 wurde Khalid Jabara auf seiner Veranda in Tulsa, Oklahoma von seinem Nachbarn Vernon Majors erschossen. Dies geschah nur dreißig Minuten nachdem Jabara der Polizei mitgeteilt hatte, er fühle sich nicht sicher. Majors hatte Jabaras Familie wiederholt mit araberfeindlichen Beschimpfungen wie "dreckige Araber" oder "schmutzige Libanesen" beleidigt und im September 2015 Jabaras Mutter Haifa mit seinem Auto angefahren. Vor Kurzem war er gegen Kaution aus der Haft entlassen worden.

Bereits fünf Tage vor Jabaras Tod hatte es einen weiteren rassistischen Mord gegeben, dieses Mal in Queens, New York. Der Imam Maulama Akonjee und sein enger Freund Thara Uddin wurden erschossen, als sie nach dem Nachmittagsgebet auf dem Weg nach Hause waren. Dabei trugen sie 'traditionelle Kleidung'. Die New Yorker Polizei teilte mit, es gebe keinen Hinweis darauf, dass es eine rassistisch motivierte Tat gewesen sei, obwohl die 1.000 US-Dollar, die Akonjee bei sich hatte, vom Mörder nicht angerührt worden waren.

Doch damit nicht genug: Anfang September wurden in Brooklyn zwei Frauen in Hidschab angegriffen, als sie mit ihren elf und 15 Monate alten Kindern unterwegs waren. Emirjeta Xhelili, ihre Angreiferin, sagte ihnen angeblich, sie sollten "abhauen", da sie nicht "hierher gehören". Sie versuchte, ihnen den Schleier vom Kopf zu reißen, und stieß den Kinderwagen eines der Kinder zu Boden.

Die Anzahl der Hassverbrechen gegen Muslime in den Vereinigten Staaten ist derzeit auf dem höchsten Niveau seit 15 Jahren. Im Laufe des Jahres 2015 hat sie laut Forschern der "California State University" um 78 Prozent zugenommen.

US-Bürger befürworten mehrheitlich Einreiseverbot für Muslime

Bereits 2010, also vor sechs Jahren, berichteten 48 Prozent der Muslime in den USA über Erfahrungen von religiöser Diskriminierung. Allein im Jahr 2011 sagte über die Hälfte der amerikanischen Muslime im Alter von unter 30 Jahren, sie seien mit Misstrauen behandelt, beleidigt, von der Polizei bevorzugt kontrolliert und körperlich bedroht worden.

Kampagne Solidarität für Khalid Jabara; Quelle: Arab American Institute
Wegen seiner Herkunft ermordet: Die Familie des 37-jährigen Khalid Jabara hatte in einer Facebook-Mitteilung erklärt, ihr Nachbar Vernon Stanley Majors habe sie seit Jahren als "dreckige Araber", "schmutzige Libanesen" und "Muslims" beschimpft, obwohl sie Christen seien. Khalid Jabara habe im vergangenen August die Polizei angerufen, nachdem er erfahren habe, dass Majors sich eine Waffe gekauft habe. "Er hatte Angst vor dem, was passieren könnte", schrieb seine Schwester Victoria Jabara Williams auf Facebook. Die Polizei habe ihm aber gesagt, es sei nichts zu machen. Wenige Minuten später sei Khalid Jabara vor der Tür seines Hauses in Tulsa erschossen worden.

Laut einer "YouGov"-Umfrage vom März dieses Jahres unterstützt heute eine Mehrheit der US-Bürger ein Einreiseverbot für Muslime. Dies entspricht einer sechsprozentigen Zunahme von 45 auf 51 Prozent seit Dezember 2015, als Donald Trump erstmals "ein totales und vollständiges Verbot der Einreise von Muslimen in die Vereinigten Staaten" vorgeschlagen hatte. Während der zweiten Präsidentschaftsdebatte bestand er darauf, weiter von "radikalem islamischen Terrorismus" zu sprechen, und unterstützte damit die falsche Annahme von 46 Prozent der US-Amerikaner, der Islam würde mehr als andere Religionen automatisch Gewalt unter seinen Anhängern hervorrufen.

Die zahllosen islamophoben Ressentiments und Ausbrüche antimuslimischer Gewalt spiegeln die Abwertung des muslimischen Lebensstils durch diejenigen in der Gesellschaft wider, die die meiste Macht besitzen – die etablierten Vertreter aus Politik und Wirtschaft. "Islamophobie", sagt Arun Kundnani, "ist eine Form von systematischem Rassismus gegen Muslime. Sie wird von Hass, Vorurteilen und Unkenntnis begleitet. Doch ihre wahre Bedeutung liegt darin, dass sie eine permanente Verletzung von Rechten ermöglicht."

Ausgrenzung und Entmenschlichung als Prinzip

"Der Krieg gegen den Terror mit seiner enormen Anzahl von Todesopfern in Afghanistan, im Irak, in Pakistan, in Somalia, im Jemen und anderswo könnte ohne die Entmenschlichung muslimischer Opfer nicht aufrecht erhalten werden", argumentiert Kundnani und betont dabei den inhärenten Zusammenhang von exzessiver Gewalt gegen Muslime im Ausland und ihrer Misshandlung im Heimatland.

Dies sind nur einige Themen, denen sich die #MuslimsHaveRights-Kampagne intensiv widmet. In ihrem ersten Video gehen die Initiatoren der Frage auf den Grund, wie es wohl wäre, wenn Muslime in den USA von heute auf morgen von der Bildfläche verschwänden – ein absurder Gedanke. Auch geht es in disem Video um den Beitrag vieler Muslime am Aufbau moderner westlicher Gesellschaften.

Vor dem Hintergrund von wachsender Islamfeindlichkeit und Rassismus in den USA sprechen sich die #MuslimsHaveRights-Aktivisten gegen den weit verbreiteten Hass aus und zeigen auf solidarische Weise, dass "alle Menschen von Natur aus einzigartig sind und die gleichen Rechte verdienen". Diese Botschaft wird von der Protagonistin des Videos, der amerikanischen Palästinenserin Lamis Deek, überzeugend vermittelt, während sie im Film vom FBI aus ihrem Haus gezerrt wird.

Arun Kundnani, Wissenschaftler, politischer Kommentator und Verfasser des Buchs The Muslims Are Coming! (Die Muslime kommen!), und der preisgekrönte Filmemacher Stewart Thorndike haben gemeinsam eine Gruppe von Aktivisten, Journalisten, Filmemachern und Bürgern um sich versammelt, die sich weigern, Intoleranz, Islamfeindlichkeit und Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft weiterhin hinzunehmen.

Zu dem Beraterstab des Projekts gehören Isra Ali, eine feministische Medienwissenschaftlerin an der Universität von New York, deren Forschungen sich um den Krieg gegen den Terror drehen; Murtaza Hussain, ein Journalist bei The Intercept, der über Außenpolitik und nationale Sicherheit schreibt; die Professorin für Medienwissenschaften und Nahoststudien Deepa Kumar; die Journalistin Aviva Stahl, die über Gefängnisse, nationale Sicherheit und Einwanderungshaft schreibt; die Dokumentarfilmerin Madiha Tahir, die den Film Wounds of Waziristan (Wunden von Waziristan) über Drohnenangriffe in Pakistan gedreht hat; und Saadia Toor, Professorin für Soziologie und Anthropologie an der City-Universität von New York.

Muslime haben Rechte. Setzen wir uns für sie ein!

Phoebe Braithwaite

© OpenDemocracy 2016

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

Phoebe Braithwaite ist eine freie Journalistin aus New York, die sich für die Förderung der #MuslimsHaveRights-Kampagne einsetzt.

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