Murree-Brauerei in Rawalpindi

Bier und Whisky made in Pakistan

Wer Pakistan hört, denkt erst einmal an islamische Extremisten, religiöse Intoleranz, staatliche Korruption und lange Jahre des Terrors. Single-Malt-Whisky dagegen, ein halbes Dutzend Sorten Bier und 120 Jahre Brauereikunst werden den wenigsten in den Sinn kommen. Von Philipp Breu

Etwa 96 Prozent der Einwohner Pakistans sind Muslime, die meisten mit einer tiefen inneren Beziehung zu ihrer Religion. Kein prädestiniertes Terrain für eine Firma, die Bier braut und Schnäpse brennt, möchte man meinen. Aber die Geschichte der Murree-Brauerei, die heute in Rawalpindi nahe der Hauptstadt Islamabad ihren Sitz und ihre Anlagen hat, beginnt schon 1860, als die ganze Region als Britisch-Indien bekannt war und das Land namens Pakistan noch in ferner Zukunft lag.

Da die Truppen Ihrer Majestät auch damals schon durstig waren und es zu teuer gewesen wäre, Bier und Schnäpse aus dem Königreich nach Britisch-Indien zu transportieren, hatten die Soldaten in der damaligen Hillstation Murree, heute ein beschaulicher Naherholungsort bei Islamabad, einfach selbst eine Brauerei eröffnet. Aus dieser wurde beim Abzug der Briten und der Unabhängigkeit Pakistans 1948 dann ein unabhängiges Unternehmen.

Historische Brauerei in Flammen

Zu jenem Zeitpunkt hatte der Betrieb bereits in andere Städte des Landes expandiert, die Produkte kamen gut an. Im Chaos der Teilung des Subkontinents, bei der bis zu einer Million Menschen ums Leben kamen, wurde auch die historische Brauerei in Murree ein Opfer der Flammen, die Anlage in Rawalpindi ist heute der einzige Standort der Firma.

"Wir sind außerordentlich stolz auf unsere Geschichte und unsere Produkte", sagt der Geschäftsführer der Firma, Isphanyar M. Bhandara. Der 47-Jährige sitzt an einem Samstag während des islamischen Fastenmonats Ramadan im Büro der Brauerei in Rawalpindi.

Der Besuch an diesem Tag ist doppelt außergewöhnlich für Pakistan. Normalerweise ruht im heiligen Monat Ramadan tagsüber in den meisten Firmen der Betrieb oder es wird zumindest nur eingeschränkt gearbeitet. Dazu kommt, dass fast alle Betriebe in Pakistan nur eine fünftägige Arbeitswoche kennen. In der Murree-Brauerei wird dagegen auch im Fastenmonat gearbeitet, und das an sechs Tagen die Woche.

Ein Ingenieur kontrolliert die Brautanks, in denen die alkoholischen Biere in den Anlagen der Brauerei in Rawalpindi hergestellt werden; Foto: Philipp Breu
Prüfender Blick: Beim Rundgang über das ausgedehnte Gelände der Anlage sieht man moderne Abfüllanlagen und Sudkessel, Wasserfiltrationsanlagen aus Deutschland, Laboratorien zur ständigen Kontrolle der Getränke und Zutaten und den vielleicht bestgehüteten Keller des Landes, in dem der Whiskey gelagert wird. Pakistan ist übrigens das einzige islamische Land der Welt, das Whiskey produziert.

Beim Rundgang über das ausgedehnte Gelände der Anlage sieht man moderne Abfüllanlagen, moderne Sudkessel, Wasserfiltrationsanlagen aus Deutschland, Laboratorien zur ständigen Kontrolle der Getränke und Zutaten und den vielleicht bestgehüteten Keller des Landes, in dem der Whiskey gelagert wird. Etwa eine Million Liter werden ständig auf Vorrat gehalten, das älteste Fass datiert auf 2003.

Bhandaras Betrieb hat in der wechselhaften Geschichte des Landes gelernt, sich anzupassen. Als das Land 1948 gegründet wurde, war es noch eine säkulare Republik, erst 1956 bekam es den Zunamen "Islamische Republik", und 1977 wurde dann von Premierminister Zulfikar Bhutto als Geschenk an die islamischen Parteien ein Gesetz verabschiedet, welches die Identität der Brauerei für immer verändert hat.

Ein lukratives Geschäft

Mit stolz erklärt Bhandara: "Bis dahin konnten alle pakistanischen Bürger unsere alkoholischen Getränke legal kaufen und trinken, auch wenn es mit den Geboten des Islam nicht vereinbar war. Mit dem Gesetz aber wurde festgeschrieben, dass alle Muslime, auch Ausländer, in Pakistan keinen Alkohol mehr erwerben und konsumieren durften. Wir mussten uns anpassen und haben uns diversifiziert. Wir produzieren seitdem auch Limonaden, Wasser, nichtalkoholisches Bier und sogar Marmeladen. Wir hatten zunächst große Probleme, den Verlust an Umsatz wieder gut zu machen, aber heute verdienen wir mit diesen Produkten am meisten."

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