Museum ohne Grenzen

Islamische Kunst im Mittelmeerraum

Eine neue Form des Kunsterlebens möchte die Initiative "Museum ohne Grenzen" mit seinen ungewöhnlichen Projekten erreichen. Etwa mit Kunstbänden über islamische Kunst im Mittelmeerraum. Über den grenzenlosen, Kulturdialog berichtet Petra Tabeling.

​​Europa verbindet mit dem Mittelmeerraum eine Jahrtausende alte, gemeinsame Geschichte, von der eine Vielzahl an Kunstwerken, Denkmälern, historischen Schauplätzen und archäologischen Anlagen zeugen.

Ein reiches Kulturerbe, in dem viele religiöse und kulturelle Identitäten aufeinander treffen und in ihrer regionalen Entwicklung voneinander profitiert haben - aber in diesem Zusammenhang bislang nur wenig Beachtung fanden.

Um Monumente und archäologische Stätten im Mittelmeerraum bekannt zu machen, die der herkömmliche Tourismus bisher ignorierte, hat das Projekt "Museum ohne Grenzen" (MOG) eine bislang beispiellose Arbeit geleistet.

Vor zehn Jahren von Fachleuten aus dem Bereich Kultur, Verlag und Öffentlichkeitsarbeit und auf Initiative der Koordinatorin Eva Schubert gegründet, setzt sich MOG auf vielfache Weise auch für die multilaterale und kulturelle Kooperation zwischen Europa und den südlichen und östlichen Mittelmeeranrainerstaaten ein.

Fokus auf wenig bekannte Kunstobjekte

Zum Beispiel mit der Kunstbandreihe "Islamische Kunst im Mittelmeerraum". Die Bände illustrieren so genannte Ausstellungsstraßen in den unterschiedlichen Ländern. Die Idee dahinter: Anstatt Kunstwerke in einem Museum statisch zu betrachten, kann sich der Besucher auf ausgewiesenen Routen von Ort zu Ort bewegen, um die Kulturschätze in ihrer natürlichen Umgebung zu entdecken.

​​Die Ausstellungsstraßen sollen vor allem dazu dienen, den Individual-Tourismus zu entwickeln und konzentrieren sich auf bisher weniger bekannte Bauwerke und Kunstgegenstände des islamischen Kulturraums.

So thematisieren bislang drei auf Deutsch erschienene Bände die arabisch-normannische Kunst Siziliens, die Kunst und Architektur in Tunesien sowie die islamische Kunst im Westjordanland und Gazastreifen.

Gemeinsames Kulturerbe verbindet

Das Besondere an diesen Kunstkatalogen ist, dass sie von ortsansässigen und landeskundigen Wissenschaftlern verfasst wurden und so die Geschichte sowie das künstlerische Erbe der verschiedenen Länder und Regionen aus der lokalen Sicht schildern. Gesellschaftlich und politisch befehdete Regionen finden Gemeinsamkeiten in der Kultur.

Zum Beispiel Westjordanland und Gazastreifen: Erstmals haben sich palästinensische Fachautoren und Islamwissenschaftler, dank der Initiative von "Museum ohne Grenzen", mit dem islamischen Kulturerbe in diesen Regionen befassen können.

Finanziert vom Kulturfonds der Europäischen Union will MOG eine Plattform bieten, auf der erstmals alle beteiligten Länder ihre Geschichte aus eigener Sicht schildern können, so die Koordinatorin der Initiative, Eva Schubert.

"Somit wird diese kulturelle Kooperation ganz gezielt für einen Dialog zwischen den Ländern eingesetzt, der ja die Grundlage für jede politische Verständigung ist."

Kulturelle Grundlage für Verständnis und Toleranz

Das EU-Projekt möchte mit den thematischen Kunstbänden zur islamischen Kunst im Mittelmeerraum aber auch ein neues Bewusstsein für den Tourismus wecken und den angrenzenden Ländern damit auch neue Möglichkeiten zur Restaurierung und Bewahrung aufzeigen. Bisher beteiligen sich Institutionen aus 20 Ländern Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens am Programm "Museum ohne Grenzen".

​​Für Kunstreisende ist die Reihe "Islamische Kunst im Mittelmeerraum" ein kompakter Orientierungsführer für die dortigen Ausstellungsstraßen des "Museums ohne Grenzen". Für Orientalisten und Kunstkenner bieten die Bände fundierte Nachschlagewerke aus allen Perspektiven.

Bislang in mehreren Sprachen sind die reich illustrierten und sehr kompakten, ungewöhnlichen Kunstführer übersetzt - in Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch und Türkisch.

Bei den beteiligten Mittelmeerländern, wie zum Beispiel Tunesien, erfahren die Bände bereits eine gute Resonanz. Auch der Band über die islamische Kunst im Gazastreifen ist bereits in Gaza-Stadt erhältlich und soll nun auf Arabisch herausgebracht werden.

Der palästinensische Verlag "Al-Faris", mit Sitz in Jordanien, ist für alle arabischen Übersetzungen zuständig, von denen es noch weitere geben wird. Für die deutschen Ausgaben wurde der Wasmuth Verlag in Tübingen gewonnen.

Petra Tabeling

© Qantara.de 2005

Bisher auf Deutsch erschienen:

Arabisch-Normannische Kunst: Siziliens Kultur im Mittelalter. Ernst Wasmuth Verlag Tübingen/Berlin, ISBN 3 8030 4102 3, 24.80 EUR

Palästinensische Autonomiegebiete: Pilger, Sufis und Gelehrte, Islamische Kunst im Westjordanland und im Gazastreifen, Ernst Wasmuth Verlag Tübingen/Berlin, ISBN 3 8030 4101 5, 24.80 EUR

Tunesien: Ifriqiya. 13 Jahrhunderte Kunst und Architektur in Tunesien, Ernst Wasmuth Verlag Tübingen/Berlin, ISBN 187404451, 24.80 EUR

In Planung (auf Deutsch)
Die Mudejar-Kunst. Islamische Ästhetik in christlicher Kunst. Ernst Wasmuth Verlag Tübingen/Berlin, ISBN 3 8030 4102 3, 24.80 EUR

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