Muslime in Laos

Religiöse Freiheit im Schatten der Autokratie

Sowohl in Bezug auf wirtschaftliche wie politische Freiheit rangiert Laos weltweit noch immer auf einem der letzten Plätze. Nur was die religiöse Freiheit der dort lebenden Muslime anbetrifft, schneidet das Land ironischerweise recht gut ab. Yogi Sikand besuchte die kleinste muslimische Gemeinschaft Südostasiens.

Azhar Moschee in Vientiane, Laos; Foto: Yogi Sikand
In ganz Laos gibt es nur zwei Moscheen, beide in der Hauptstadt Vientiane. Die Azhar Moschee (Foto) ist auch als 'Kambodschanische Moschee' bekannt, was auf die ethnischen Wurzeln der hier Betenden verweist.

​​ Eingezwängt von Thailand im Westen, China im Norden und Kambodscha und Vietnam im Osten sowie mit einer Bevölkerung von nicht einmal 7 Millionen Menschen ist Laos eines der kleinsten Länder Südostasiens. Zugleich gehört es zu den ärmsten Ländern der Welt.

Etwa 60% der Bevölkerung gehören der vorherrschenden Ethnie der Lao an, von denen wiederum die große Mehrheit angibt, Buddhisten zu sein. Ungefähr ein Drittel der Laoten, vor allem aus den Minderheitenethnien der Hmong und Khmu, sind Animisten und verehren diverse Wald- und Ahnengeister. Die Muslime bilden nur einen sehr kleinen Teil der laotischen Bevölkerung. Führer ihrer Gemeinschaft schätzen ihre Zahl auf weniger als 800, was das Land asienweit womöglich zu dem Staat mit dem geringsten Anteil und auch der absolut geringsten Zahl von Muslimen macht.

Die ersten Muslime sollen im frühen 20. Jahrhundert nach Laos gekommen sein, als das Land noch unter französischer Kontrolle war. Die meisten von ihnen waren Tamil sprechende Labbais und Rawthers aus Südindien und aus der von den Franzosen beherrschten Enklave Pondicherry, entlang der südöstlichen Küste des Golfs von Bengalen. Die meisten waren alleinstehende Männer und arbeiteten als Wächter und Arbeiter in Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Später kamen Paschtunen aus der nordwestlichen Provinz des heutigen Pakistan hinzu, von denen viele zuvor in der britischen Armee gedient hatten und während des Ersten Weltkriegs im benachbarten Birma stationiert waren.

Chaos nach der Unabhängigkeit

1953 erlangte Laos nach einem langen und blutigen Krieg die Unabhängigkeit von Frankreich. Es folgten Jahre des Chaos, die Laos in einen zerstörerischen Krieg führten zwischen von den USA gestützten Kräften und der kommunistischen Widerstandsbewegung Pathet Lao, die von Vietnam und China unterstützt wurden. 1973 zogen sich die USA zurück, zwei Jahre später übernahmen die Kommunisten die Macht im gesamten Land und proklamierten die Demokratische Volksrepublik Laos.

Mitte der 1960er Jahren wurde die muslimische Bevölkerung des Landes noch auf 7000 geschätzt, doch flüchteten sehr viele von ihnen im Verlauf des Krieges in andere Länder. Die, die blieben, waren zumeist so arm, dass sie es sich nicht leisten konnten, das Land zu verlassen.

Kambodschanische Muslime

Elephanten in Laos; Foto: AP
Laos ist ein agrarisch geprägtes Land. Wie auch der Rest der Bevölkerung führen die Muslime ein eher einfaches Leben, oft unterhalb der Armutsgrenze.

​​ Heute leben kaum mehr als 100 muslimische Familien in Laos. Der bei weitem größte Teil von ihnen (61 Familien) entstammt der Gruppe der kambodschanischen Muslime. Die ersten von ihnen kamen als Arbeiter und Kleingewerbetreibende vor etwa 40 Jahren ins Land, doch die meisten erst in den 1980er Jahren, als die brutalen Roten Khmer die Macht in ihrem Heimatland übernahmen. Heute verdienen die meisten von ihnen ihren Lebensunterhalt als Händler von Heilpflanzen, die sie aus Kambodscha importieren.

Sehr viele der kambodschanischen Muslime in Vientiane leben in der Nähe des Chinesenviertels. Im Zentrum ihres Viertels steht eine große Moschee. Die 1986 erbaute Majid Azhaar-Moschee ist ein anmutiges Gebäude mit zwei großen Sälen, gekrönt von zahlreichen vergoldeten Kuppeln. Ein Saal dient als Gebetshalle, der andere als Maktab [muslimische Grundschule, D.K.], in der etwa 50 Kinder kambodschanischer Muslime in zwei Tagesschichten unterrichtet werden, so dass sie auch die reguläre Schule besuchen können.

Muslimische Migranten aus Pakistan

Unter den Muslimen in Laos bilden die Paschtunen aus Pakistans Nordwestprovinz nach den aus Kambodscha stammenden Muslimen die zweitgrößte ethnische Gruppe. In den letzten Jahren verringerte sich die Gruppe erheblich durch Auswanderungen in den Westen und nach Pakistan, so dass die Gemeinschaft heute nur noch etwa 30 Familien zählt.

Fast alle von ihnen sind laotische Staatsbürger und etwa 20 Paschtunen haben Laotinnen geheiratet, die nach der Hochzeit zum Islam konvertiert sind. Ungefähr ein Dutzend der Männer arbeiten für die Regierung, unter ihnen ein hochrangiger Polizeibeamter. Von den übrigen sind die meisten in Vientiane ansässige und recht wohlhabende Textilhändler; einige besitzen ansehnliche landwirtschaftlich genutzte Grundstücke.

Tamilische Muslime

Hinweisschild der Jamia Moschee in Vientiane, Laos; Foto: Yogi Sikand
Sprachliche Vielfalt: Die Jamia Moschee hält ihre Freitagsgebete abwechselnd in Urdu und Tamil ab.

​​ Die dritte und kleinste ethnische Gruppe unter den laotischen Muslimen wird, mit etwa 70 Personen, von den Tamilen aus Südindien gebildet. Die meisten von ihnen sind im Kosmetikhandel tätig und führen Produkte aus China, Vietnam und Thailand ein.
Die Jamia Masjid-Moschee im Herzen Vientianes wird vor allem von den Paschtunen und den Tamilen genutzt. Der Imam der Moschee, Maulvi Qamruddin, ist Tamile und leitet die Freitagsgebete in Urdu und Tamil, wobei er die beiden Sprachen jeweils im Wechsel benutzt. Auch diese Moschee verfügt über eine kleine Maktab, in der die Kinder in Arabisch unterrichtet werden und in der sie den Islam kennen lernen; hier ist die Unterrichtssprache Lao.

Die tamilischen und kambodschanischen Muslime schlossen sich jüngst mit den Paschtunen zur Muslimischen Gemeinschaft von Laos "Muslim Association of Laos) zusammen, um sich der Interessen der Gemeinde anzunehmen und zugleich als Verbindungsstelle zur Regierung zu dienen. Der Präsident der Organisation, Haji Muhammad Rafiq, alias Sofi Sengsone, sagt hierzu: "Unsere Beziehungen zur laotischen Regierung waren schon immer sehr gut und wir haben hier keinerlei Probleme, was unsere religiösen Belange betrifft. Die Menschen in Laos sind generell sehr freundlich und herzlich." Und er fügt hinzu: "Wir haben großes Glück, hier leben zu können."

Yogi Sikand

© Qantara.de 2008

Übersetzung aus dem Englischen von Daniel Kiecol

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